Richard Perle US-Irakkriegsplaner droht Syrien

Richard Perle, Mitglied der verteidigungspolitischen Kommission des Pentagon, hat in einem Interview gedroht, Syrien könne zu einem Angriffsziel der USA werden, sollten in dem Land irakische Massenvernichtungswaffen gefunden werden.


Richard Perle

Richard Perle

London - Der "International Herald Tribune" sagte Perle, der auch als einer der Planer des Irakkriegs gilt, die USA müssten auf einen solchen Fund reagieren. "Zunächst würden wir von Syrien verlangen, dass sie alles abgeben, was in ihrem Besitz gelangt ist, um die Bedrohung zu beseitigen", ergänzte Perle. "Wenn das nicht geschieht, würde wohl keiner ausschließen wollen, dass wir die volle Breite unserer Möglichkeiten ausschöpfen."

Perle fügte hinzu, das US-Militär bereite sich derzeit zwar nicht für einen Feldzug nach dem Irak-Krieg gegen andere Länder vor, denen die USA ebenfalls die Unterstützung von Terrorismus und die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vorwerfen. "Die Botschaft an Syrien, den Iran, Nordkorea, Libyen sollte aber klar sein. Falls wir keine Alternative haben, sind wir bereit zu tun was notwendig ist, um Amerikaner und andere zu verteidigen."

Perle hatte vor Kurzem die Leitung des verteidigungspolitischen Beratungsgremiums abgegeben, war aber Mitglied der Pentagon-Runde geblieben.

Warnung auch von Bush

US-Präsident George W. Bush hat unterdessen Syrien davor gewarnt, flüchtenden Angehörigen des irakischen Regimes Zuflucht zu gewähren. "Syrien muss verstehen, dass wir volle Zusammenarbeit erwarten", sagte Bush nach dem Besuch verletzter US- Soldaten in einem Krankenhaus bei Washington am Freitag. "Wir fordern Syrien dringend auf, keinem Mitglied der Baath-Partei, der Saddam- Familie oder Generälen Zuflucht zu gewähren." Falls sich bereits Mitglieder der irakischen Führung nach Syrien abgesetzt hätten, verlange Washington die Auslieferung, sagte Bush.

Nach Informationen der "Washington Times" soll eine Reihe führender irakischer Waffenexperten nach Syrien geflohen sein und will von dort möglicherweise nach Frankreich weiterreisen. Unter ihnen befinden sich nach Angaben der Zeitung Huda Sali Nahdi Ammasch, die den Spitznamen "Dr. Anthrax" trage, und Rihab Taha, beides Top- Wissenschaftlerinnen des biologischen Waffenprogramms. Ammasch steht auf der Liste der 55 von den Alliierten meist gesuchten Spitzenkräfte.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Syrien in der vergangenen Woche vorgeworfen, höher gestellten Irakern und ihren Familien bei der Flucht zu helfen und die Warnungen der USA vor einer Unterstützung des irakischen Regimes bewusst zu ignorieren. Dagegen bescheinigte der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage der Regierung in Damaskus, sie habe auf die US-Forderungen reagiert, das Regime von Saddam Hussein nicht zu unterstützen. Syrien habe seine Grenze zum Nachbarland Irak inzwischen geschlossen.

Hochrangige US-Politiker wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben Syrien in den vergangenen Wochen vorgeworfen, Waffenlieferungen in das Nachbarland Irak sowie die Flucht von Irakern zuzulassen. Syrien hat dazu bislang nicht Stellung genommen.

Die USA beschuldigen die syrische Regierung, den Terrorismus zu unterstützen und nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Diese Vorwürfe wies die Regierung in Damaskus zurück. Syrien hat sich allerdings für einen Sieg der Truppen von Iraks Präsident Saddam Hussein über die amerikanischen und britischen Soldaten ausgesprochen.

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