Mutmaßlicher Missbrauch von 14-Jähriger US-Beamter verteidigt Verdächtigen mit Verweis auf Maria, Joseph und Jesus

Der US-Politiker Roy Moore soll vor Jahrzehnten einen Teenager missbraucht haben. Nun hat sich ein hochrangiger Beamter mit einer bizarren Erklärung gemeldet.

Roy Moore
AP

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Roy Moore steht unter Druck. Der Grund: Der ultrakonservative Kandidat für den US-Senat aus Alabama soll vor mehreren Jahrzehnten eine Minderjährige missbraucht haben. Mehrere Republikaner distanzierten sich am Donnerstag (Ortszeit) von Moore. Unterstützung erhält er nun von ungewöhnlicher Seite: Jim Zeigler. Der staatliche Rechnungsprüfer von Alabama versuchte sich an einem biblischen Vergleich.

"Nehmen Sie Maria und Josef", sagte er der konservativen Tageszeitung "Washington Examiner". "Maria war ein Teenager und Joseph ein erwachsener Zimmermann. Sie wurden die Eltern von Jesus." Daran sei überhaupt nichts "Unmoralisches oder Illegales". Das Ganze sei "höchstens ein bisschen ungewöhnlich."

Moore selbst hat sich bislang nicht zu dieser Bemerkung geäußert. Er streitet jedoch die Vorwürfe ab, die die heute 53-Jährige in der "Washington Post" gegen ihn erhoben hat.

Ihren Angaben zufolge habe er sie mit zu sich nach Hause genommen, als sie 14 Jahre alt war. Dort habe der damals als stellvertretender Bezirksstaatsanwalt arbeitende Moore sie bis auf Unterhose und BH entkleidet, betatscht und ihre Hand an seine Genitalien geführt. "Darauf war ich nicht vorbereitet", sagte die Frau der Zeitung.

Insgesamt sprach die "Washington Post" nach eigenen Angaben mit mehr als 30 Menschen, darunter Müttern und Freundinnen der Frauen, die Moore unangemessenes Verhalten gegenüber Minderjährigen vorwerfen. Eine andere Frau sagte der Zeitung, Moore habe ihr Avancen gemacht, als sie 16 war. Erst Jahre später sei ihr klar geworden, dass es "ekelhaft" sei, wenn ein Erwachsener sich einer Jugendlichen aufdränge.

Im Video: Roy Moore tritt mit gezogener Waffe auf

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Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, erklärte, sollten die Vorwürfe stimmen, müsse Moore seine Kandidatur zurückziehen. Mindestens ein Dutzend weitere Republikaner schlossen sich der Forderung an.

Der frühere Präsidentschaftsbewerber und republikanische Senator John McCain erklärte, die Vorwürfe disqualifizierten Moore: "Er sollte sofort abtreten und dem Volk von Alabama die Möglichkeit geben, einen Kandidaten zu wählen, auf den sie stolz sein können."

dop/AFP

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