Bericht über Rohingya-Massaker Reuters-Journalisten zu je sieben Jahren Haft verurteilt

Sie deckten ein Massaker des Militärs an der verfolgten muslimischen Minderheit auf, dafür müssen sie ins Gefängnis: Ein Gericht in Myanmar hat sein Urteil über zwei Reporter der Nachrichtenagentur Reuters gefällt.

Demonstration für Wa Lone und Kyaw Soe Oo am Samstag in Rangun
REUTERS

Demonstration für Wa Lone und Kyaw Soe Oo am Samstag in Rangun


Sie hatten über die Ermordung von Angehörigen der Rohingya-Minderheit in Myanmar durch das Militär berichtet, dafür müssen sie nun lange ins Gefängnis: Ein Bezirksgericht in Rangun verhängte gegen zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters jeweils sieben Jahre Gefängnis.

Reuters-Journalist Wa Lone, Mitte, am Montag vor dem Urteil
LYNN BO BO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Reuters-Journalist Wa Lone, Mitte, am Montag vor dem Urteil

Die Reporter Kyaw Soe Oo, 28, und Wa Lone, 32, hatten sich nach Auffassung des Gerichts bei Recherchen über das Schicksal von Angehörigen der muslimischen Minderheit illegal geheime staatliche Dokumente beschafft. International gibt es an dem Verfahren viel Kritik.

Auch Reporter Kyaw Soe Oo wandte sich vor der Urteilsverkündung freudig seinen Unterstützern vor dem Gericht zu
REUTERS

Auch Reporter Kyaw Soe Oo wandte sich vor der Urteilsverkündung freudig seinen Unterstützern vor dem Gericht zu

Die Reporter hatten über die Ermordung von mindestens zehn Angehörigen der muslimischen Minderheit in der Krisenregion Nordrhakine berichtet. Die Verbrechen gehörten zu einer fremdenfeindlichen Kampagne der Regierung Myanmars, wegen derer seit August 2017 mehr als 700.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen waren.

Die Anklage hatte für die Journalisten bis zu 14 Jahre Haft gefordert. Sie hatten einen als vertraulich eingestuften Polizeibericht über das Massaker veröffentlicht und waren deshalb nach dem "Official Secrets Act", einem Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen aus der Kolonialzeit, angeklagt worden.

Dabei waren sie offenbar in eine Falle getappt, die ihnen die Polizei stellte. Ihre Festnahme im Dezember war erfolgt, kurz nachdem zwei Polizisten ihnen in einem Restaurant vertrauliche Unterlagen übergeben hatten.

Die Rohingya werden seit Jahrzehnten im buddhistischen Myanmar diskriminiert. Behörden und buddhistische Bevölkerung betrachten sie als illegale Einwanderer, obwohl viele seit Generationen dort leben.

Uno-Experten fordern Anklage gegen die Armeeführung

Für eine Expertengruppe der Vereinten Nationen zu den Massakern gehören indes vielmehr die obersten Vertreter des Militärregimes von Myanmar auf die Anklagebank: Sie hatten vor einer Woche gefordert, Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing und andere Offiziere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in der Region Nordrhakine vor einem Tribunal oder vor dem Internationalen Strafgerichtshof anzuklagen. Die Erkenntnisse der Uno-Experten über die Verbrechen erschienen am vergangenen Montag in einem ausführlichen Bericht.

General Min Aung Hlaing, Oberbefehlshaber, und Aung San Suu Kyi, hier 2015 noch als Oppositionsführerin
AP

General Min Aung Hlaing, Oberbefehlshaber, und Aung San Suu Kyi, hier 2015 noch als Oppositionsführerin

Die drei Uno-Experten kritisieren auch die Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Sie habe ihre moralische Autorität nicht genutzt, um solche Verbrechen zu verhindern.

cht/dpa/Reuters



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helmut.alt 03.09.2018
1. Das Vertreibungsproblem nahm seinen Anfang,
als islamische Widerstandsgruppen in Myanmar dortige Polizisten und Zivilisten massakrierten und umbrachten. Die Gewalt ging also nicht von der dortigen Regierung aus, sondern es war die Antwort auf diese Gewalttaten. Leiden müssen immer die Unschuldigen, egal auf welcher Seite sie stehen.
Glaubnixmehr 03.09.2018
2. Woraus leiten die Rohingya ihr Bleiberecht ab?
Haben die Rohingya gültige Papiere? Sind sie rechtmäßig eingewandert? Eine Volksgruppe kann doch nicht einfach Land besetzen und dann daraus ableiten, dass sie das Recht hat zu bleiben, nur weil einige Generationen lang nichts dagegen unternommen wurde. Dann auch noch aus dieser Gruppe heraus Anschläge auf die einheimische Bevölkerung zu verüben, führt noch weniger zu meinem Verständnis. Meiner Meinung nach sind sie in Bangladesch gut aufgehoben und passen kulturell auch dort hin. Warum will Bangladesch sie nicht aufnehmen, von dort sind doch auch viele gekommen.
spon_2565215 03.09.2018
3. Myanmar
Frau Aung San Suu Kai sollte der Friedens-Nobelpreis aberkannt werden, da sie mit den Militairs kooperiert und somit an deren Verbrechen beteiligt ist.
cobaea 03.09.2018
4.
Zitat von GlaubnixmehrHaben die Rohingya gültige Papiere? Sind sie rechtmäßig eingewandert? Eine Volksgruppe kann doch nicht einfach Land besetzen und dann daraus ableiten, dass sie das Recht hat zu bleiben, nur weil einige Generationen lang nichts dagegen unternommen wurde. Dann auch noch aus dieser Gruppe heraus Anschläge auf die einheimische Bevölkerung zu verüben, führt noch weniger zu meinem Verständnis. Meiner Meinung nach sind sie in Bangladesch gut aufgehoben und passen kulturell auch dort hin. Warum will Bangladesch sie nicht aufnehmen, von dort sind doch auch viele gekommen.
Die Rohingya waren schon lange in Myanmar bevor dieses selbständig wurde. Sie lebten schon unter britischer Kolonialherrschaft dort, wo sie bis zur Flucht lebten. Muslime sind in dieser region seit Jahrhunderten belegt - nur bezeichneten sie sich damals noch nicht als Rohingya. Sie sind nicht erst in den letzten Jahrzehnten aus Bangladesh eingewandert - auch wenn das die heutige burmesische Regierung gerne behauptet. Bis 1947 gehörten das heutige Myanmar/Burma ebenso wie Pakistan, Indien und Bangladesh zum britischen Kolonialreich. Als dieses 1947 aufgelöst wurde, wurden Grenzen gezogen, die uns heute seltsam anmuten: Bangladesh wurde als Ostpakistan Teil Pakistans und erst 1971 als Bangladesh ein eigener Staat. Burma/Myanmar hatte aber unmittelbar nach seiner eigenen Selbständigkeit bereits begonnen, die Rohingya zu verfolgen. Der erste militärische Einsatz erfolgte 1948! Es gab seither 20 belegte solche Aktionen gegen die muslimische Minderheit, die sich bis vor wenigen Jahren nicht mit Gewalt wehrte. Auch nicht, als man ihr Anfang der 80er Jahre die Staatsbürgerschaft entzog und ihnen damit den Zugang zu Schulen, Gesundheitswesen oder auch nur zu staatlich anerkannter Eheschliessung verwehrte. Zudem machte man ihnen damit auch den Besitz des Landes streitig, auf dem sie seit Generationen lebten und arbeiteten. Es ist eigentlich ein Wunder, dass die Anschläge nicht viel früher erfolgten. Schliesslich hatten buddhistische Mönche schon Jahre zuvor zu Gewalt, Vertreibung und Mord an den Rohingya aufgerufen.
ex-optimist 03.09.2018
5. Das ist so üblich.
Zitat von GlaubnixmehrHaben die Rohingya gültige Papiere? Sind sie rechtmäßig eingewandert? Eine Volksgruppe kann doch nicht einfach Land besetzen und dann daraus ableiten, dass sie das Recht hat zu bleiben, nur weil einige Generationen lang nichts dagegen unternommen wurde. Dann auch noch aus dieser Gruppe heraus Anschläge auf die einheimische Bevölkerung zu verüben, führt noch weniger zu meinem Verständnis. Meiner Meinung nach sind sie in Bangladesch gut aufgehoben und passen kulturell auch dort hin. Warum will Bangladesch sie nicht aufnehmen, von dort sind doch auch viele gekommen.
In Australien, Neuseeland, den USA, ja dem ganzen amerikanischen Kontinent. Warum nicht auch in Asien?
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