Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rüstung: Arabische Aufstände lassen britische Waffenexporte boomen

Die Regime in Nordafrika und Nahost kämpfen gegen Revolten - und setzen dabei auch auf Waffen "made in the UK". Laut einem Bericht der "Times" schnellte der britische Rüstungsexport in die Region zuletzt deutlich in die Höhe.

Niederschlagung der Proteste in Bahrain (Archivbild): Britische Waffen für Diktatoren? Zur Großansicht
DPA

Niederschlagung der Proteste in Bahrain (Archivbild): Britische Waffen für Diktatoren?

Hamburg/London - Die britische Waffenindustrie könnte vom blutigen Einsatz der arabischen Regime gegen Demonstranten massiv profitiert haben. Wie die britische " Times" am Montag mit Verweis auf eigene Recherchen berichtet, sind Großbritanniens Rüstungsexporte seit dem Ausbruch der Unruhen nach oben geschnellt. Der Zeitung zufolge stieg das Geschäftsvolumen der Branche mit politisch instabilen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas seit dem Höhepunkt der Revolten um knapp 30 Prozent.

Die "Times" rechnet den Exportboom von Kriegsgerät "made in the UK" wie folgt vor: Zwischen den Monaten Februar und Juni 2011 seien Waffen im Wert von 30,5 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 34 Millionen Euro) in jene Regionen exportiert worden. Unter den Lieferadressen seien Libyen, Bahrain oder Saudi-Arabien gewesen. In allen Ländern hatte es Proteste und Revolten gegeben, die teilweise verboten oder gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Im selben Zeitraum des Vorjahres hätten Großbritanniens Waffenschmieden Rüstungsmaterial im Wert von 22,2 Millionen Pfund (umgerechnet 25 Millionen Euro) in diese Region geliefert - das wäre knapp ein Drittel weniger.

Tränengas nach Bahrain, Granaten nach Jordanien

Der "Times" zufolge seien auch Waffen geliefert worden, die dazu verwendet werden können, Aufstände niederzuschlagen: etwa Pistolen und Maschinengewehre.

  • Demnach wurden mehr als 600 Ausfuhrgenehmigungen in instabile Regionen aufrechterhalten, etwa nach Bahrain, in den Jemen und nach Ägypten.
  • Außerdem, so schreibt die "Times", bewillige London nach wie vor den Export von Handfeuerwaffen und Munition nach Bahrain.
  • Im Februar hatten Frankreich und Deutschland ihre Rüstungsexporte nach Ägypten vorübergehend gestoppt. Britische Waffensendungen im Wert von mehr als drei Millionen Pfund blieben laut "Times" jedoch bestehen.
  • Drei Wochen nachdem der König von Bahrain den Notstand im Golfstaat ausgerufen hatte, sei noch eine Ladung mit Rüstungsgütern auf den Weg gebracht worden, heißt es weiter.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung in London wegen fragwürdiger Rüstungsbeziehungen in die Kritik gerät. Ein parlamentarischer Bericht hatte Anfang des Jahres vermerkt, dass britische Rüstungskonzerne Kampfhubschrauberteile nach Algerien, Tränengas nach Bahrain oder Handgranaten nach Jordanien geliefert hatten. Die Tageszeitung "The Guardian" enthüllte Ende Mai, dass britische Militäreinheiten schon seit Jahren an Saudi-Arabien ausgeliehen werden, um dort Elitesoldaten auszubilden und mit Waffen zu versorgen.

Fünftgrößter Waffenlieferant

London hatte laut "Times" im Februar versprochen, die Rüstungsbeziehungen mit fragwürdigen Regimen auf den Prüfstand zu stellen. Dutzende Handelsverträge seien anschließend aufgekündigt worden.

Die neuen Zahlen legen allerdings nahe, dass der Waffenhandel mit diktatorischen Systemen weiterhin boome. Der Vorsitzende des Entwicklungshilfeausschusses im Parlament, Malcolm Bruce, sagte der Zeitung: Ein Regime wie Bahrain mit Waffen zu versorgen stünde "in krassem Widerspruch" zur offiziellen Klage, dass die Proteste gewaltsam niedergeschlagen würden. Das britische Außenministerium erklärte am Montag, man exportiere kein Rüstungsmaterial in Länder, deren Regierungen die Waffen zur Verletzung von Menschenrechten nutzen würden.

Großbritannien landet im Ranking der weltweit größten Waffenlieferanten auf dem fünften Platz - hinter den USA, Russland, Deutschland und Frankreich. Auch deutsche Rüstungsgeschäfte mit zweifelhaften Regimen wie Ägypten, Jemen und Saudi-Arabien waren im Zusammenhang mit den arabischen Revolutionen scharf kritisiert worden. Zuletzt war der milliardenschwere "Leopard"-Deal mit Saudi-Arabien in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.

Über deutsche Waffenexporte wird öffentlich nur im jährlichen Rüstungsexportbericht Auskunft gegeben. Der nächste Report wird Ende des Jahres erwartet.

amz

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Genau meine Rede !
leser_81 29.08.2011
Das ist doch genau das was ich auch immer sage ! Wir vermasseln uns gute Geschäfte und gute Gewinne in dem wir "moralische Bedenken" gegen Waffenlieferungen in diese Region haben und andere Länder wie die England lacht sich ins Fäustchen und hat die Profite. Deutschland rettet die Welt nicht ! Wir alleine machen die Welt auch nicht friedlicher ! Solange es Kriesen und Kriege gibt, werden Waffen benötigt. Und wenn ein Land in der Lage ist diese zu Bezahlen wird es auch irgend ein Land geben dass diese Waffen liefert und Vorteile davon hat. Warum sollen wir es denn nicht sein. Ob mit russischen AK's, Amerikanischen M16 oder AR 15, Belgischen FNNFAL, Türkischen Nachbauten von G3's oder deutschen G36 geschossen wird ist doch egal.
2. na klar...
morini 29.08.2011
Zitat von leser_81Das ist doch genau das was ich auch immer sage ! Wir vermasseln uns gute Geschäfte und gute Gewinne in dem wir "moralische Bedenken" gegen Waffenlieferungen in diese Region haben und andere Länder wie die England lacht sich ins Fäustchen und hat die Profite. Deutschland rettet die Welt nicht ! Wir alleine machen die Welt auch nicht friedlicher ! Solange es Kriesen und Kriege gibt, werden Waffen benötigt. Und wenn ein Land in der Lage ist diese zu Bezahlen wird es auch irgend ein Land geben dass diese Waffen liefert und Vorteile davon hat. Warum sollen wir es denn nicht sein. Ob mit russischen AK's, Amerikanischen M16 oder AR 15, Belgischen FNNFAL, Türkischen Nachbauten von G3's oder deutschen G36 geschossen wird ist doch egal.
...wenn ich es nicht mach, macht es ein Anderer. An dieser Denke wird die Welt irgendwann zu Grunde gehen.
3. Waffen "made in the UK".
lizard_of_oz 29.08.2011
Das ist eine gute und bewährte Methode, die Verluste zu senken. Denn britische Sturmgewehre beispielsweise mit ihrem Bullpupmagazin sehen nicht nur bescheiden aus, sie sind obendrein auch noch extrem Sandanfällig. Und da sie als Hochpräzissionswaffen entsprechend kleine Toleranzen haben, klemmen die Krüppel beim ersten oder zweiten Sandkörnchen. Das Visier ist zwar toll auf große und mittlere Distanzen, aber völlig unbrauchbar im Nahkampf und da die keine Kimme mehr haben, gibt es dann ein kleines Problemchen gegen Angreifer mit AK74 o.ä.. Ach ja, Linkshänder können deren aktuelles Sturmgewehr nicht nutzen und müssen umlernen. http://de.wikipedia.org/wiki/SA80 Selbst bei Battlefield 2 war die Knarre irgendwie Mist, mal schießt sie präziser als ein Scharfschützengewehr, dann in Richtung Mond aus 15 Metern Entfernung. Das ist zwar nur eine Simulation, aber das mit dem miesen Visier lässt sich sofort nachvollziehen. Und das sind nur die bekannten Macken britischer Waffen. Wer die dennoch kauft, tut dies auf Basis völlig falscher Beratung. Gut für uns, wenn die den ganzen Müll bei HK neu kaufen müssen, falls sie ihn je einsetzen wollen. Da können die Briten sogar noch besser kochen, als Plempen bauen.
4. Demokratie made by "zivilisierte Welt"
handknauf 29.08.2011
Zitat von sysopDie Regime in Nordafrika und Nahost kämpfen gegen Revolten - und setzen dabei auch auf Waffen "made in the UK". Laut einem Bericht der "Times" schnellte der britische Rüstungsexport in die Region zuletzt deutlich in die Höhe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,783036,00.html
Das schlimme sind ja nicht nur die Waffenexporte, sondern die Maßnahmen die dazu führen das diese irgendwann zum Einsatz kommen. In dem man zum Beispiel radikale Elemente in einem Land finanziell unterstützt. Oder sich aktiv an Korruption und Vetternwirtschaft beteiligt die ebenfalls zu Instabilitäten führen.
5. Wieso sollte diese Welt daran zugrunde gehen?
Gandhi, 29.08.2011
Zitat von morini...wenn ich es nicht mach, macht es ein Anderer. An dieser Denke wird die Welt irgendwann zu Grunde gehen.
Charakterlose Gesellen gab es schon immer und wird es immer geben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: