Geflüchtete Minderheit Rohingya sollen nach Burma zurückkehren dürfen

Gibt es Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben? Nach Gesprächen zwischen Regierungsvertretern Bangladeschs und Burmas sollen die geflohenen Rohingya in ihr Heimatland zurückkehren dürfen.

Geflohene Rohingya in Bangladesch
REUTERS

Geflohene Rohingya in Bangladesch


Ein Regierungsvertreter aus Burma hat die Bereitschaft bekräftigt, ins benachbarte Bangladesch geflüchtete Mitglieder der Rohingya wieder ins Land zurückzulassen. Eine erste Gesprächsrunde zwischen ihm und einem Vertreter von Burmas De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sei in "freundlicher" Atmosphäre verlaufen, sagte Bangladeschs Außenminister A.H. Mahmood Ali in Dhaka. Demnach wollten beide Seiten zunächst eine gemeinsame Arbeitsgruppe einrichten, um die Rückführung zu koordinieren.

Weitere Einzelheiten nannte der Minister nicht. Doch hatte sich Suu Kyi Mitte September bereit erklärt, die nach Bangladesch Geflüchteten nach eingehender Überprüfung ihres Flüchtlingsstatus' wieder zurückzunehmen. Der seit Jahren andauernde Konflikt mit der muslimischen Minderheit war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit einer Gegenoffensive. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Über 500.000 Rohingyas flüchteten seitdem ins benachbarte Bangladesch.

Die Rohingyas gelten in Burma als Staatenlose, obwohl sie schon seit Generationen dort leben. Nach dem Vorschlag Suu Kyis soll ihr Flüchtlingsstatus nun nach dem Vorbild eines 1990 mit Bangladesch geschlossenen Abkommens überprüft werden - das heißt, sie müssen lediglich nachweisen, dass sie vor ihrer Flucht in Burma gelebt haben. Doch selbst das ist schwierig, da die meisten keinerlei Dokumente mehr besitzen.

Unterdessen konnten UN-Vertreter nun doch für einen Tag die Konfliktregion Rakhine besuchen. An dem von der Regierung organisierten Tour nahmen neben Hilfsorganisationen und Diplomaten auch drei UN-Vertreter teil. In einer anschließenden Erklärung sprachen die Vereinten Nationen nach der Visite von einem "unvorstellbaren Ausmaß des menschlichen Leidens" und riefen zu einem Ende der "Gewaltspirale" auf.

Einzelheiten des Besuchs wurde zunächst nicht bekannt. Eine Delegation der Europäischen Union, die ebenfalls teilnahm, erklärte lediglich, es habe sich um keine Untersuchungsmission gehandelt. Dies sei "unter den Umständen" auch nicht möglich gewesen. Der ursprünglich für vergangenen Donnerstag geplante Besuch war kurzfristig wegen "schlechten Wetters" abgesagt worden.

bam/afp



insgesamt 10 Beiträge
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doc1234 03.10.2017
1. Ob es ruhe gibt?
...nach soviel Gewalt auf beiden Seiten? Die Toleranz zum zusammenleben sehe ich jedenfalls nicht. Da es immer wo eine monoetistische, wenn im jetzigen Zeitraum die jüngste abrahamitische Religion auf "ungläubige" trifft Stress seitens der abrahamitischen Religion vorprogrammiert ist. Das ist Global zu beobachten. Also ist es besser den Status quo zu behalten, b.z.w. Ihn herbeizuführen und ruhe ist.
raoul2 03.10.2017
2. Eine Absichtserklärung,
die zwar versucht, den so vehement streitenden Parteien zumindest ansatzweise "gerecht" zu werden - immerhin. Daß es den meisten der vor allem vor Gerüchten geflüchteten Moslems eher nicht möglich sein wird, ihren ständigen Aufenthalt in Myanmar vor ihrer Flucht Bangladesh nachzuweisen, ist zwar eine Hürde - aber die Richtung stimmt schon mal (wenn sie auch nicht wirklich neu ist): "The Lady" hat sich in ihren Erklärungen zum Konflikt ja von Anfang an für eine friedliche Einigung ausgesprochen. Wenn die gewalttätigen terroristischen "Aktivisten", die glaubten, die zum großen Teil von ihnen selbst herbeigeführten Situation zu ihren Gunsten (und auf dem Rücken der einfachen Menschen) ausnutzen zu können, sich ebenfalls zu echten Verhandlungen herabließen, wäre schon viel gewonnen.
frenchie3 03.10.2017
3. Bitte beweist mir daß ich Schwarzseher bin
Liebend gerne würde ich hier als Lügner dastehen. Aber da wird es keine Ruhe geben nachdem man vor der Weltbevölkerung als "schutzwürdige Spezies" gewonnen hat. Und irgendwann ist das Land zu klein
carnall 03.10.2017
4. Warum werden die budhistischen Unterdrücker...
...nicht in die Schranken verwiesen. Wäre dort Öl, hätte man da schon 2 Flugzeugträger hingeschickt. Aber das passt ja nicht zum Bild des Buddhismus in der Welt. Und eine Nobelpreisträgerin verschliesst die Augen oder duldet das Ganze. Auch die Minderheit der Rohingjas haben Menschenrechte!
großwolke 03.10.2017
5. Ein Fehler
Das ganze Hauen und Stechen in dieser Weltgegend kommt im Wesentlichen daher, dass Landesgrenzen unterschiedliche Ethnien miteinander "einsperren", die ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt haben. Wenn man da Frieden schaffen will, geht das nur, wenn man diese Ethnien trennt, räumlich und auch staatlich. Ob eine Umsiedlung der Rohingya ins mehrheitlich muslimische Bangladesh eine Lösung sein könnte, oder ob man ihnen vielleicht ein eigenes Land schaffen sollte? Fragen, die von schlaueren Menschen als mir beantwortet werden müssten. Aber ein friedliches Zusammenleben in Burma ist unter den gegebenen Vorzeichen undenkbar, dafür läuft die gegenseitige Ablehnung und Aggression einfach schon zu viele Jahre. Das ist keine menschenfreundliche Sichtweise, aber eine realistische.
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