Kandidat für Veteranenministerium Schwere Vorwürfe gegen Trumps Leibarzt Jackson

Dem Kandidaten für das US-Veteranenministerium, Ronny Jackson, werden unter anderem fehlende Führungsfähigkeiten vorgeworfen. Präsident Trump stärkt Jackson den Rücken - und rät ihm doch davon ab, den Job zu nehmen.

Ronny Jackson
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Ronny Jackson


Wiederholte Trunkenheit und vergiftete Arbeitsatmosphäre: Es gibt schwere Vorwürfe gegen Ronny Jackson, Donald Trumps Kandidaten für den Posten des Veteranenministeriums. Jackson ist bisher der persönliche Leibarzt des US-Präsidenten.

Ein Untersuchungsbericht, angefordert im Jahr 2012, wirft Jackson sowie einem rivalisierenden Arzt "unprofessionelles Verhalten" vor. Die beiden hätten sich in einen Machtkampf um die medizinische Abteilung im Weißen Haus verstrickt.

Der Bericht des medizinischen Generalinspektors der Navy offenbarte, dass bei Teammitgliedern fehlendes Vertrauen in die Mitarbeiterführung sowie eine schlechte Moral geherrscht habe. Demnach sei die Arbeitsatmosphäre so gewesen, als sei man "zwischen zwei Eltern gefangen, die durch eine bittere Scheidung gehen".

Laut dem Bericht sagte die "breite Mehrheit" der Befragten, dass Jeffrey Kuhlman, Jacksons Vorgänger als Leibarzt, seine Führungsfähigkeiten unwiderruflich beschädigt habe. Auch Jackson habe "schlechte Menschenführung" gezeigt, das gehe aber vor allem auf die schlechte Beziehung mit Kuhlman zurück.

Trump: "Ich würde es nicht machen"

Weitere Auszüge aus dem Bericht: "Schlechteste Führung, die es jemals gab", "niemand traut niemandem", "die Leiter sind wie Kinder". Erst als Kuhlman das Team verlassen habe, sei die Atmosphäre deutlich besser geworden. Das geht aus einem Folgebericht aus dem Jahr 2013 hervor.

Weitere Anschuldigungen gibt es aus einem Komitee des Senats: Die Ausschussvorsitzenden Johnny Isakson und Jon Tester erklärten, es gebe "schwerwiegende Vorwürfe", denen man nachgehen wolle. Die beiden Senatoren nannten zunächst keine Details. Später sagte Tester dann in einem Interview mit dem Radiosender NPR, es gebe mehr als 20 aktuelle und ehemalige Militärs, die aussagten, Jackson habe unsachgemäß Medikamente ausgegeben, sei während der Arbeitszeit betrunken gewesen und habe Mitarbeiter herabgesetzt.

Der Untersuchungsbericht von 2012 nennt aber keine unsachgemäße Verschreibung von Medikamenten oder Alkoholkonsum.

Jackson verweigerte eine Aussage zu den Vorwürfen und gab keine Anzeichen, das Amt des Veteranenministers nicht antreten zu wollen. Das Komitee für das Ministerium im Senat hat die Anhörung Jacksons verschoben, sie wäre für Mittwoch geplant gewesen. Jackson versucht nun, die Abgeordneten davon zu überzeugen, dass er dazu fähig ist, das Ministerium zu führen.

Donald Trump
AFP

Donald Trump

Trump hat es Jackson freigestellt, auf den Posten zu verzichten. Er stehe hinter Jackson, sagte der Präsident. Es stehe Jackson aber frei, ob er sich aus dem Bestätigungsverfahren im Senat zurückziehen wolle. Trump sagte, Jackson zähle zu den besten Menschen, die er kenne. Er räumte aber zugleich ein, dass es ein Problem hinsichtlich der Erfahrung des Arztes gebe. Er könne es verstehen, wenn Jackson sich den Prozess nicht antun wolle: "Ich würde es nicht machen", sagte Trump.

Knapper Republikaner-Sieg in Arizona

Trump hatte Jackson Ende März völlig überraschend für den Posten des Ministers für die Angelegenheiten von Veteranen ernannt, nachdem er den Amtsinhaber David Shulkin entlassen hatte. Jackson war 2013 unter Trumps Vorgänger Barack Obama Leibarzt des Präsidenten geworden. Auch unter Trump blieb Jackson Leibarzt. Er war es, der dem Präsidenten in Folge eines Checks "exzellente Gesundheit" attestierte.

Sollte Jackson sein Amt am Ende nicht antreten, wäre das auch für Trump eine Niederlage - da er den Arzt nominiert hatte.

Bei einer Nachwahl zum US-Abgeordnetenhaus im US-Bundesstaat Arizona schafften die Republikaner wiederum einen knappen Sieg. Aber auch dort bröckelt die Unterstützung für Trump.

Die Republikaner-Kandidatin Debbie Lesko holte den Stimmbezirk 8 mit einem vergleichsweise knappen Vorsprung von rund fünf Prozentpunkten vor ihrer demokratischen Rivalin Hiral Tipirneni, wie es auf der Website des Wahlamtes von Arizona hieß. Dem dort veröffentlichten vorläufigen Ergebnis zufolge holte Lesko 52,6 Prozent der Stimmen, Tipirneni 47,4 Prozent. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 hatte Donald Trump noch einen Vorsprung von 21 Prozentpunkten in dem traditionell konservativ wählenden Stimmbezirk herausholen können.

aev/AP/dpa



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