Romneys Zittersieg in Michigan Qual der Wahl

Das ist gerade noch mal gutgegangen für Mitt Romney: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat bei neuen Vorwahlen in den USA eine Blamage nur knapp vermieden. Der religiös-radikale Rivale Santorum bleibt stark, die Partei erlebt eine bisher ungekannte Schmutzkampagne.

Aus Detroit berichtet


Mitt Romney spielt Theater. "Was für eine Nacht!", ruft er. "Was für ein Sieg!" Vor einer Woche noch habe niemand mehr mit ihm gerechnet. "Aber heute hat unsere Sache einen großen Sieg errungen. Danke, Michigan!" Nun ja.

In Wirklichkeit ist Mitt Romney ein miserabler Schauspieler. Sein vermeintlich großer Sieg besteht allein in der Tatsache, dass er eine peinliche Niederlage ziemlich knapp abgewendet hat. Es ist noch mal gutgegangen. Gerade mal drei Prozentpunkte liegt er bei den republikanischen Vorwahlen in Michigan vor seinem erzkonservativen Rivalen Rick Santorum. In Arizona wenigstens hat er am gleichen Abend deutlich gesiegt, dort liegt er zweistellig in Führung.

Nein, die Rolle des von allen bereits abgeschriebenen Außenseiters passt so ganz und gar nicht zu ihm, dem Multi-Millionär mit der Multi-Millionen-Dollar-Kampagne. Michigan ist sein Heimatstaat, hier ist Romney geboren und aufgewachsen. Sein Familienname klingt hier nach Aristokratie, der Vater leitete ein Auto-Unternehmen, in den Sechzigern regierte er den Staat, bewarb sich ebenfalls um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Romney - das ist hier ein wohlklingender Name seit Jahrzehnten. Sohn Mitt hätte zweistellig siegen müssen in Michigan.

"Jetzt wissen Sie, wer ich bin!"

Von dem Rivalen namens Rick Santorum, einem Ex-Senator aus Pennsylvania, dürfte die Mehrheit der Michiganer wohl erst in den vergangenen Wochen ernsthaft Kenntnis genommen haben. "Jetzt wissen Sie, wer ich bin!", ruft Santorum auf seiner Wahlparty am Dienstagabend. Der Stolz in seiner Stimme ist echt. Bei ihm passt die Rolle.

Mitt Romney hat sich zu diesem Sieg gequält. Es war mühsam, es hat Kraft gekostet. Kreuz und quer ist der Mann in den letzten Tagen durch Michigan getourt, jeden Tagen tauchten plötzlich neue Termine auf seiner Homepage auf. Noch einer. Und noch einer. Scheitern? Kam nicht in Frage, nicht hier. Romney war plötzlich überall. Für den Abend vor dem Wahltag mietete er einen alten Theatersaal an, ließ "Mitt Romney for President" an die Anschlagtafel über dem Eingang schreiben und gewann den Sänger Kid Rock für einen Auftritt. Die ganz große Show, inklusive Dosenbier.

Auf diese Weise verwandelte Romney seinen anfänglichen Zehn-Punkte-Rückstand in den Umfragen zu einem Drei-Punkte-Sieg. Und irgendwann an diesem Wahlabend gab er sich dann doch noch ehrlich, ein bisschen zumindest: "Wir haben nicht mit deutlich Abstand gewonnen, aber ausreichend." Und nun?

Vergleiche mit Obama vs. Clinton

"Er bekommt jetzt die Headlines in den Medien", sagt Karl Rove, der einstige Großstratege von Ex-Präsident George W. Bush im TV-Sender Fox News. Der Sieg in Michigan werde Romney am Super Tuesday in genau einer Woche helfen, wenn gleich zehn Staaten auf einmal abstimmen. Aber ist er jetzt durch, hat er die Nominierung in der Tasche? "Das Rennen ist volatil", sagt Rove.

Es wird weitergehen. Immer weiter. Den März hindurch, den April, den Mai, vielleicht bis in den Juni. Um die Kandidatur zu erringen, braucht Romney mindestens 1144 Delegiertenstimmen auf dem Parteitag im Spätsommer. Er hat jetzt erst 144. Santorum wird so schnell nicht aufgeben, er profitiert von der deutlich nach rechts gerückten Republikaner-Basis, von der für Krisenzeiten so typischen Sehnsucht nach dem vermeintlich guten Gestern. Newt Gingrich, der in Michigan und Arizona chancenlos blieb, wird so lange weitermachen, bis der Casino-Mogul Sheldon Adelson aufhört, ihn mit immer neuen Millionen zu versorgen. Und Ron Paul? Der Radikal-Liberale steigt eh nicht aus, schon aus Prinzip nicht.

Romney hat mal gesagt, das lange Rennen mache ihn nur stärker. Auf seiner Wahlparty in Michigan hat er sich diesen Spruch verkniffen - weil er Unsinn ist. Die Republikanische Partei erlebt einen bisher ungekannten Schmutzwahlkampf. Weil den Kandidaten aufgrund der neuen Spendenregelung das Geld nicht ausgeht, können sie sich gegenseitig ohne Unterlass mit negativen Anzeigen überziehen. Das beschädigt am Ende alle. Die Hoffnung manches republikanischen Strategen ist deshalb trügerisch: dass es für Romney genauso laufen könnte wie für Obama vor vier Jahren. Der nämlich lieferte sich damals mit Hillary Clinton einen monatelangen Kampf um die Kandidatur - und galt am Ende als geschult und gestärkt.

Clinton ist heute Obamas Außenministerin. Beim Duo Romney-Santorum ist so eine Konstellation schier undenkbar. Santorum lässt vor jedem seiner Auftritte öffentlich beten, proklamiert einen Kampf des Guten gegen das Böse. In Michigan buchte er sogenannte Robocalls an Demokraten, automatisierte Anrufe. Die politischen Gegner wurden aufgefordert, für ihn zu stimmen, "um eine deutliche Nachricht an Mitt Romney zu senden".

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US-Vorwahlen: Entscheidung in Michigan
Auf seiner Wahlparty am Dienstag erinnert er an den siegreichen Freiheitskampf der Amerikaner gegen die Briten Ende des 18. Jahrhunderts: wie die "mächtigste Armee der Welt" von ein paar zusammengewürfelten und bodenständigen Revolutionären geschlagen wurde. Die Uniformen der Briten seien "frisch und steif" gewesen, ihre Anführer von Adel: "Sie sahen gut aus." Es ist eine Metapher für den steif und glatt wirkenden Romney auf der einen Seite und für Santorum, der so gern der Anführer einer konservativen Graswurzelbewegung sein würde, auf der anderen. Im Publikum verstehen sie: "Yeah!"

Obama greift in den Republikaner-Wahlkampf ein

Romney erwähnt Santorum an diesem Abend mit keinem Wort, weder direkt noch indirekt. Dafür schießt er sich auf Präsident Obama ein. Romney versucht zurückzukehren zu jener Strategie, die er sich eigentlich vorgenommen hatte für den gesamten Wahlkampf: die Rivalen im eigenen Lager, so gut es geht, ignorieren und sich auf dem Feld der Wirtschaftspolitik mit Obama messen.

Aber auch der Präsident hat seinerseits längst massiv in den Wahlkampf der Republikaner eingegriffen. Per Videoclip erinnerte er gerade daran, dass Romney 2009 gegen den "Bailout" der Michiganer Automobilindustrie gekämpft hatte, jenes 80-Milliarden-Dollar-Rettungspaket. Am Dienstag legte Obama bei einem Auftritt vor Auto-Gewerkschaftern in Washington noch einmal nach: "Wenn wir euch im Stich gelassen hätten, wenn Amerika das Handtuch geworfen hätte, dann wären GM und Chrysler untergegangen."

Diese Intervention mag zwar bei den tendenziell Bailout-kritischen Republikanern während der Vorwahl nicht verfangen haben. Im Herbst aber dürfte Romney das Thema in seinem Geburtsstaat noch einmal begegnen.

Wenn er dann Obamas Gegner sein sollte.

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pepito_sbazzeguti 29.02.2012
1. Ebola und Lassa
Zitat von sysopDPADas ist gerade noch mal gut gegangen für Mitt Romney: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat bei zwei neuen Vorwahlen in den USA eine Blamage nur knapp vermieden. Der religiös-radikale Rivale Santorum bleibt stark, der schmutzige Kandidatenkampf geht in die nächste Runde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818250,00.html
Sieht so aus, als ob man bei Romney und Santorum die Wahl zwischen Ebola und Lassa-Fieber hat. Ich wünsche Barack Obama viel Glück für eine zweite Amtszeit.
curti 29.02.2012
2. Wirklich entscheidend.......
Zitat von sysopDPADas ist gerade noch mal gut gegangen für Mitt Romney: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat bei zwei neuen Vorwahlen in den USA eine Blamage nur knapp vermieden. Der religiös-radikale Rivale Santorum bleibt stark, der schmutzige Kandidatenkampf geht in die nächste Runde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818250,00.html
dürfte sein, daß die Greenbacks reichlich vorhanden sind. Alles weitere geht dann wie von selbst. Geld regiert die Welt und nirgendwo wird dies deutlicher als in den demokratisch vorgegauckelten, amerikanischen Wahlkämpfen.
caecilia_metella 29.02.2012
3. Wer die Wahl hat ...
Die Wahl zwischen Romney und einem rechtsaußen-Möchtegern-Jehoshua (lat.: Jesus) Santorum wird einigen ganz schlauen Amerikanern vielleicht doch nicht sehr schwer fallen. Zumindest könnte es sein, dass sie sich denken können, mit wem in aller Welt ein US-Präsident in näherer Zukunft bevorzugt zusammenarbeiten könnte.
Apologet 29.02.2012
4. Angstschweiß
---Zitat--- Der religiös-radikale Rivale Santorum bleibt stark.. ---Zitatende--- ... und kalter Angstschweiß erscheint auf der Stirn derer, die Glaube, Werte, Familie und Konservativismus am liebsten aus dieser Welt verbannen würden um ungehemmt ihren Ersatz-Ideologien nachzuhängen. Sei es der Hedonismus, der Dienst am Mammon oder der Sozialismus. Warum nur gelingt es den Medien nicht, ihn niederzuschreiben! Es ist doch allzu ärgerlich!
forumgehts? 29.02.2012
5. Die
Zitat von caecilia_metellaDie Wahl zwischen Romney und einem rechtsaußen-Möchtegern-Jehoshua (lat.: Jesus) Santorum wird einigen ganz schlauen Amerikanern vielleicht doch nicht sehr schwer fallen. Zumindest könnte es sein, dass sie sich denken können, mit wem in aller Welt ein US-Präsident in näherer Zukunft bevorzugt zusammenarbeiten könnte.
amerikanischen Präsidenten sind alle nur Marionetten der wirtschaftlichen Interessenverbände. Was sie im Wahlkampf sagen ist daher unerheblich und was sie - gewählt - tun wird ihnen vorgegeben. Bei uns ist es übrigens auch nicht anders, die Show läuft nur nach einem anderen Drehbuch ab.
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