US-Botschafter in Deutschland Grenell will Konservative in Europa stärken

Der neue US-Botschafter in Berlin hat der ultrarechten Website "Breitbart" ein für Diplomaten außergewöhnliches Interview gegeben: Darin spricht Richard Grenell über seine Pläne für Europa und "Rockstar" Sebastian Kurz.

Richard Grenell
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Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, ist noch keine vier Wochen im Amt. Schon an seinem ersten Tag hatte er für Unmut gesorgt, als er via Twitter mitteilte, deutsche Firmen, die in Iran tätig seien, sollten ihre Geschäfte sofort herunterfahren. Der Tweet kam nicht gut an, er widersprach den Regeln der Diplomatie, dass man seinem Gastgeber nichts auftrage. Nun sorgt Grenell erneut für Aufsehen, diesmal mit einem Interview, das er der ultrarechten Website "Breitbart" gab.

Darin erklärt Grenell, sich in politische Angelegenheiten Europas einmischen zu wollen - für einen Diplomaten eine außergewöhnliche Aussage. Aus ganz Europa hätten ihn Vertreter der Konservativen kontaktiert um ihm zu sagen, dass sie derzeit Aufwind verspürten, sagte Grenell. "Ich möchte andere Konservative in Europa, andere Anführer, definitiv stärken."

Es gebe keinen Zweifel daran, dass die Konservativen in Europa auf dem Vormarsch seien, "und das ist eine spannende Zeit für mich". Er sehe sich um und realisiere, dass es viel zu tun gebe. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten habe einzelne Menschen und Gruppen darin bestärkt, nicht einfach hinzunehmen, dass die politische Elite schon vor Wahlen festlege, wer gewinne und wer antrete.

Grenell gilt als außenpolitischer Hardliner und einer der ersten und stärksten Unterstützer von Trumps außenpolitischem Kurs (mehr zum neuen US-Botschafter in Berlin lesen Sie hier). Mit einer Strategie könne man gewinnen, sagte Grenell nun im Interview mit der Propaganda-Plattform: Indem man sich auf konservative Themen fokussiere, die das Leben für Arbeiter verbesserten. Es bekämen diejenigen Kandidaten "massive Unterstützung", die sich "konsistent konservativ" zu Themen wie Einwanderung, Steuern oder Bürokratieabbau äußerten, so Grenell.

Ganz konkret nannte er in dem Interview den österreichischen Kanzler. "Ich denke, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin großer Fan." Kurz hatte im vergangenen Oktober mit seiner konservativen ÖVP die Parlamentswahl in Österreich gewonnen und dann mit der rechtspopulistischen FPÖ eine Regierungskoalition gebildet. Er gilt als scharfer Kritiker von Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

Der Familiennachzug für Flüchtlinge sei derzeit das zentrale Thema in Deutschland, sagte Grenell gegenüber "Breitbart". Er verwendete dafür den in den USA negativ aufgeladenen Begriff "chain migration", also "Kettenmigration".

Für das Interview erntet Grenell deutliche Kritik, es geht vor allem um den Vorwurf, er politisiere sein Amt. Der demokratische US-Senator für Connecticut, Chris Murphy, schrieb via Twitter, Grenell habe ihm einst versichert, sich als Botschafter aus Politischem herauszuhalten. "Dieses Interview ist furchtbar - Botschafter sollten im Ausland keine politischen Parteien 'stärken'."

aar

insgesamt 110 Beiträge
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gandhiforever 04.06.2018
1. Nicht akzeptabel
Als botschafter ist ein Typ, der sich in die inneren Angelegenheiten anderer Laender einmischen will, nicht akzeptabel. Zwar hat solche Einmischung eine lange Tradition, nicht nur in Lateinamerika, doch ist Europa nicht irgendeine Bananenrepublik. Der Typ gehoert ins AA einbestellt, wo ihm klar gemacht werden muss, dass er seine Befugnisse als Botschafter einzuhalten hat. Sollte er das nicht einsehen, ist er zur persona non grata zu erklaeren.
aurichter 04.06.2018
2. Bei dem
Botschafter hat man bereits nach sehr kurzer Zeit das Gefühl, dass dieser für Trump über Berlin den Bogen zu Moskau spannen soll. Wäre schön, wenn dieser Unruhestifter schon bald als Persona non grata eingestuft wird. Zumindest gibt es von Seiten der Bundesregierung bestimmt Hebel, um es auch zu verdeutlichen.
Allein-Unter-Welpen 04.06.2018
3. Die politische Elite legt fest wer gewinnt und zur Wahl antritt
Ein von Trump ernannter Diplomat praktiziert Trumpsche Diplomatie: einfach mal die Wahrheit beim Namen nennen… . Und ganz Europa wird getrollt. Kein Wunder das Trump als groesster US-Praesident aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird.
feomatar 04.06.2018
4. Ausweisen
Deutschland hätte ihn schon am ersten Tag, nach seinem Iran-Tweet, ausweisen sollen. International hätte das uns viel Ansehen eingebracht, wahrscheinlich auch bei den Politikern, die die nachfolgende US Regierung stellen werden. Trump und seine Radikalen darf man nicht ernstnehmen und Kuschelpolitik wirkt mit ihnen definitiv nicht.
01723950755 04.06.2018
5. Botschafter oder Politiker???
Eigentlich sollte ein Botschafter als Vertreter seines Staates möglichst apolitisch handeln - er sollte es in seiner Tätigkeit mit Menschen verschiedenster politischer Richtungen zu tun bekommen. Eine politische Preferenz ist da eher hinderlich. Herr (Politiker/Botschafter?) Grennel scheint sich über die Aufgaben und Pflichten seiner Stelle überhaupt nicht informiert zu haben.
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