Krawalle in Brasilien: Straßenschlachten wegen sieben Cent

Die brasilianische Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein, die Demonstranten waren mit Molotow-Cocktails und Messern bewaffnet: In São Paulo und Rio de Janeiro kam es zu schweren Krawallen - der Protest richtete sich gegen Fahrpreiserhöhungen.

São Paulo - Zuerst verlief der Protest friedlich, doch dann kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei: Auf den Straßen in São Paulo, aber auch in Rio de Janeiro haben Tausende in der Nacht zum Freitag gegen massive Erhöhungen der Fahrpreise in Bussen und U-Bahnen protestiert.

Die Demonstration wurde von Studenten, aber auch gewaltbereiten Gruppierungen angeführt. Nach Angaben der Polizei wurden Dutzende Demonstranten festgenommen, als es im Zentrum von São Paulo in der Avenida Paulista zu Krawallen kam. In Aufnahmen des US-Senders CNN war zu sehen, wie die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Protestierenden vorging, die mit Messern und Molotow-Cocktails bewaffnet waren.

Fotostrecke

7  Bilder
Brasilien: Krawalle in São Paulo
Organisatoren der Protestaktionen warfen der Polizei vor, zuerst gewalttätig geworden zu sein. Bei den Auseinandersetzungen wurden Fensterscheiben von mehreren Banken eingeworfen, eine U-Bahn-Station und mehrere Busse in Brand gesetzt. Der Verkehr in der City der größten Stadt Brasiliens stand durch die Krawalle stundenlang still.

Auch in Rio de Janeiro gingen mehr als 200 Menschen aus Protest gegen die Preiserhöhungen erneut auf die Straße.

Die Behörden hatten die Ticketpreise für eine einfache Fahrt im öffentlichen Nahverkehr Anfang des Monats von 3 (umgerechnet ein Euro) auf 3,20 Real (also rund sieben Cent mehr) angehoben. Sie halten die Erhöhung für vertretbar, weil sie mit 6,7 Prozent weit unter der Inflationsrate in Brasilien von 15,5 Prozent liege.

Schon in den vergangenen Tagen war es in den großen Städten, aber auch in anderen Teilen Brasiliens wegen der erhöhten Ticketpreise zu Protesten gekommen.

als/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. unmoegliche Ueberschrift
Rio connection 14.06.2013
Ich lebe seit 20 Jahren in Rio und muss ihnen sagen, dass der Titel "wegen 7 Cent" einem klaren "Thema verfehlt - 6 - setzen" entspricht. Die in Brasilien regierende Arbeiterpartei PT feiert seit Jahren den endlich durchbrechenden Wohlstand Brasiliens, der dann aber faktisch ausbleibt. Konsequenz ist jedoch eine boomende Spekulationswelle nach der anderen, die durch nichts gestuetzt wird. Die Preise steigen in absurde Hoehen und dass sich nun der Volkszorn an 7 Cent entzuendet ist lediglich der beruehmte letzte Tropfen... Bitte stellen sie das richtig, denn es waere schlimm, wenn ihre Ueberschrift so stehen bliebe. Der Buspreis selbst wuerde hier keine Menschenseele stoeren, denn er wurde schon lange nicht mehr erhoehet (kuenstlich niedrig gehalten).
2. Ärgerliche Überschrift
iria 14.06.2013
Die Überschrift dieses Artikels in m.E. doch sehr schlecht gewählt, schließlich geht es hier darum, dass der verhältnismäßig sowieso schon teure Personenverkehr noch teurer wurde. Rechnet man pro Tag nur Hin- und Rückfahrt pro Person sind es bereits 14 cent. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es noch mehr ist, da man bei jedem Umsteigen (und meistens muss man umsteigen) wieder den vollen Preis bezahlen muss. Jedenfalls suggeriert die Überschrift es gehe hier um Nichtigkeiten
3. 6,5 %
mgferber 14.06.2013
Schön zu wissen das unsere Inflation 15,5% ist. Das dürfte stimmen. Die offiziele ist 6,5%,eine Lüge.Alles is tunerschwinglich teuer.
4. An da jornalistische gewissen vom spiegel.
erbsen62 14.06.2013
Über die türkei und erdogan habens sie ja wie besessen geschrieben. Es ist interessant, wenn sie hier nicht über despotische bürgermeister oder antidemokratische vorgehensweisen der polizei berichten. Denken sie mal drüber nach. Heutztage gibt es kaum richtige objektive nachrichten mehr.
5. Unmoeglich
spon-facebook-524846949 14.06.2013
einfach ohne Sinn und Verstand berichten... Am besten gleich von Globo uebernehmen. ENDLICH gehen die Brasilianer auf die Strasse und wehren sich!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Brasilien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 34 Kommentare

Fläche: 8.514.877 km²

Bevölkerung: 196,526 Mio.

Hauptstadt: Brasília

Staats- und Regierungschefin: Dilma Rousseff

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Brasilien-Reiseseite