Rücktritt als Gouverneurin Sarah Palin strebt nach Höherem

Sarah Palin will es offenbar wissen: Die frühere Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft tritt als Gouverneurin von Alaska zurück. Damit verschafft sie sich die Möglichkeit, in der Bundespolitik eine führende Rolle einzunehmen - womöglich die Spitzenkandidatur der Republikaner 2012.


Wasilla - Sarah Palin ist als Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska zurückgetreten. Ein Sprecher erklärte am Freitagnachmittag, Palin werde ihr Amt zum 26. Juli niederlegen und nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Ihr Stellvertreter Sean Parnell übernimmt das Amt am Ende des Monats.

"Sie glaubt, dass sie die Ziele erreicht hat, die sie sich gesetzt hatte", zitiert der Fernsehsender CNN eine Quelle aus dem Umfeld der Gouverneurin. "Sie sieht den positiven Einfluss, den sie auf die Menschen hatte, als sie im vergangenen Jahr durch das Land gereist ist."

Sarah Palin war 2008 als Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner an der Seite von Senator John McCain angetreten. Sie wurde damals innerhalb kürzester Zeit von einer fast völlig unbekannten Politikerin zur umstrittensten Person in den USA.

Palins Amtszeit in ihrer Heimat Alaska hätte 2010 geendet. Ihr Verzicht auf eine Wiederwahl nährt nun erneut Gerüchte, wonach sie 2012 für das höchste Amt der USA kandidieren könnte. So jedenfalls interpretierten einige ihre flotte Bemerkung von Ende Oktober: "Ich mache dies ja nicht umsonst." Ihr Sprecher dementierte damals sofort. Dabei war dennoch klar: Wenn Sarah Palin tatsächlich ins Rennen um das Weiße Haus einzieht, ließe sich das nicht mit ihrer Position als Gouverneurin vereinbaren.

Zu den Spekulationen angesichts ihres plötzlichen Rücktritts äußerte sich Palin bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in ihrem Haus in Wasilla, Alaska, am späten Freitagabend nicht. Sie sagte jedoch, sie könne außerhalb ihres Gouverneurpostens "effektiver für Alaska arbeiten", ohne dabei Einzelheiten zu nennen.

"Wir ziehen uns nicht zurück, sondern schreiten in eine andere Richtung voran", sagte Palin. Zugleich erklärte sie, mehr Zeit mit ihrem jüngsten Kind verbringen zu wollen, das 2008 mit Down-Syndrom geboren wurde.

Selbst der designierte Gouverneur Sean Parnell sagte, er sei überrascht gewesen, als er am Mittwochabend davon in Kenntnis gesetzt wurde. Er wisse nicht, ob die Entscheidung mit Ambitionen auf das Präsidentenamt zusammenhänge.

US-Kommentatoren nannten weitere potentielle Motive für Sarah Palins Rückzug: Möglicherweise wolle sie einen hochbezahlten Job in der Privatwirtschaft übernehmen oder sich bei den Wahlen im kommenden Jahr um einen Sitz im Senat in Washington bewerben.

can/Reuters/AP/dpa



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