Proteste in Rumänien Präsident Iohannis verurteilt Polizeigewalt

Am Rande einer Großdemo gegen die rumänische Regierung in Bukarest sind mehr als 400 Menschen verletzt worden. Staatspräsident Klaus Iohannis nennt das Vorgehen der Polizei "völlig unverhältnismäßig".


Zehntausende Menschen haben am Freitagabend in Rumänien gegen die Regierung demonstriert. In der Hauptstadt Bukarest setzte die Polizei Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Ärzte mussten mindestens 440 Menschen versorgen.

Staatspräsident Klaus Iohannis verurteilte die aus seiner Sicht übermäßige Polizeigewalt. "In einer echten Demokratie hat jeder das Recht zu demonstrieren, doch ist Gewalt - unabhängig von den politischen Ansichten - inakzeptabel", schrieb der bürgerliche Politiker auf seiner Facebook-Seite. Das Vorgehen der Polizei gegen die Protestierenden in Bukarest sei "gemessen am Verhalten der Mehrheit der Demonstranten völlig unverhältnismäßig" gewesen.

Die Menge in Bukarest rief Parolen wie "Gerechtigkeit statt Korruption!" und verlangte den Rücktritt der von den Sozialdemokraten geführten Regierung. Außerdem forderten sie die Rücknahme jüngst beschlossener Gesetze, die prominente Politiker vor Strafverfolgung wegen Korruption schützen sollen.

Zu den Märschen aufgerufen hatten erstmals Auslandsrumänen, von denen viele den Sommer in der Heimat verbringen. Sie hatten sich über soziale Netzwerke verabredet und für die Proteste geworben.

In Bukarest hatten sich auch vermummte, gewaltbereite Demonstranten unter die Menge gemischt. Ein paar Dutzend Vermummte versuchten, den Regierungssitz zu stürmen. Unter den Verletzten waren auch 24 Polizisten. Die Polizei nahm 33 Personen fest und erstattete gegen acht von ihnen Strafanzeige.

Auch in anderen rumänischen Städten gingen Tausende auf die Straße, so etwa in Timisoara (Temeswar), Sibiu (Hermannstadt), Brasov (Kronstadt) und Cluj-Napoca.

Der Vorsitzende der oppositionellen Mitte-Rechts-Partei PNL, Ludovic Orban, warf der Regierung vor, gewalttätige Provokateure unter die Demonstranten eingeschleust zu haben, um letztere zu diskreditieren. Die mutmaßlichen Provokateure seien aus der Szene der Fußball-Hooligans rekrutiert worden.

In die Zusammenstöße geriet auch ein Kamerateam des österreichischen Fernsehens ORF. Wie der vor Ort anwesende Korrespondent Ernst Gelegs in der Nachrichtensendung "ZIB 24" berichtete, misshandelten Polizisten seinen Kameramann mit Schlagstöcken. Ihn selbst drückten Beamte mit Schutzschildern gegen eine Mauer.

syd/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.