Ritterschlag für Rushdie Pakistanischer Minister hält Selbstmordanschläge für gerechtfertigt

Der Ritterschlag für Salman Rushdie sorgt für Empörung in der muslimischen Welt: Nach massiver Kritik aus Iran hat nun auch das pakistanische Parlament die Ehrung für den Schriftsteller durch die Queen scharf verurteilt. Der Religionsminister sieht sogar einen Grund für Selbstmordanschläge.


Islamabad - Die pakistanische Regierung und das Parlament fühlen sich durch den Ritterschlag für Salman Rushdie provoziert. Besonders scharf verurteilte heute der pakistanische Minister für Religionsangelegenheiten, Mohammed Ijaz ul-Haq, die Auszeichnung des britisch-indischen Autors, die nach seinen Worten sogar Selbstmordattentate rechtfertigt.

Protest gegen Ritterschlag: Pakistanische Studenten in der Stadt Multan
AP

Protest gegen Ritterschlag: Pakistanische Studenten in der Stadt Multan

"Dies ist eine Gelegenheit für 1,5 Milliarden Muslime, den Ernst dieser Entscheidung zu erkennen", sagte der Minister im Parlament. "Der Westen bezichtigt die Muslime des Extremismus und Terrorismus. Wenn jemand eine Bombe an seinem Körper zündet, wäre er im Recht, wenn sich die britische Regierung nicht entschuldigt und den Titel des 'Sir' zurückzieht."

Haq forderte die islamisch geprägten Staaten auf, ihre diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien abzubrechen. "Wenn die Muslime nicht zusammenstehen, wird die Situation noch schlimmer und Salman Rushdie vielleicht einen Sitz im britischen Parlament bekommen." In der ostpakistanischen Stadt Multan demonstrierten rund 100 Studenten gegen die Ehrung für Rushdie. Sie verbrannten symbolisch Puppen und riefen: "Tötet ihn! Tötet ihn!"

Rushdie war am Samstag von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen worden. "Sir Salman", wie er sich jetzt nennen darf, erlangte tragischen Weltruhm, nachdem der Iran eine Todesdrohung gegen ihn ausgesprochen hatte. Der iranische Revolutionsführer Ruhollah Chomeini hatte 1989 nach der Veröffentlichung der "Satanischen Verse" eine sogenannte Fatwa mit der Begründung erlassen, Muslime fühlten sich durch das Buch beleidigt. Der Literat lebte danach jahrelang unter starkem Polizeischutz im Londoner und New Yorker Untergrund. Er wird an diesem Dienstag 60 Jahre alt.

Auch das pakistanische Parlament verurteilte die Ehrung Rushdies scharf. Die regierende Muslim-Partei brachte heute in Islamabad eine entsprechende Resolution ein, mit dem London zur Rücknahme der Ehrung aufgefordert wird. Der Ritterschlag "verletzt Muslime und wird andererseits zu Blasphemie gegen Prophet Mohammed ermutigen", sagte der Minister für Parlamentsangelegenheiten, Sher Afgan Khan Niazi, im Parlament.

Gestern hatte bereits die iranische Regierung gegen den Ritterschlag für Rushdie protestiert. "Eine der meistgehassten Personen der islamischen Welt auszuzeichnen, zeigt die Feindschaft Großbritannines gegen den Islam und wird dieses Land gegen die islamischen Gesellschaften stellen", sagte am Sonntag Mohammed Ali Hosseini, Sprecher des iranischen Außenministeriums. Das britische Außenministerium hatte die die Auszeichnung Rushdies als "höchst verdient" bezeichnet.

phw/AP/Reuters/dpa



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