US-Wahlkampf Romney entschuldigt sich für 47-Prozent-Aussage

47 Prozent der US-Wähler sehen sich als "Opfer", sind abhängig vom Staat und deshalb Obama-Wähler: Diese Aussage von Mitt Romney war bisher das größte Handicap des Herausforderers. Jetzt hat sich der Präsidentschaftskandidat dafür entschuldigt.

Romney (am Donnerstag in Colorado): "Etwas völlig Falsches gesagt"
AFP

Romney (am Donnerstag in Colorado): "Etwas völlig Falsches gesagt"


Washington - Mitt Romney sagt sorry. Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat seine umstrittene 47-Prozent-Äußerung über Anhänger von Amtsinhaber Barack Obama zurückgenommen. "In diesem Fall habe ich etwas völlig Falsches gesagt", erklärte Romney in der Nacht zum Freitag dem US-Sender Fox News. Er glaube aber, dass er bewiesen habe, dass er sich um 100 Prozent der Amerikaner sorge.

"In einem Wahlkampf mit hunderten, wenn nicht tausenden Reden und Frage-Antwort-Runden sagt man manchmal etwas, das nicht richtig rüber kommt", so der Republikaner.

Romney hatte im Mai bei einer Spendengala geäußert, dass 47 Prozent der US-Wähler von der Regierung abhängig seien, sich als Opfer sähen und deshalb bei der Wahl am 6. November ohnehin nicht für ihn, sondern für Obama stimmen würden.

Der heimlich per Video aufgezeichnete Satz wurde im September auf der Internetseite des linksgerichteten Magazins "Mother Jones" veröffentlicht. Es war zu hören, wie Romney sagte, jene selbsterklärten "Opfer" glaubten, sie hätten Anspruch auf "Gesundheitsversicherung, Lebensmittel, sozialen Wohnungsbau, was auch immer". Sie würden aber keine Einkommensteuer zahlen.

Der Clip entwickelte sich zu einem der größten Handicaps für Romney im Kampf um den Einzug ins Weiße Haus. Ein Sturm der Kritik zog über den Republikaner hinweg. Nach dem Bekanntwerden hatte Romney seine Äußerungen zunächst nur als etwas ungeschickt bezeichnet, sie aber nicht zurückgenommen. Nun wollte er sich offenbar korrigieren.

Beim jüngsten TV-Duell nutzte Präsident Obama zur Überraschung vieler Anhänger nicht die Gelegenheit, diesen Wahlkampf-Patzer Romneys anzusprechen. Bei dem ersten öffentlichen Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten machte Romney nach Einschätzung der meisten Beobachter eine bessere Figur, was sich auch in jüngsten Umfragen niederschlägt. Demnach macht der ehemalige Hedgefonds-Manager und Ex-Gouverneur bei den Wählern Boden gut. Er liegt aber weiter hinter Obama.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters und des Umfrageinstituts Ipsos, die nach dem Duell in den USA durchgeführt worden war, wird Romney nun von 51 Prozent der Wähler positiv gesehen. Obamas günstigen Umfragewerten hat sein von vielen als eher verhalten eingeschätzter Auftritt indes nicht geschadet: Er verteidigte seine Favoritenrolle und kam unverändert auf 56 Prozent.

Romney punktete bei den Wählern in verschiedenen Themenfeldern. Er wird von den Befragten als der bessere Kandidat für die Bereiche Wirtschaftswachstum, neue Jobs und die Reduzierung der Staatsschulden gesehen. In den Themengebieten Steuern, soziale Absicherung und Krankenversicherung liegt Obama weiter vorne, doch sein Vorsprung auf Romney ist geschmolzen.

fab/Reuters

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