Treffen mit dem Papst Festnahmen bei Protest gegen Erdogan

Rund 50 Minuten dauerte die Audienz von Recep Tayyip Erdogan bei Papst Franziskus. In Rom wurden zwei Demonstranten festgenommen, die gegen den Besuch des türkischen Präsidenten protestierten.

AFP/ TURKISH PRESIDENTIAL PRESS SERVICE

Es war der erste offizielle Besuch eines türkischen Präsidenten oder Regierungschefs seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl seit 1960: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat Papst Franziskus den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan rund 50 Minuten lang zu einem Gespräch im Vatikan empfangen.

Erdogan wollte mit Franziskus angeblich über den Krieg in Syrien, Flüchtlinge, den Kampf gegen den Terrorismus, Islamophobie und die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA sprechen.

Mit Spannung war erwartet worden, ob das katholische Kirchenoberhaupt die Menschenrechtslage in der Türkei ansprechen würde, die sich seit dem Putschversuch 2016 und dem in der Folge verhängten und mehrmals verlängerten Ausnahmezustand verschlechtert hat.

Es sei "über die Situation des Landes" gesprochen worden, teilte der Vatikan mit - nannte aber keine Details. Bei seinem Besuch 2014 in Ankara hatte der Pontifex Glaubens- und Meinungsfreiheit angemahnt.

Offen blieb auch, ob über das Vorgehen des türkischen Militärs mit verbündeten Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) gegen die kurdische Miliz YPG, die die Türkei als Terrororganisation einstuft, in Nordwestsyrien gesprochen wurde. Papst Franziskus dürfte diese neue Entwicklung des Krieges mit Sorge sehen - er beklagt immer wieder "Kriegsstürme" und richtet Appelle an die Konfliktparteien in aller Welt.

Franziskus überreichte - wie traditionell üblich - seinem Gast am Ende ein kleines Kunstwerk. Das Bronze-Medaillon zeigt einen Engel, der die nördliche und südliche Welthalbkugel umfängt und dabei den Widerstand eines Drachen überwindet. "Das ist der Friedensengel, der mit den Dämonen des Krieges ringt", sagte Franziskus. "Es ist ein Symbol für eine auf Frieden und Gerechtigkeit gebaute Welt."

Nach Ausschreitungen bei einem Protest gegen den Besuch von Erdogan wurden in Rom zwei Demonstranten festgenommen. Einige der rund 150 Teilnehmer an einer Mahnwache an der Engelsburg unweit des Petersdoms waren nach Angaben der Polizei handgreiflich geworden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nach den

Zusammenstößen wurde die Aktion beendet, zu der das kurdische Netzwerk "Rete Kurdistan" aufgerufen hatte.

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Papst Franziskus und Erdogan: Sicherheitsstufe eins am Petersplatz

Nach dem Treffen mit dem Papst wollte Erdogan seinen italienischen Kollegen Sergio Mattarella sowie Ministerpräsident Paolo Gentiloni treffen. Themen dürften dabei die Flüchtlingspolitik sowie das Verhältnis der Türkei zur EU sein.

cht/als/dpa/AFP



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