Genf/Damaskus - Tausende Syrer haben am Freitag bei Protestmärschen an die massakrierten Kinder von Hula erinnert. Aktivisten verbreiteten Videos von den Demonstrationen. Die Protestaktionen, die in mehreren Städten nach dem islamischen Freitagsgebet begannen, standen unter dem Motto "Die Kinder von Hula, Fackeln des Sieges". Das Massaker in der Provinz Homs, an dem Soldaten und Milizionäre beteiligt gewesen sein sollen, hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.
Laut einem Bericht des Roten Kreuzes sind seit der Tat Tausende Menschen in Todesangst geflohen. "Die Menschen haben alles zurückgelassen und sind um ihr Leben gerannt", sagte Marianne Gasser, die Leiterin der Syrien-Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), am Freitag.
"Die meisten der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder", heißt es in der in Genf veröffentlichten IKRK-Mitteilung. Bei dem Massaker in Hula vor einer Woche wurden nach Uno-Angaben 108 Menschen getötet, unter ihnen 49 Kinder und 34 Frauen. Die meisten von ihnen seien in dem zur Hula-Ebene gehörenden Dorf Taldo getötet worden.
Etwa 5000 der Geflüchteten würden derzeit in dem fünf Kilometer von Taldo entfernten Dorf Burdsch al-Kai versorgt, das selbst nur etwa tausend Einwohner habe, schilderte Gasser. "Es gibt dort nicht genug Nahrungsmittel, Wasser und Medizin." Viele andere hätten sich versteckt oder in anderen Ortschaften der Hula-Ebene Zuflucht gefunden. Zusammen mit dem Syrischen Arabischen Halbmond bemühe sich das IKRK um die Versorgung der Flüchtlinge.
Putin pocht auf politische Lösung
Der russische Staatschef Wladimir Putin warnte bei seinem Antrittsbesuch in Berlin vor einem Bürgerkrieg in Syrien. "Wir sehen jetzt aufkommende Elemente eines Bürgerkrieges", sagte er am Freitag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. "Es ist extrem gefährlich." Merkel und Putin sprachen sich für eine politische Lösung in dem seit mehr als einem Jahr anhaltenden Konflikt aus. Dies sei "möglich", erfordere aber "Geduld", sagte Putin.
Moskau ist ein traditioneller Verbündeter von Damaskus und blockiert bisher alle Versuche im Uno-Sicherheitsrat, entschieden gegen die syrische Führung von Staatschef Baschar al-Assad vorzugehen. Russland werde auch in Zukunft den Kontakt zu Assad aufrechterhalten, unterstütze aber keine der Konfliktparteien in Syrien, betonte Putin. Er dementierte Waffenlieferungen an Syrien. "Russland liefert keine Waffen, die in einem Bürgerkrieg zum Einsatz kommen könnten."
Jedes Land müsse alles daran setzen, um einen Bürgerkrieg in Syrien zu verhindern, mahnte Merkel. Das Massaker von Hula habe noch einmal gezeigt, wie "schrecklich" die Menschenrechtslage in dem Land sei. Im Uno-Sicherheitsrat müsse "mit aller Kraft und allem Nachdruck" daran gearbeitet werden, dass der Friedensplan des internationalen Syrien-Gesandten Kofi Annan umgesetzt werde, forderte Merkel.
Annan selbst sagte am Freitag, er sei ungehalten und frustriert über die weitergehende Gewalt im Land. Nach dem Massaker an mehr als hundert Menschen müsse Präsident Assad den Uno-Friedensplan umsetzen, sagte Annan in Beirut.
Der ehemalige Uno-Generalsekretär versucht derzeit, einen von ihm vor sechs Wochen erarbeiteten Waffenstillstand zu retten. Die Gewalt in Syrien ist seitdem aber nicht zum Erliegen gekommen.
ler/dpa/AFP/dapd
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