Rinderseuche Die Chronologie der BSE-Krise


Die Rinderseuche BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) trat Mitte der achtziger Jahre zuerst in England auf. Farmtiere waren dort jahrelang mit Tierfutter aus den gemahlenen Kadavern von Schafen gefüttert worden, die an Scrapie, einer schwammartigen Gehirnschädigung, gelitten hatten. Scrapie grassiert seit mehr als 200 Jahren in britischen Schafherden. Menschen wurden davon offenbar nie betroffen.

09. Januar 2001: Gesundheitsministerin Anrdea Fischer und Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke treten wegen der BSE-Krise zurück. Insgesamt zehn BSE-Fälle in Deutschland sind amtlich bestätigt: sechs in Bayern, zwei in Niedersachsen und zwei in Schleswig-Holstein.

08. Januar 2001: Bayern will bei einem BSE-Fall nicht mehr automatisch alle Tiere der Herde töten.

05. Januar 2001: In Berlin findet eine Sondersitzung der Bundestagsausschüsse für Landwirtschaft und Gesundheit statt. Landwirtschaftsminister Funke legt ein Acht-Punkte-Programm zum Umbau der Landwirtschaft vor.

04. Januar 2001: Gesundheitsministerin Fischer will BSE-Schnelltests auf jüngere Schlachtrinder ausweiten und die Altersgrenze auf 24 Monate senken. Ein Konzeptpapier der Staatssekretäre des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums wird bekannt, das eine radikale Hinwendung zum ökologischen Landbau fordert.

03. Januar 2001: Kanzler Schröder lehnt personelle Konsequenzen aus der BSE-Krise ab.

02. Januar 2001: Lebensmittelkontrolleure fahnden in Supermärkten nach falsch deklarierter Wurst, die entgegen den Angaben auf dem Etikett doch Rindfleisch enthält.

29. Dezember 2000: Sachsen-Anhalt führt als erstes Bundesland eine Gen-Datenbank für Rinder ein. Bundeskanzler Schröder beauftragt die Präsidentin des Bundesrechnungshofs, Hedda von Wedel, mit einer Schwachstellenanalyse zur BSE-Krise.

28. Dezember 2000: Der erster BSE-Fall in Niedersachsen wird bekannt. Die vier Jahre alte Kuh aus einem Betrieb in Nortrup bei Bersenbrück im Landkreis Osnabrück war am 20. Dezember notgeschlachtet worden.

21. Dezember 2000: Die Zahl der bestätigten BSE-Fälle aus deutschen Betrieben steigt auf fünf.

20. Dezember 2000: Der erste Fall, bei dem BSE möglicherweise bei einem lebenden Rind offen zum Ausbruch kam, wird bekannt. Die Kuh wurde vor sechseinhalb Jahren in Rottenbuch in Oberbayern geboren. 17. Dezember 2000: Der erste BSE-Fall in Bayern wird bestätigt. Die 1995 geborene Kuh aus Sulzberg im Oberallgäu stammte aus einem Familienbetrieb.

14. Dezember 2000: Bund und Länder setzen Arbeitsgruppe ein, die bis Ende Januar Lösungen für die umstrittene Kostenaufteilung zur Bewältigung der BSE-Krise vorlegen soll.

06. Dezember 2000: Die verbindlichen BSE-Tests in Deutschland laufen an.

04. Dezember 2000: Deutschem und französischem Vorbild folgend beschließt der Rat der EU-Agrarminister ein auf ein halbes Jahr befristetes EU-weites Tiermehl-Verbot ab 1. Januar 2001.

02. Dezember 2000: Das deutsche Tiermehlverbot tritt in Kraft.

01. Dezember 2000: Nach dem Bundestag stimmt auch der Bundesrat dem Eilgesetz für ein generelles Tiermehlverbot zu. Die Länderkammer fordert eine maßgebliche Beteiligung von Bund und EU an den Folgekosten. Gesundheitsministerin Fischer schreibt Pflichttests an allen geschlachteten Rindern über 30 Monaten vor.

26. November 2000: Deutschland verbietet generell die Verfütterung von Tiermehl. Das Verbot wird als reguläres Gesetz, und nicht wie zunächst geplant als Eilverordnung durchgesetzt.

24. November 2000: Erstmals wird bei einer in Deutschland geborenen Kuh BSE festgestellt. Das mit einem Schnelltest untersuchte Tier stammt aus Schleswig-Holstein. Später wird BSE auch bei einer Kuh in Portugal diagnostiziert, die vermutlich aus Sachsen-Anhalt stammt.

22. November 2000: Die Verpflichtung zum Schnelltest ab 1. Januar 2001 wird auf alle Risikotiere im Alter von mehr als 30 Monaten ausgedehnt.

5. Mai 2000: Mit Beginn des nächsten Jahres werden EU-weit verstärkt BSE-Schnelltests vorgeschrieben. Das betrifft Stichproben bei Tieren, die verendet sind, verhaltensauffällig waren oder notgeschlachtet wurden.

14. Juli 1999: Die EU-Kommission hebt das weltweite Exportverbot für britisches Rindfleisch auf.

Anfang 1998: Schweizer Forscher entwickeln einen BSE-Schnelltest. Im Gegensatz zu dem bis dahin üblichen Verfahren, dessen Ergebnis erst nach mehreren Wochen vorliegt, liefert der neu entwickelte Test schon nach etwa zehn bis zwölf Stunden ein Ergebnis.

25. Februar 1997: Großbritannien beantragt die Aufhebung des Exportverbots für Rinder aus BSE-freien Herden in Schottland und Nordirland. Im Juni 1998 werden diese Ausfuhren aus Nordirland wieder erlaubt.

18. Februar 1997: Im Abschlussbericht eines BSE-Untersuchungsausschusses werden sowohl der EU-Kommission als auch dem EU-Ministerrat und Großbritannien schwere Versäumnisse beim Umgang mit der Rinderseuche vorgeworfen. Das Europaparlament droht der EU-Kommission mit einem Misstrauensvotum. Nach Verbesserungen beim Verbraucherschutz wird jedoch die Drohung im November 1997 wieder aufgehoben.

18. Juli 1996: EU-weit müssen Tierabfälle für die Verarbeitung zu Tiermehl 20 Minuten lang einem Druck von drei Bar und einer Temperatur von 133 Grad Celsius ausgesetzt werden, um BSE-Erreger abzutöten.

17. Juli 1996: Das Europaparlament setzt einen Untersuchungsausschuss ein, um mögliche Versäumnisse bei der BSE-Bekämpfung aufzudecken.

5. Juni 1996: Die EU-Kommission lockert das Exportverbot für Rindersamen, Talg und Gelatine unter Auflagen. Ende Juni verabschieden die EU-Staats- und Regierungschefs einen Plan für eine schrittweise Aufhebung des Exportverbots.

27. März 1996: Die EU-Kommission verhängt ein weltweites Exportverbot für britische Rinder und Rinderprodukte. Im April wird Großbritannien verpflichtet, vier Millionen Rinder, die älter als 30 Monate sind, zu töten und zu vernichten.

20. März 1996: Die britische Regierung gesteht öffentlich ein, dass von BSE auch Gesundheitsgefahren für den Menschen ausgehen könnten. Dabei geht es um einen möglichen Zusammenhang mit der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK).

Juni 1994: Die Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer wird in der EU untersagt. Tiermehl für andere Tiere wie Schweine, Hühner oder Fische bleibt erlaubt. Die britische Regierung räumt indessen ein, dass Schafsinnereien auch nach dem Verbot von 1988 verfüttert worden sind.

Februar 1992: In Schleswig-Holstein stirbt ein aus England importiertes Rind an BSE. Das wird allerdings erst Anfang 1994 vom Bundeslandwirtschaftsministerium mitgeteilt.

Juni 1989: Deutschland und Frankreich erlassen ein generelles Importverbot für britisches Rindfleisch. Nach Protesten durch die EG-Kommission wird die Regelung später aber wieder aufgehoben. Nun betrifft das Verbot lediglich Kälber und Rinderinnereien.

1988: Die britische Regierung untersagt die Verfütterung von Schafsinnereien an Rinder sowie den Verkauf von Innereien und Milch infizierter Kühe.

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