Romney vs. Gingrich Die Spalter

Mitt Romney oder Newt Gingrich? In wenigen Stunden fällt bei den Vorwahlen der Republikaner im "Sunshine State" Florida die Entscheidung. Romney liegt in Umfragen vorn, doch Gingrich will nicht aufgeben. Der Partei droht ein Kulturkampf, an dessen Ende die Spaltung stehen könnte.

Aus Tampa, Florida, berichtet

REUTERS

Kurz bevor es losgehen soll, verkleinern sie noch rasch den Flugzeughangar. Links und rechts der Rednerbühne werden blaue Vorhänge aufgezogen. Der Raum schrumpft, jetzt fällt die Leere nicht mehr so auf. "Hey", ruft die örtliche Vorsitzende, man solle doch bitteschön gleich mal kräftig jubeln. Die Leute versuchen es. Dann kommt der Kandidat.

"Wow", sagt Newt Gingrich, "ich freu' mich riesig." Ehefrau Callista strahlt in die halbleere Halle. Gerade mal gut 150 Leute sind gekommen, drei von ihnen rufen ausdauernd "Newt, Newt".

Nur noch wenige Stunden bis zur Vorwahl in Florida. Es sieht nicht gut aus für den Kandidaten Gingrich.

Bei Mitt Romney dagegen sind die Hallen und Plätze voll. Die Meinungsforscher sagen ihm einen deutlichen Sieg bei der Primary an diesem Dienstag voraus, 15 Prozentpunkte liegt er letzten Umfragen zufolge vor Gingrich. Alle anderen Kandidaten sind weit abgeschlagen. Tja, lästert Spitzenreiter Romney, dem Kollegen Gingrich gehe es dieser Tage eben nicht so toll. Warum nicht? Na, Gingrich könne ja mal in den Spiegel schauen. Und dessen Kampagne? "Da kannst du nur zugucken und den Kopf schütteln."

Steht die Partei Lincolns vor der Spaltung?

Romney allerdings hat nicht nur zugesehen. Nachdem Gingrich in South Carolina über ihn triumphieren konnte, hat er Millionen in seine Florida-Kampagne gesteckt, um Gingrich kleinzukriegen. Romney hat das Land mit Negativ-Spots in Radio und Fernsehen geflutet. Einen "Blitzkrieg" konstatiert die "Washington Post": Statt den Versuch zu unternehmen, die Wähler von sich zu überzeugen, habe sich Romney eher Gingrichs Charakter (drei Ehen, zig Affären, Lobbyarbeit, ethische Verfehlungen im Amt) und seine Wählbarkeit vorgenommen. Gingrich beschreibt Romneys Kampagne mit einem Wort: Flächenbombardement.

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US-Vorwahlen: Werbe-Marathon in Florida
Die Kandidaten setzen alles auf Florida. Dem 19-Millionen-Einwohner-Staat, halb so groß wie Deutschland, kommt eine entscheidende Rolle zu. In drei Staaten haben die Republikaner bisher ihre Vorwahlen abgehalten, drei Sieger haben sie gekürt: den Erzkonservativen Rick Santorum in Iowa, den Moderaten Romney in New Hampshire und Hitzkopf Gingrich in South Carolina.

In Florida geht es um 50 Delegiertenstimmen für den Wahlparteitag im August, die nach dem Winner-takes-all-Prinzip vergeben werden. Wer an diesem Dienstag in der Wechselwählerregion Florida - einem sogenannten swing state - siegen kann, der empfiehlt sich automatisch für die Kandidatur. In vergangenen Präsidentschaftswahlen war der Südstaat immer wieder Zünglein an der Waage, etwa im Jahr 2000 beim Rennen zwischen dem späteren Präsidenten George W. Bush und dem Demokraten Al Gore.

Kein einfaches politisches Terrain, weil der Staat aus sehr verschiedenen Regionen besteht - quasi Amerika im Kleinformat. Da sind die klassisch-konservativen Südstaatler ganz oben im Nordwesten, dem wegen seiner geografischen Form als Pfannenstiel bezeichneten Landesteil. Das Zentrum Floridas mit den Städten Tampa und Orlando dagegen gilt als liberaler. An der Golfküste leben viele Rentner, die aus ganz Amerika hierhergekommen sind.

Im Süden rund um Miami ist die hispanische Bevölkerung stark, insbesondere die Exil-Kubaner. Mehr als 20 Prozent der Bewohner Floridas sind hispanischer Abstammung. Gerade in Einwanderungsfragen gibt es dementsprechend zwischen Nord- und Südflorida sehr unterschiedliche Auffassungen. Großes Thema im Land ist zudem die kriselnde Wirtschaft. Hier ist die Arbeitslosigkeit mit rund zehn Prozent höher als im restlichen Amerika; und die Hypothekenkrise hat die Menschen besonders hart getroffen. Allein im Dezember wurden mehr als 20.000 Häuser zwangsversteigert.

Romney ist es gelungen, sich quer durch alle Landesteile, Schichten und Bevölkerungsgruppen an die Spitze der Umfragen zu setzen: bei den Rentnern, den Latinos, den Neuwählern. Allerdings: An die Zustimmungsraten von US-Präsident Barack Obama in der für die Wahlen im November bedeutende Gruppe der Latinos kommt keiner der Republikaner-Kandidaten heran.

Kampf der Kulturen

Doch der Herbst liegt noch in weiter Ferne. Die Republikaner führen jetzt einen Kampf untereinander, der es in sich hat. Klar, schmutzig waren auch frühere Vorwahlkämpfe. Das Republikaner-Rennen 2012 aber ist anders. Es ist absoluter. Es könnte die Grand Old Party, die Partei Abraham Lincolns, spalten - dieses fragile Bündnis aus Hardcore-Christen, Konservativen, Marktliberalen, Realpolitikern.

Es ist ausgerechnet diese Spaltung, in der Newt Gingrich offenbar seine Chance sieht. Der 68-Jährige, der sein Leben erst als Politiker und dann als Lobbyist in Washington verbrachte, geriert sich nun als der Anti-Establishment-Kandidat. Der Wut-Newt kämpft um die Stimmen der Wutbürger von der radikalen Tea Party. Von "Graswurzelbewegung" spricht er jetzt. Von der "Volkspower", die über die "Geldpower" des Multimillionärs und Establishment-Kandidaten Romney siegen werde.

Gingrich hat sich in letzter Minute noch Unterstützung geholt. Am Montag tourt er mit Michael Reagan durchs Land, zig Veranstaltungen absolvieren die beiden. Reagan ist ein Sohn des früheren US-Präsidenten, des Schutzheiligen der Konservativen. Das passt prima, erklärt doch Gingrich überall in Florida, er sei der legitime Erbe Reagans.

Reagan Junior also ist Gingrich ein treuer Helfer im Kulturkampf: 2012 laufe genauso ab wie die Vorwahlkämpfe seines Vaters Ende der Siebziger, sagt er. Da hätten die "Reagan Conservatives" gegen die Liberalen in den eigenen Reihen gekämpft. "Ihr habt jetzt die Chance, eure Freiheit zurückzubekommen", ruft er im Flugzeughangar von Tampa. So läuft das in Florida: Freiheit (Gingrich) oder Sozialismus (Romney, Obama).

Auch Herman Cain, der Ex-Pizza-Ketten-Chef und Ex-Präsidentschaftsbewerber, schaut am Montag noch bei Gingrich und Reagan vorbei. Cain, den Gingrich "einen der großen Graswurzel-Populisten des Landes" nennt und der viele Anhänger in den Reihen der Tea Party hat, wirbt erst seit Samstag für den Kandidaten Gingrich. Warum? "Weil ich vorher nicht wollte." Im Klartext: Erst seitdem sich Gingrichs Niederlage und Romneys Sieg im so wichtigen Florida abzeichnet, springen die Rechtsaußen-Konservativen Gingrich bei. So warnte auch Tea-Party-Ikone Sarah Palin, das Establishment wolle Gingrich "kreuzigen".

Weil das Rennen zwischen Romney und Gingrich nicht mehr nur ein Zweikampf, sondern ein Kampf der Kulturen ist, wird er an diesem Dienstag in Florida nicht enden - egal mit welchem Vorsprung Romney seinen Widersacher im "Sunshine State" am Ende schlagen mag. Gingrich will einen langen, harten Fight. "Es wird eine echte Herausforderung für Romney werden, auf dem Parteitag im Sommer eine Mehrheit zu bekommen", stellt er fest. Gingrich will sich nicht geschlagen geben, hat bereits die März-Vorwahlen im Blick: Da stehen mehrere Südstaaten auf dem Zettel. Gingrich-Territorium.

Jene Staaten aber, die in den kommenden Wochen wählen - etwa Nevada, Maine, Minnesota - haben Gingrichs Leute längst verloren gegeben. Auch im Romney-Lager richten sie sich auf einen langen Kampf ein, den erhofften schnellen Durchmarsch haben sie abgeschrieben. "Egal, was in Florida passiert", zitiert das Magazin "Politico" Romneys Chefstrategen Eric Fehrnstrom, "Mitt Romney wird nicht auf Autopilot schalten. Wir werden um jede Stimme kämpfen."

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Seite 1
kevinsteve79 31.01.2012
1. Romney in Dunedin Florida
Zitat von sysopMitt Romney oder Newt Gingrich? In wenigen Stunden fällt*bei den Vorwahlen der Republikaner im "Sunshine State" Florida die Entscheidung. Romney liegt in Umfragen vorn, doch Gingrich will nicht aufgeben. Der Partei droht ein Kulturkampf, an dessen Ende die Spaltung stehen könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812342,00.html
und ich war live dabei! Eine Parole nach der anderen und wieder mal gegen Europa hetzen und behaupten das der Sozialismus an dem Schlamassel Schuld sei und darum Europaer weniger verdienen als Amerikaner. Dann wie ueblich ueber das Militaer, das die USA Navy nun die kleinste sei in der US Geschichte seit 1917 und die kleinste Luftwaffe in der US Geschichte seit 1945. Ich frag mich was er eigentlich genau damit bezweckt und mit was will er das finazieren noch mehr hochzuruesten wo wir schon 570mrd dollar im Jahr fuers Militaer ausgeben. ... Irgendwie hab ich auch nichts davon gehoert was fuer Plaene er haette WIE er es anderster machen wuerde als Obama sondern nur das er es anderster machen wuerde, ja is klar. Zum Schluss dann noch das er der Heilsbringer sei for Liberty und Freedom und dann den Patriot Act und den NDAA unterstuetzen da die Welt ja so furchtbar gefaehrlich sei und wir beschuetzt werden mussen. Romney!!!! Please leave Florida!!!!
jokra 31.01.2012
2. zieh durch newt!
Zitat von sysopMitt Romney oder Newt Gingrich? In wenigen Stunden fällt*bei den Vorwahlen der Republikaner im "Sunshine State" Florida die Entscheidung. Romney liegt in Umfragen vorn, doch Gingrich will nicht aufgeben. Der Partei droht ein Kulturkampf, an dessen Ende die Spaltung stehen könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812342,00.html
die spaltung der GOP ist das beste was amerika passieren kann. bye bye conservatives...
Emil Peisker 31.01.2012
3. Dieser Zirkus.....
Zitat von kevinsteve79und ich war live dabei! Eine Parole nach der anderen und wieder mal gegen Europa hetzen und behaupten das der Sozialismus an dem Schlamassel Schuld sei und darum Europaer weniger verdienen als Amerikaner. Dann wie ueblich ueber das Militaer, das die USA Navy nun die kleinste sei in der US Geschichte seit 1917 und die kleinste Luftwaffe in der US Geschichte seit 1945. Ich frag mich was er eigentlich genau damit bezweckt und mit was will er das finazieren noch mehr hochzuruesten wo wir schon 570mrd dollar im Jahr fuers Militaer ausgeben. ... Irgendwie hab ich auch nichts davon gehoert was fuer Plaene er haette WIE er es anderster machen wuerde als Obama sondern nur das er es anderster machen wuerde, ja is klar. Zum Schluss dann noch das er der Heilsbringer sei for Liberty und Freedom und dann den Patriot Act und den NDAA unterstuetzen da die Welt ja so furchtbar gefaehrlich sei und wir beschuetzt werden mussen. Romney!!!! Please leave Florida!!!!
Na ja, werter Kevinsteve, was Newt und die anderen Kandidaten so von sich geben, ist nicht intelligenter. Dieser Zirkus garantiert die Wiederwahl von Obama.
argumentumabsurdum 31.01.2012
4. Entertainment pur!
So ein amerikanischer Vorwahlkampf hat doch, sonst würden ihn hier nicht so viele verfolgen, enormes Unterhaltungspotenzial. Da steckt Feuer drin, Leidenschaft, Selbstüberschätzung! Hach, herrlich! Und hier? Bei uns? Frau Schröder-Köpf hat wohl keine Chance mehr, bei den SPD-Ortsvereinen genügend Punkte gegenüber Frau Leuschner gut zu machen, um bei der nächsten Landtagswahl... Hallo? Noch alle wach? Sicher, ich wünsche mir, wie in vielen anderen Bereichen auch, keine amerikanischen Verhältnisse in unserer Parteipolitik. Aber ein bisschen mehr Dampf wäre manchmal schon schön.
johann_krautmann 31.01.2012
5. Hauptsache...
die Partei spaltet sich. Das wird sicher ein bisschen Heiterkeit in den tristen Alltag bringen. So ein süßer kleiner Bürgerkrieg innerhalb der extremistischen Partei "Dollah Akbar" hätte schon was. Sind ja alle bereits bewaffnet.
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