Vize-Generalsekretärin Deutschland verliert Rennen um Nato-Spitzenposten

Die Nato bekommt erstmals eine Frau als stellvertretende Generalsekretärin: Die US-Diplomatin Rose Gottemoeller soll den Posten im Oktober übernehmen. Für die Bundesregierung ist die Entscheidung eine Schlappe.

Rose Gottemoeller (Archiv)
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Rose Gottemoeller (Archiv)


Deutschland hat das Rennen um einen einflussreichen Spitzenposten bei der Nato verloren. Generalsekretär Jens Stoltenberg ernannte die US-amerikanische Staatssekretärin für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit, Rose Gottemoeller, zu seiner künftigen Stellvertreterin.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte die Bundesregierung den deutschen Spitzendiplomaten Martin Erdmann ins Rennen um die zweithöchste zivile Nato-Position geschickt. Erdmann ist ein intimer Kenner des Bündnisses. Der 61-Jährige ist derzeit deutscher Botschafter in der Türkei. Er arbeitete zuvor 15 Jahre in der Nato-Zentrale in Brüssel - unter anderem als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik und als beigeordneter Nato-Generalsekretär.

Für die Bundesregierung ist die Entscheidung Stoltenbergs eine Schlappe. Nach Angaben aus Nato-Kreisen hatte sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel bei dem Norweger für die Ernennung des deutschen Kandidaten stark gemacht.

Gottemoeller soll am 1. Oktober ihr neues Amt antreten

Gottemoeller bringe langjährige Erfahrungen in der internationalen Sicherheitspolitik mit und sei eine Russland-Expertin, kommentierte Stoltenberg seine Wahl. Darüber hinaus sei es ein Meilenstein für die Nato, dass erstmals eine Frau den Posten des Vize-Generalsekretärs besetze.

Die 63 Jahre alte Gottemoeller, die fließend Russisch spricht, soll ihren neuen Job am 1. Oktober antreten. Dann wird der derzeitige stellvertretende Generalsekretär Alexander Vershbow in den Ruhestand gehen.

Gottemoeller ist bisher Staatssekretärin für Waffenkontrolle und Internationale Sicherheit im US-Außenministerium. Für die USA handelte sie den dritten Start-Vertrag mit Russland zur Reduzierung strategischer Waffen aus, der im Februar 2011 in Kraft trat. 2006 bis 2008 leitete sie den Moskauer Ableger der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden.

Ihre Nominierung für den Posten durch US-Präsident Barack Obama im März sorgte für teils harte Kritik aus den Reihen der Republikaner. Sie werfen Gottemoeller vor, eine zu weiche Linie gegenüber Russland zu vertreten.

kry/dpa/AFP

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