Historisches Urteil in Rumänien Erstmals muss kommunistischer Folterer ins Gefängnis

Mehr als 25 Jahre sind seit dem Sturz des kommunistischen Regimes in Rumänien vergangen. Nun muss erstmals ein früherer Verantwortlicher wegen Folter ins Gefängnis.

Verurteilter Visinescu: Keine Reue, kein Bedauern
AP/dpa

Verurteilter Visinescu: Keine Reue, kein Bedauern


Alexandru Visinescu ist 90 Jahre alt. Den Rest seines Lebens muss er im Gefängnis verbringen, denn Rumäniens Oberster Gerichtshof hat den Mann wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Visinescu hatte von 1956 bis 1963 die gefürchtete Haftanstalt Ramnicu Sarat im Osten des Landes geleitet. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er dort ein "Vernichtungsregime" führte. Politische Häftlinge wurden systematisch misshandelt und bestraft: Sie saßen in Einzelhaft, hungerten und wurden geschlagen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kamen mindestens 14 Gefangene unter der Aufsicht von Visinescu ums Leben.

Die Verteidigung hatte argumentiert, es gebe "keine Beweise" dafür, dass Visinescu die Absicht gehabt habe, Menschen über das geltende Recht hinaus Schaden zuzufügen. Auch der Angeklagte selbst hatte stets beteuert, lediglich "Befehle ausgeführt" zu haben. Bedauern oder Reue äußerte er nicht.

Wegen ähnlicher Vorwürfe steht auch der 87-jährige Ion Ficior vor Gericht, ehemals Kommandant des Straflagers Periprava. Die Prozesse stützen sich auf Recherchen des Bukarester Instituts zur Erforschung der Verbrechen des Kommunismus (IICCMER). Das Institut will mehr als 30 weitere mutmaßliche kommunistische Folterer vor Gericht bringen.

Während der kommunistischen Herrschaft in Rumänien wurden zwischen 1947 und 1989 Schätzungen zufolge mehr als 600.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Der Diktator Nicolae Ceausescu, der das Land von 1965 bis zu seinem Tod führte, und seine Frau Elena wurden nach dem Umsturz 1989 hingerichtet.

syd/AFP/dpa



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