US-Sonderermittler Mueller Das Phantom von Washington

Robert Mueller leitet die Sonderermittlungen in der Russlandaffäre um Donald Trump präzise und geräuschlos. Für viele bleibt der Mann jedoch ein Rätsel. Welche Taktik verfolgt er und was treibt ihn an?

Robert Mueller
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Robert Mueller

Von , Washington


Sie sind derzeit die beiden wichtigsten politischen Figuren in den USA, aber sie könnten sich kaum unterschiedlicher verhalten. US-Präsident Donald Trump sucht das Rampenlicht, er prahlt mit seinen vermeintlichen Erfolgen und attackiert politische Gegner am liebsten auf offener Bühne. Wenn er über die Russlandermittlungen spricht, schimpft er: Das sei alles "eine Hexenjagd".

Robert Mueller, der Sonderermittler in der Russlandaffäre, sagt hingegen: nichts. Er ist so gut wie unsichtbar. Er wirkt wie ein Phantom, öffentliche Auftritte meidet er, ebenso wie Interviews. Nur manchmal taucht er plötzlich auf. Genauer gesagt, sein Name ist zu sehen: Als geschwungene Unterschrift unter langen Anklageschriften gegen einzelne Beschuldigte in der Russlandaffäre. Der Mann selbst bleibt im Verborgenen.

Was hat Robert Mueller wirklich gegen den Präsidenten in der Hand? Welche Taktik verfolgt er? Was treibt ihn an? Der Sonderermittler, der die Einmischung Russlands in die US Wahl 2016 untersuchen soll, gibt dem politischen Betrieb in Washington mehr und mehr Rätsel auf. Die Sache ist inzwischen so verworren, dass niemand mehr verlässlich vorherzusagen vermag, wann und vor allem wie die Ermittlungen enden werden. Und Mueller lässt sich nicht in die Karten schauen.

Erfahren und verschwiegen

Ex-FBI-Chef Mueller hat jahrzehntelange Erfahrung in Mafia-Verfahren, Mordfällen und Spionageaffären. Viele Jahre war er Staatsanwalt, dann zwölf Jahre lang Chef des FBI. George W. Bush ernannte ihn eine Woche vor dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 zum obersten Kriminalbeamten des Landes. Zuvor hat er sich einen Namen als Ermittler gemacht, unter anderem untersuchte Mueller den Anschlag auf einen Pan-Am-Jumbo über Lockerbie. Nach dem Studium diente Mueller freiwillig im Marine-Corps. Während des Vietnamkriegs führte er seine Einheit mehrfach in heftige Kämpfe und wurde auch verwundet.

In all seinen Aufgaben zeigte er: Verschwiegenheit ist sein oberstes Prinzip. Selbst als unlängst Anklage gegen 13 mutmaßliche russische Agenten erhoben wurde, trat Mueller nicht selbst vor die Fernsehkameras. Die Pressekonferenz dazu bestritt der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein.

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Trump vs. FBI: Der Präsident entsetzt die Ermittler

Mueller will alles vermeiden, was den Eindruck erwecken könnte, er sei in der Sache in irgendeiner Weise voreingenommen. Nicht er als Person soll im Mittelpunkt stehen, sondern allein die Mission zählt - die Aufdeckung der Wahrheit. Zugleich schirmt Mueller seine Ermittlungen wohl vor allem deshalb so hermetisch ab, damit mögliche Beschuldigte - auch im Weißen Haus - keine Hinweise bekommen, über welche Informationen er verfügt. Das heißt: Auch im Regierungsapparat gibt es nur wenige Eingeweihte.

Für Beobachter gibt es allenfalls vage Indizien, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln. Manchmal sickern in US-Medien Informationen von ungenannten Zeugen durch, die darüber berichten, was Mueller und sein Team von ihnen wissen wollten. Zum Beispiel sollen sie sich nach Trumps geschäftlichen Kontakten nach Russland erkundigt haben. Aber was heißt das schon? Hat Mueller wirklich etwas gegen Trump in der Hand? Floss Geld aus Russland in die USA? Oder stochert Mueller auch nur im Nebel?

Vom Vertrauten Trumps zum Kronzeugen

Wer ein wenig klarer sehen will, muss sich Muellers Vorgehen im Fall Paul Manafort genauer anschauen. Trumps früherer Wahlkampfchef scheint mehr und mehr eine Schlüsselrolle in Muellers Ermittlungen einzunehmen.

Donald Trump und Paul Manafort
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Donald Trump und Paul Manafort

Manafort war bis zum Sommer 2016 Trumps wichtigster Berater, er war auch bei jenem berühmt berüchtigten Treffen im Trump Tower dabei, bei dem Emissäre aus Russland dem Wahlkampfteam von Trump "Schmutz gegen Hillary Clinton" angeboten haben sollen. Trump, Manafort und andere Beteiligte wie Trumps Sohn Donald Junior bestreiten, dass es eine Zusammenarbeit mit den Russen im Wahlkampf gegeben habe.

Doch nun erhöhen Mueller und sein Team fast wöchentlich den Druck auf Manafort, womöglich um ihn als Kronzeugen gegen Trump zu gewinnen. Ihr Hebel, um Manafort zur Zusammenarbeit zu bewegen, sind allerlei ältere krumme Geschäfte, die Manafort in seiner Zeit als Lobbyist in Washington getätigt haben soll, unter anderem in der Ukraine. Inzwischen liegen gegen Manafort 27 Anklagepunkte vor, darunter Geldwäsche, Betrug und Steuerhinterziehung.

Manafort widersteht bislang dem enormen Druck der Ermittler. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Mueller hat bereits mehrere Vertraute von Manafort dazu gebracht, mit den Ermittlern zu kooperieren. Vor allem Manaforts langjähriger Weggefährte Rick Gates wurde von Mueller solange mit neuen Anklagepunkten bei Vergehen wie Steuerhinterziehung, Betrug und Geldwäsche bombardiert, bis er in der vorigen Woche einknickte und Mueller offenbar seine Kooperation zusagte. Mueller ließ daraufhin eine Reihe von Anklagepunkte gegen Gates fallen. Nun stellt sich die Frage, welche Information Gates wohl haben könnte, die so wertvoll ist, dass die Ermittler ihn vom Haken lassen.

"Er ist der Beste"

"Alles sieht danach aus, dass Manafort das Verbindungsglied zu den Russen war", meint John Dean, Justiziar im Weißen Haus und eine der Schlüsselfiguren in der Watergate-Affäre. "Wenn Gates beeiden kann, dass Manafort mit Trumps Segen agierte, ist das das Ende seiner Präsidentschaft."

Natürlich kann aber auch alles ganz anders kommen - und Donald Trump wird durch den Mueller-Bericht von jeder Schuld reingewaschen. So oder so steht fest: Wenn Mueller am Ende seinen Bericht vorlegt, wird dieser so umfassend und präzise sein, wie es überhaupt nur möglich ist.

Diejenigen, die mit Mueller zusammengearbeitet haben, nennen den 73-Jährigen einen leidenschaftlichen, akribischen Kriminalisten. Für sie verkörpert er das Idealbild eines Staatsdieners: unbestechlich, überparteilich, geradlinig. "Er ist nicht nur einer der Besten, er ist der Beste", sagt der langjährige FBI-Beamte und Mueller-Weggefährte Philip Mudd.

Laut aktuellen Umfragen genießt Mueller auch im Volk hohes Ansehen: Mehr als 58 Prozent der Befragten vertrauen ihm demnach mehr als Trump. 75 Prozent geben an, dass sie seine Ermittlungen für seriös und wichtig halten.

In seiner langen Karriere verschlug es Mueller einige Jahre zu einer privaten Anwaltskanzlei. Der Ankläger sollte Verteidiger sein, eine Rolle, die ihm offensichtlich nicht lag, er wechselte zu einem Bruchteil des Gehalts zurück in den Staatsdienst. Der Grund war einfach, erklärt Mueller-Biograf Garrett Graff: Er konnte es einfach nicht ausstehen, Leute zu verteidigen, die er für schuldig hielt.



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
dunnhaupt 02.03.2018
1. Mueller ist der Kriminalpolizist
... der lediglich die Untersuchungen leitet. Anklage erheben kann jedoch nur die Grand Jury, in deren Auftrag Mueller arbeitet. Eine Grand Jury kann alles untersuchen lassen, was irgendwie mit dem eigentlichen Fall in Verbindung steht. So stieß man damals im Fall Clinton auf Monica Lewinsky.
RalfHenrichs 02.03.2018
2. Es ist offensichtlich,
dass Müller nach über einem Jahr NICHTS, aber auch gar nichts in der Hand hat, was russische Wahlkampfbeeinflussung belegen könnte (wie denn auch, wenn es da nichts gab), sollte er langsam eingestehen. Dann könnte man Trump nach dessen Politik frei beurteilen - und da sieht Trump tatsächlich sehr schlecht aus.
DieHappy 02.03.2018
3.
Er ist schon allein deshalb der richtige Mann, weil eben gilt: "jahrzehntelange Erfahrung in Mafia-Verfahren." Nur jemand der diese Passion hat, wird auch den langen Atem und die Unbestechlichkeit haben, Don T. so zu verfolgen wie das gemacht werden muss. So schließt sich hoffentlich ein Kreis. Trumps Ziehvater Roy Cohn vertrat die schlimmsten Verbrecher die die USA je gesehen hat vor dem Gericht und anderswo, bzw. war ihr Berater. Jetzt bringt ein eh. Mafia Jäger Trump zu Fall. Wie sehr zu Fall werden die US Bürger entscheiden, ob solche Verfehlungen sie "von der Couch scheuchen" oder ob sie nur mit den Schultern zucken und tump sagen: War was? Ich traue ihnen beides zu.
claus7447 02.03.2018
4.
Lieber Herr Henrichs, sie haben wohl direkten Zugang zu den Unterlagen von mueller, oder sie verbreiten wie Trump heiße Luft. Sie leben in einer Blase. Sie sollten wissen, Blasen haben die unangenehme Eigenschaft zu platzen. Ich wette mit Ihnen! Ach ja, lesen sie nochmal den Beitrag genau durch!
ex_berliner 02.03.2018
5.
"Nicht er [Mueller] als Person soll im Mittelpunkt stehen, sondern allein die Mission zählt - die Aufdeckung der Wahrheit." Genau. Nur darum kann und muss es gehen - die Wahrheit.
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