Romney-Erfolg in Illinois: Republikaner aller Staaten, vereinigt Euch

Von , Washington

War Illinois der ersehnte Durchbruch für Mitt Romney? Im Mittleren Westen hat er seine Gegner deklassiert. Doch die Konkurrenz bleibt trotzig - aufgeben kommt für sie nicht in Frage.

Republikanischer Kandidat Romney: Klarer Sieg im Bundesstaat Illinois Zur Großansicht
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Republikanischer Kandidat Romney: Klarer Sieg im Bundesstaat Illinois

Mitt Romney hat noch jede Wahlparty schöngeredet. Als "großartig" klassifizierte der Mann schon so manchen Vorwahlsieg, den er gerade so mit ein paar Prozentpunkten Vorsprung ins Ziel brachte. "Wow!", sagte Romney dann immer. Na ja. In Wirklichkeit musste sich der Kandidat bisher mehr oder weniger durch die republikanischen Vorwahlen quälen und dazu gute Miene machen.

An diesem Dienstagabend aber steht Mitt Romney da oben auf seiner Bühne in einem Vorort Chicagos. Es ist der Moment, in dem gezwungenes Selbstbild und reale Außenwahrnehmung endlich in Harmonie zusammenfließen dürfen. "Außerordentlicher Sieg", sagt Romney und strahlt ganz gehörig für einen Mann, der die Arme stets nah am Körper trägt und sich eckigen Bewegungen verschrieben hat. An diesem Abend sagt er die Wahrheit. Ja, es ist ein außerordentlicher Sieg.

Fast 47 Prozent hat Mitt Romney bei der Vorwahl im wichtigen Industriestaat Illinois mit seiner Großstadtbevölkerung rund um Chicago, seinen Arbeitern und seinen ländlich geprägten Gegenden im Süden geholt. Romneys Erzrivale, der Republikaner-Rechtsaußen Rick Santorum, liegt gleich über zehn Prozentpunkte zurück. Ron Paul kommt auf rund neun Prozent, Newt Gingrich dümpelt bei acht. Für Romney ist es nicht nur ein wichtiger Sieg. Es ist ein Triumph.

Und es ist, wenn man seinem Wahlkampfstrategen Eric Fehrnstrom glauben mag, ein Zeichen: "Ein Zeichen, dass sich die Republikanische Partei hinter Romney versammelt." Romneys Frau Ann hatte just vor ein paar Tagen von den Republikanern in Illinois ein solches Zeichen eingefordert: "Es ist Zeit, sich zu versammeln; Zeit, zusammen zu kommen; es ist an der Zeit, dass wir uns hinter einen Kandidaten stellen und der Job hier erledigt ist, so dass wir weitermachen können mit dem nächsten Job: Barack Obama zu schlagen."

Auch nach der 34. Vorwahl keine Klarheit

Schluss mit der Zwietracht. Republikaner aller Staaten, vereinigt Euch! So in etwa denken sie sich das im Romney-Lager. Zeit wär's jedenfalls. Illinois ist schließlich schon die 34. Republikaner-Vorwahl in diesem Jahr. Die vierunddreißigste! Eigentlich müsste längst klar sein, wer im Herbst gegen Präsident Barack Obama antreten darf. Wenn da nur nicht diese neuen Parteiregeln wären, wonach in vielen Staaten das frühere Winner-takes-all-Prinzip abgeschafft ist und die Stimmen nun anteilig in Parteitagsdelegierte umgerechnet werden. Und wenn da nicht Santorum und Gingrich wären, die einfach nicht aussteigen wollen aus dem Rennen.

Auch nicht an diesem Romney-Abend von Illinois. Die Hoffnung der beiden Konservativen: Dass Romney am Ende nicht jene erforderliche Mindeststimmenzahl von 1144 zusammenbekommen möge, um sich auf dem Parteitag im Spätsommer zum Kandidaten krönen zu lassen.

Romney könnte sogar eine Pleite in Kalifornien überstehen

Aber ist Romney jetzt überhaupt noch zu stoppen? Er verfügt über ungeheure Geldreserven, allein in Illinois hat er gut siebenmal so viel investieren können wie Santorum. Auf CNN müht sich der Moderator John King mit Hilfe eines Touchscreen-Fernsehers und virtueller US-Karte nachzuweisen, dass Romney nun so gut wie durch ist. "Hier", sagt King und tippt mit dem Finger auf die Westküste, "Santorum könnte sogar Kalifornien gewinnen und Romney käme doch über 1144." Kalifornien ist am 5. Juni mit 172 Delegiertenstimmen der größte Preis im Republikaner-Rennen. Das ist aber noch lange hin.

Romney selbst zelebriert diesen Illinois-Abend als Durchbruch, der 65-Jährige gibt bereits den Präsidentschaftskandidaten. Die Parteikontrahenten? Kommen in seiner Siegerrede nicht mehr vor. Es geht jetzt nur noch gegen Präsident Obama. "Genug", ruft Romney, "wir haben genug!" Die Zukunft Amerikas strahle heller als diese schwierigen Zeiten, die Obama dem Land eingebrockt habe. Er, Romney, werde die freien Märkte und die freien Menschen beschützen, so dass es wieder vorangehe. "Ich sehe ein Amerika, das führt und nie geführt wird. Ich sehe ein Amerika, das so stark ist, dass niemand auf die Idee kommt, unser Militär zu testen. Heute haben wir einen entscheidenden Schritt hin zu diesem Amerika gemacht." Romney, der Business-Mann mit Pathos.

"Wichtigste Wahl seit 1860"

Wenige Minuten später der Auftritt des Rick Santorum. Nicht in Illinois sondern in Pennsylvania, genauer: in Gettysburg. Er ist hier wegen der Schlacht von Gettysburg. Jener Schlacht, die im Juli 1863 eine Vorentscheidung im amerikanischen Bürgerkrieg brachte und den Norden über den Süden siegen ließ. Hier hat Abraham Lincoln seine berühmte Rede auf die Union und den Zusammenhalt der USA gehalten.

Hinter ihm prangt in großen Lettern das Wort "Freiheit". Und schon in den ersten Minuten macht der 53-Jährige klar, dass er vor großen Vergleichen nicht zurückschreckt: Bisher war es stets der frühere Präsident Ronald Reagan, mit dem er sich verglich. Nun hat er auch Lincoln in sein Portfolio aufgenommen: Die Wahl 2012 sei "die wichtigste Wahl seit 1860", also jener Wahl Lincolns, die den Bürgerkrieg schließlich auslöste. Es gehe jetzt um "fundamentale Dinge", weil die Regierung in Washington den Menschen diktieren wolle, "wie wir unsere Leben zu leben haben".

Und dann knöpft sich Santorum Romney und dessen Wirtschaftswahlkampf vor: "Hier geht es nicht darum, wer Washington oder die Wirtschaft am besten managen kann. Wir brauchen keinen Manager." Nicht so einen wie Romney. Sondern einen Befreier. Wie Santorum. So sieht er sich. Und er hofft noch immer darauf, der konservative Einheitskandidat zu werden. Er setzt darauf, dass Gingrich nur zu bald aus dem Rennen ausscheiden werde.

Romney redet von Jobs - Santorum von Freiheit

Santorums Problem: Er überlässt Romney jetzt offenbar bewusst das Feld der Wirtschaftpolitik. Das aber bewegt die Amerikaner derzeit am meisten. Nur mit diesem Thema - davon sind republikanische Strategen überzeugt - werde man im November eine Chance gegen Obama haben können. Santorum dagegen hatte schon kurz vor der Abstimmung in Illinois für Aufsehen gesorgt, als er erklärte, es sei ihm egal, wie sich die Arbeitslosenrate entwickle. Sein Wahlkampf hänge nicht davon ab, denn der befasse sich mit Grundsätzlicherem.

Das soll jetzt der Freiheitsbegriff sein. Bisher aber widmete sich Santorum eher dem Kampf gegen die Abtreibung und warnte vor den Konsequenzen des Gebrauchs von Verhütungsmitteln. Er, ebenfalls Katholik, äußerte sich despektierlich über den früheren Präsidenten John F. Kennedy, weil dieser für die Trennung von Kirche und Staat eintrat. Santorum gab den papistischen Gotteskrieger.

Das hat ihn Sympathiepunkte bei den Frauen gekostet, bei den moderateren Republikanern in den Vororten und Städten. Hier konnte Romney in Illinois mit seiner Wirtschaftsthematik punkten. Einer Mehrheit der Republikaner geht es zudem mittlerweile um die Wählbarkeit ihres Kandidaten im direkten Vergleich mit Obama. Und da hätte der "Jesus-Kandidat" (Eigenwerbung Santorum) wohl kaum Chancen.

Doch deshalb ist noch lange nicht Schluss im munteren Vorwahl-Reigen der Republikaner. Am Samstag schon geht's weiter, in Louisiana, einem Südstaat, auf den Santorum hofft: "Wir fühlen uns sehr, sehr gut mit Blick auf Louisiana", sagt er. Na dann.

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1. Der liebe Gott
schnitti23 21.03.2012
Zitat von sysopREUTERSWar Illinois der ersehnte Durchbruch für Mitt Romney? Im Mittleren Westen hat er seine Gegner deklassiert - doch die Konkurrenz bleibt trotz des Debakels trotzig. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822678,00.html
Der liebe Gott möge sein Land (Gods own country) vor einem republikanischen Präsidenten bewahren. So rückwärtsgewandt wie diese drei Anwärter hat man kaum einen anderen gesehen. Sie wären noch mehr Spielball des großen Geldes als Obama, würden noch mehr an der langen Leine sein. Amerika braucht Fortschritt, Selbstständigkeit in der Politik und weniger selbstangezettelte Kriege.
2. rt
miauwww 21.03.2012
Dieses ewige Gelaechel bei denen geht mir sowas von auf den Zeiger. Shiny - und mehr nicht. Ich empfehle, mal die Maske abzunehmen - und auch gleich zu sagen, was wirklich im Argen liegt in der great nation.
3. Romney versus Obama
Rmoenikes 21.03.2012
Der Herausforderer Obamas wird Romney sein. Santorum versteht einfach nicht, daß Clintons Aussage "It´s the economy, stupid" gerade in der momentanen wirtschaftlichen Situation Amerikas ihre Gültigkeit hat. Es ist nur die Frage, ob Romney als ein "starker" Kandidat der Republikaner, hinter dem die Partei geschlossen steht, ins Rennen um die Präsidentschaft geht, oder als ein Kandidat, der bis zum Schluss um seine Kandidatur kämpfen musste. So wie es aussieht, wird wohl letzteres der Fall sein. Damit würde man Obama natürlich in die Karten spielen. Das Obama gute Chancen für eine zweite Amtszeit hat, liegt deswegen hauptsächlich an den Republikanern selber.
4. Seamus der Hund
lakechamplainer 21.03.2012
Zitat von sysopREUTERSWar Illinois der ersehnte Durchbruch für Mitt Romney? Im Mittleren Westen hat er seine Gegner deklassiert - doch die Konkurrenz bleibt trotz des Debakels trotzig. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822678,00.html
Wir werden jetzt mehr über Seamus den Hund hören. Erinnern Sie sich, er war Romneys Hund, den Romney legte auf sein Auto während einer Reise nach Ontario.
5. Ich habe mich geirrt
lakechamplainer 22.03.2012
Ich habe mich geirrt. Nun hören wir über das "Etch-a-Sketch", deren Betrieb durch Romneys Sprecher verwendet wurde, um zu zeigen, wie Romney wird von rechts zur Mitte in den allgemeinen Wahlen zu verschieben. Romney wird einfach seinen früheren Positionen löschen und neue Positionen zeichnen.
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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.