Waffenexporte Amerika rüstet die Welt auf

Die Waffenexporte aus den USA haben sich im vergangenen Jahr verdreifacht und damit einen Rekordwert erreicht. Laut einem Kongressbericht stammen weltweit drei Viertel aller Rüstungslieferungen aus Amerika, der Großteil geht in den Nahen Osten.

AP

Washington - Amerikanische Rüstungsfirmen haben im vergangenen Jahr mehr Geld mit Waffenexporten verdient denn je. Nach einem Bericht des US-Kongresses hat sich der Wert der US-Rüstungslieferungen 2011 verdreifacht.

66,3 Milliarden Dollar nahmen die Firmen demnach aus Waffenlieferungen ins Ausland ein - im Vorjahr lag die Summe bei 21,4 Milliarden Dollar, wie die "New York Times" unter Berufung auf das Kongress-Dokument berichtet. Das sei der höchste Jahreswert aller Zeiten. Der Parlamentsbericht spricht von einem "außergewöhnlichen Anstieg".

Damit hätten die US-Firmen den globalen Waffenmarkt im Jahr 2011, der auf 85,3 Milliarden Dollar taxiert wurde, zu drei Vierteln beherrscht. Abgeschlagen dahinter liege Russland mit exportierten Waffen im Wert von 4,8 Milliarden Dollar. Auf Platz drei dürfte Deutschland liegen, auch wenn die Bundesrepublik im Bericht der "New York Times" nicht einzeln aufgeführt wird.

Vor allem der Konflikt mit Iran hat den globalen Waffenmarkt angefacht. Mehrere arabische Staaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman kauften mehr Waffen denn je aus Washington. Da diese Staaten nicht direkt an Iran grenzen, kauften sie vor allem teure Kampfjets und Raketenabwehrsysteme, so die "New York Times".

  • Saudi-Arabien kaufte unter anderem 84 neuartige F-15-Jets und Aufrüstungen für 70 Flieger der bestehenden F-15-Flotte. Daneben verkauften US-Firmen Dutzende Apache- und Black-Hawk-Helikopter an die Regierung in Riad. Insgesamt kauften die Saudis Rüstungsgüter im Wert von 33,4 Milliarden Dollar.
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate erwarben einen Anti-Raketen-Schirm für 3,5 Milliarden Dollar sowie 16 Chinook-Helikopter im Wert von 939 Millionen Dollar.
  • Das Sultanat Oman kaufte aus den USA 18 F-16-Flieger im Wert von 1,4 Milliarden Dollar.

Die amerikanische Politik verfolgt das Ziel, die Rivalen Irans mit einem regionalen Raketenabwehrschirm auszustatten, der Städte, Ölraffinerien und -pipelines sowie Militärbasen gegen einen möglichen Angriff aus Teheran schützt.

Auch außerhalb der arabischen Halbinsel machten US-Waffenfirmen gute Geschäfte. Indien kaufte C-17-Transportflugzeuge im Wert von 4,1 Milliarden Dollar. Nach Taiwan verkauften die Amerikaner für zwei Milliarden Dollar Anti-Raketen-Geschütze - was die Regierung in Peking erboste.

Der Bericht wird jährlich vom überparteilichen Congressional Research Service erstellt, er gilt als detaillierteste Auflistung von öffentlich zugänglichen Daten zu Waffenexporten. Um das Geschäftsvolumen mit den Vorjahren zu vergleichen, legten die Forscher den Dollarwert des Jahres 2011 zugrunde, die Geldbeträge anderer Jahre wurden also der Inflation angepasst.

fab

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insgesamt 129 Beiträge
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Bundeskanzler20XX 27.08.2012
1. An die Zukunft denken
Zitat von sysopAPDie Waffenexporte aus den USA haben sich im vergangenen Jahr verdreifacht und damit einen Rekordwert erreicht. Laut einem Kongressbericht stammen weltweit drei Viertel aller Rüstungslieferungen aus Amerika, der Großteil geht in den Nahen Osten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852229,00.html
So stellt Amerika sicher auch in Zukunft genug zum Abschießen und damit den eigenen kauf neuer Waffensysteme zu haben. Das schmiert die US-Wirtschaft weit mehr als die paar Waffennarren im eigenen Land.
kabian 27.08.2012
2. Sanierung des Haushaltsdefizites
Amerika, wie jetzt auch Deutschland mit seinen Panzern, versuchen nur ihren Haushalt wieder in Ordnung zu bringen. Das wurde in der Vergangenheit auch schon öfter erfolgreich praktiziert. Und wenn das gelungen ist, wird über "die anderen" gemosert, die ja kein Gewissen haben und sooooo undemokratisch sind.
vollautovolker 27.08.2012
3.
Also, es geht um defensiv Waffen und Transportflieger, Waffen im eigentlichen Sinn haben nur die Saudis gekauft, und auch gleich genug um das diesjährige Ergebnisse zu erzielen. Aber Hauptsache Empörung! Und Deutschland wird ohne Anhaltspunkte auf Platz 3 hinein spekuliert. Da könnte genausogut England, Frankreich oder China stehen...
joha0412 27.08.2012
4. Wie sagte doch
der Friedensbringer George Bush: die USA ist der Garant für die friedliche Demokratisierung der Welt. Und darum ist unsere Welt so friedlich und unsere Zukunft liegt so rosig vor uns. Im Namen Gottes und der USA.
Clausibel 27.08.2012
5.
Zitat von sysopAPDie Waffenexporte aus den USA haben sich im vergangenen Jahr verdreifacht und damit einen Rekordwert erreicht. Laut einem Kongressbericht stammen weltweit drei Viertel aller Rüstungslieferungen aus Amerika, der Großteil geht in den Nahen Osten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852229,00.html
Dafür hat Deutschland immerhin 100 Schlagstöcke an Weißrussland geliefert, was die Sache doch stark relativiert: Weißrussland: Deutschland soll Polizei Ausrüstung geliefert haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/a-852200.html) Wer Ironie findet, darf sie behalten.
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