Santorum-Vorwahlsieg in Louisiana Obamas bester Mann

Und wieder Rick Santorum: Der Rechtsaußen gewinnt die Vorwahlen in Louisiana. Dabei ist die republikanische Präsidentschaftskandidatur längst entschieden. Aber Santorum kämpft weiter, gegen Mitt Romney und gegen Gottlosigkeit. Er hilft damit seinem größten Gegner - Barack Obama.

Republikaner-Kandidat Rick Santorum: "Durcheinandergewirbelt"
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Republikaner-Kandidat Rick Santorum: "Durcheinandergewirbelt"

Von , Washington


Rick Santorum hat einen echt harten Job. Seit drei Monaten und drei Dutzend republikanischen Vorwahlen gibt er den Republikaner-Radikalinski. Gegen Präsident Barack Obama, gegen seinen Parteikollegen Mitt Romney, gegen Abtreibung, Verhütungsmittel, Gottlosigkeit. Und gegen überhaupt alles, was die letzten fünf Jahrzehnte so hervorgebracht haben.

Am Samstag nun hat der Mann die republikanischen Vorwahlen in Louisiana gewonnen. Ach, mehr noch: "Louisiana hat das republikanische Rennen ein weiteres Mal durcheinandergewirbelt", trompetet seine Kampagne per Pressemitteilung am Abend. Mit nahezu 50 Prozent hat er fast doppelt so viele Stimmen geholt wie Romney. Newt Gingrich (16 Prozent) und Ron Paul (6) folgen abgeschlagen, können beide nicht mal einen einzigen Delegierten für den Parteitag im Spätsommer gewinnen.

Es kann nur noch einer siegen

So, und was sagt uns das jetzt? Dass das "Zwei-Mann-Rennen" Santorum versus Romney "gerade beginnt", wie Santorums Leute weismachen wollen? Unsinn. Es ist ganz anders. Denn eines ist klar Ende März 2012: Dass Mitt Romney am Ende der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei sein wird. Basta.

Die Frage ist nur: Wieviel Federn muss er noch lassen auf dem Weg zur Nominierung? Wieviel Geld muss er noch investieren? Wieviele persönliche Angriffe noch einstecken?

Santorum kann nicht mehr gewinnen. Er hat bis jetzt nicht mal halb so viele Delegierte verbuchen können wie Romney. Äußerst unwahrscheinlich, dass ausgerechnet Gotteskrieger Santorum noch die großen, zum moderateren Romney neigenden Staaten New York, Texas oder gar Kalifornien gewinnen könnte. Klar, rein rechnerisch ist noch alles drin für den Ex-Senator aus Pennsylvania. Nur wird ihm das auch nicht helfen.

Ein Beleg ist die kippende Stimmung in der Partei. Über Monate hielten viele führende Republikaner ihr Pulver trocken, legten sich nicht öffentlich auf einen der Kandidaten fest. Wäre ja dumm, wenn am Ende ein anderer gewinnt. Nun aber bekennen sich immer mehr Parteigranden zu Mitt Romney. Am Mittwoch war es Jeb Bush, Bruder von Ex-Präsident George W. Bush und selbst früherer Gouverneur von Florida. Der 59-Jährige wurde selbst lange als Präsidentschaftskandidat gehandelt, viele erhofften sich sogar noch bis zuletzt, er würde kurzfristig ins Rennen eintreten und die Partei einen. Die Bush-Erklärung für Romney jetzt wird ihre Wirkung nicht verfehlen, man wird Bushs Beispiel folgen. Und Jeb Bush selbst kann auf die Dankbarkeit Romneys zählen, in welcher Funktion auch immer.

Romney und die Kinder-Zaubermaltafel

Santorum aber hat angekündigt, bis zur letzten Vorwahl durchzuhalten. Das ist die Wahl in Utah, am 26. Juni. Somit ist davon auszugehen, dass der Kampf der Republikaner Woche um Woche skurriler wird. Und härter. Zuletzt war es ein Vergleich mit der Kinder-Zaubermaltafel "Etch a Sketch", der für Aufregung sorgte. Eric Fehrnstrom, Romneys Top-Stratege, bemerkte recht ungeschickt, dass man für die Kampagne gegen Obama im Herbst den Reset-Knopf drücken werde, dass sich alles ändern werde. Es sei eben wie beim "Etch a Sketch": Wenn man die Tafel schüttele, verschwinde das gezeichnete Bild und man könne von vorn beginnen.

Santorum stieg sofort darauf ein. Es war die Gelegenheit, Romney erneut als Wendehals zu karikieren. "Stellt Euch mal vor, Romney wäre dabeigewesen, als wir unsere Verfassung schrieben. Er hätte die nach ihrer Verabschiedung glatt mal geschüttelt und neu angefangen", lästerte er. Der Höhepunkt dann am Donnerstag in Texas. Es müsse schon ein wahrlich Konservativer gegen Obama antreten, dozierte Santorum auf einer Wahlkundgebung, der Unterschied zum Amtsinhaber dürfe nicht zu klein ausfallen. Denn sonst "könnten wir ja einfach mit dem weitermachen, was wir haben, statt das Risiko eines Etch-a-Sketch-Kandidaten einzugehen". Also lieber Obama statt Romney? Oha!

Kurz darauf mühte sich Santorum, die Nummer wieder einzufangen. Egal wer der republikanische Kandidat am Ende sei, er werde ihn unterstützen. Romneys Leute derweil nahmen sich Santorum vor, bezeichneten ihn als "Präsident Obamas nützlichsten Mitspieler". Jeder Tag, den Santorum weiter im Rennen bleibe, sei ein verlorener Tag im Kampf für die republikanische Einheit, um Obama zu schlagen.

Starker Tobak. Aber wahr. Santorum ist längst Obamas bester Mann. Der Rechtsaußen kann nicht mehr siegen - nur noch Romney das Leben schwer machen. Obama wird sich freuen und auf Santorums Durchhaltewillen setzen. "Dieses Rennen ist lang und weit entfernt von seinem Ende", stellte Santorum prompt am Samstagabend klar. Na bitte.

Der Präsident hat selbst kritische Wochen vor sich. Am Montag beginnt der Kampf um seine Gesundheitsreform vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Ein Thema, das die Republikaner im Wahlkampf groß zu spielen gedenken. Wie praktisch, dass Santorum stets lautstark daran erinnert, wie einst Romney als Gouverneur von Massachusetts das Vorbild für Obamas Reform kreiert habe. Eine feine Sache für den Präsidenten, es immunisiert ihn für den Präsidentschaftswahlkampf gegen die Angriffe des Kandidaten Romney.

Jede Vorwahl, die Santorum weiter im Rennen bleibt, kostet Romney nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch mehrere Millionen Dollar. Geld, das Romney sich sonst für den Kampf gegen Obama aufsparen könnte. Und weil Santorum längst mit allen Mitteln gegen Romney kämpft und dessen persönliche Integrität zu unterminieren sucht, braucht Obamas Team nur mitzuschreiben.

Wir dürfen gespannt sein, was und wem wir im Herbst wiederbegegnen werden. Ein Kinderspielzeug namens "Etch a Sketch" könnte darunter sein.



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Der Bedenkenträger 25.03.2012
1.
Abwarten! Bis November fließt noch eine Menge Wasser den Mississippi runter. 2008 haben die Republikaner sich auch diebisch über den teilweise bitteren Wettstreit zwischen Hillary und Obama gefreut. Gut, sollte es doch noch zu einer »brokered convention« kommen, sähe es für die Republikaner nicht gut aus. Aber solange sich Romney sicher sein kann, vor dem Parteitag die notwendigen Stimmen sicher zu haben – wie knapp auch immer – wird er allmählich immer präsidialer und moderater werden bzw. sich entsprechend inszenieren.
tailspin 25.03.2012
2. Obama's 'bester' Mann ist...Obama
Zitat von sysopREUTERSUnd wieder Rick Santorum: Der Rechtsaußen gewinnt die Vorwahlen in Louisiana. Dabei ist die republikanische Präsidentschaftskandidatur längst entschieden. Aber Santorum kämpft weiter: gegen Mitt Romney und gegen Gottlosigkeit. Er hilft damit seinem größten Gegner: Barack Obama. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823556,00.html
SPON's Amerika Korrespondenten haben ein einzigartiges Talent, am Thema vorbeizuschreiben. Obama braucht weder Santorum noch Romney. Er reicht sich selbst, um sich zur Strecke zu bringen. Here is why: It's the economy, stupid. General Mills, einer der groessten Lebensmittelproduzenten in den USA, hat in seinem letzten Geschaeftsbericht von einer Kostensteigerung von 10 - 11 % gesprochen! Tendenz steigend. Die offizielle Inflationszahl, die schoen gerechnete sog. Core Inflation, natuerlich ohne Einschluss von Lebensmittelen und Energie, ist voll gelogene 2 % pa. Direkter Ausfluss von Obamas's Schuldenexplosion mit kraeftiger Unterstuetzung von Bernankes virtueller Notenpresse. Heute reicht Bernanke ein Hau auf ctrl+P, um Geld zu erzeugen. Obama ist im Grunde nur daran interessiert, mit Schulden und inflationaerem Geld Wohltaten an seine Klientel zu bezahlen, so wie jeder herkoemmliche 08/15 Politiker. Das hat die Krise aber bisher nicht beseitigt, sondern nur verlaengert. Die Aussichten, dass sich daran etwas aendert, sind nahe Null. Bei 10 % pa verliert die Kaufkraft des $ mehr als 30 % in drei Jahren. Die Amis koennen das nicht kompensieren und rauschen derzeit und geschlagene vier Jahre nach der Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise immer noch mit vollen mit Segeln in die Misere. Die Startbedingungen fuer Obama waren bekanntlich nicht gut. Aber das ist Schnee von vorgestern. Und er hat nichts, nochmal zum mitschreiben NICHTS dazu beigetragen, diesen Stall auszumisten und die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wo sollte er auch die Kompetenz dafuer her haben? Statt dessen hat er idiotischerweise auch noch Krieg gegen bestimmte Teile der Wirtschaft gefuehrt, die ihm sein Fuellhorn finanziert. Dass er zB die Kohleindustrie oder deren industrielle Nutzer in den Bankrott treiben wollte, ist aktenkundig. Die Oel- und Gasindustrie war fuer ihn ein aehnlicher Popanz. Dabei sind es gerade die noch recht ueppigen Energieressourcen der USA, die Amerika noch vor dem Absturz retten koennten. Soviel Bloedheit kann man sich nur in guten Zeiten leisten.
muellerthomas 25.03.2012
3.
Zitat von tailspinSPON's Amerika Korrespondenten haben ein einzigartiges Talent, am Thema vorbeizuschreiben. Obama braucht weder Santorum noch Romney. Er reicht sich selbst, um sich zur Strecke zu bringen. Here is why: It's the economy, stupid. General Mills, einer der groessten Lebensmittelproduzenten in den USA, hat in seinem letzten Geschaeftsbericht von einer Kostensteigerung von 10 - 11 % gesprochen! Tendenz steigend. Die offizielle Inflationszahl, die schoen gerechnete sog. Core Inflation, natuerlich ohne Einschluss von Lebensmittelen und Energie, ist voll gelogene 2 % pa. Direkter Ausfluss von Obamas's Schuldenexplosion mit kraeftiger Unterstuetzung von Bernankes virtueller Notenpresse. Heute reicht Bernanke ein Hau auf ctrl+P, um Geld zu erzeugen. Obama ist im Grunde nur daran interessiert, mit Schulden und inflationaerem Geld Wohltaten an seine Klientel zu bezahlen, so wie jeder herkoemmliche 08/15 Politiker. Das hat die Krise aber bisher nicht beseitigt, sondern nur verlaengert. Die Aussichten, dass sich daran etwas aendert, sind nahe Null. Bei 10 % pa verliert die Kaufkraft des $ mehr als 30 % in drei Jahren. Die Amis koennen das nicht kompensieren und rauschen derzeit und geschlagene vier Jahre nach der Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise immer noch mit vollen mit Segeln in die Misere. Die Startbedingungen fuer Obama waren bekanntlich nicht gut. Aber das ist Schnee von vorgestern. Und er hat nichts, nochmal zum mitschreiben NICHTS dazu beigetragen, diesen Stall auszumisten und die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wo sollte er auch die Kompetenz dafuer her haben? Statt dessen hat er idiotischerweise auch noch Krieg gegen bestimmte Teile der Wirtschaft gefuehrt, die ihm sein Fuellhorn finanziert. Dass er zB die Kohleindustrie oder deren industrielle Nutzer in den Bankrott treiben wollte, ist aktenkundig. Die Oel- und Gasindustrie war fuer ihn ein aehnlicher Popanz. Dabei sind es gerade die noch recht ueppigen Energieressourcen der USA, die Amerika noch vor dem Absturz retten koennten. Soviel Bloedheit kann man sich nur in guten Zeiten leisten.
Und genau deshalb wird Obama haushoch gewinnen. Die Wirtschaft läuft vergleichsweise gut, es entstehen viele neue Jobs; die Trendwende ist Obana kurz nach seinem Amtsantritt gelungen. Und weil die Kosten eines Lebensmittelproduzenten um 10% steigen, heisst das, die Lebensmittelpreise steigen eigentlich um 10%? Ohje... Welche Belege gibt es dafür? Die Zahlen sind hochtransparent, leicht nachvollziehbar. Tatsächlich entschulden sich die USA gerade. Die Staatsschulden steigen zwar noch weiter, aber der private Sektor baut stärker Schulden ab. Würde der Staat auch sparen, so wie in Spanien, könnte der private Sektor nicht entschulden.
Spader 25.03.2012
4. Wahnsinn
Spekatakulaer gut geschriebene und akurate Einschaetzung. Ich weiss, viele in Deutschland interessiert das amerikansche Politikspekatakel nicht, aber wenn man Politik auch ein bisschen Unterhaltung sein darf, dann ist das mit eine der besten Shows.
dadanchali, 25.03.2012
5. nee
Zitat von sysopREUTERSUnd wieder Rick Santorum: Der Rechtsaußen gewinnt die Vorwahlen in Louisiana. Dabei ist die republikanische Präsidentschaftskandidatur längst entschieden. Aber Santorum kämpft weiter: gegen Mitt Romney und gegen Gottlosigkeit. Er hilft damit seinem größten Gegner: Barack Obama. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823556,00.html
So sind sie halt die Götzengläubigen. Sie bilden sich einen Götzen ein, klauen ethisch-moralische Wertvorstellungen und reklamieren diese für sich, und hetzen gegen die die so einen Mist nicht akzeptieren. So was nennt man wohl paranoid. Obama ist trotz aller Enttäuschungen, Guantanamo etc., die beste Wahl. Einen Vorteil haben Leute wie Santorum, sie zeigen das das Entsetzen über derart religiöse Dummköpfe nicht nur den Islamisten gehört. Der Mann gehört in die Psychiatrie, da scheinen die USA in einigen Landstrichen eine Art offene Psychiatrie eingeführt zu haben.
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