Ruanda Polizei erschießt bei Protesten fünf Flüchtlinge

Bei Flüchtlingsprotesten haben Polizisten in Ruanda mehrere Menschen erschossen. Die Kongolesen hatten gegen gekürzte Lebensmittelrationen protestiert.

Flüchtlinge auf dem Weg ins Kiziba Camp im Westen Ruandas
REUTERS

Flüchtlinge auf dem Weg ins Kiziba Camp im Westen Ruandas


Bei Protesten vor einem Flüchtlingslager in Ruanda sind mindestens fünf Menschen erschossen und 15 weitere verletzt worden.

Vor einem Uno-Büro des Lagers Kiziba hatten an mehreren Tagen Hunderte kongolesische Flüchtlinge gegen gekürzte Lebensmittelrationen protestiert. Am Donnerstag setzten ruandische Polizisten zunächst Tränengas gegen etwa 700 Demonstranten ein, anschließend schossen sie scharf in die Menge, berichtet das Flüchtlingshilfswerk (UNHCR).

Die Polizei erklärte dazu, die Flüchtlinge hätten die Sicherheitskräfte mit Stöcken, Steinen und Metallteilen angegriffen und mehrere Beamte verletzt. Man habe die Flüchtlinge daran erinnert, dass eine "Störung der öffentlichen Ordnung inakzeptabel" sei.

Eine UNHCR-Sprecherin in Genf verurteilte hingegen die "unangemessene Gewaltanwendung gegen verzweifelte Flüchtlinge". Man sei "schockiert" und bedauere, dass "unsere andauernden Appelle, Zurückhaltung zu üben, nicht gehört wurden".

In dem betroffenen Lager Kiziba mit rund 17.000 Flüchtlingen waren die Lebensmittelrationen wegen ausbleibender Finanzierung zuletzt um 25 Prozent reduziert worden. Insgesamt beherbergt das zentralafrikanische Ruanda 170.000 Flüchtlinge. Davon stammen 75.000 aus der Demokratischen Republik Kongo, die vor der zunehmenden Gewalt ostkongolesischer Milizen und der Armee des Landes geflohen sind.

Ruanda steht als Gastgeberland für Flüchtlinge in öffentlichen Fokus, weil Israel mehrere als 30.000 Flüchtlinge aus Eritrea und dem Südsudan dorthin abschieben möchte. Nachdem Israel den Plan Ende 2017 publik machte, dementierte Ruanda zwar die Aufnahme. Israelische Medien berichteten aber, das Land habe auch in der Vergangenheit bereits afrikanische Flüchtlinge aus Israel aufgenommen.



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