Rumänien Zehntausende demonstrieren gegen Korruption

Erneut sind in Rumänien Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption zu protestieren. Gastarbeiter im Heimaturlaub hatten zu den Demonstrationen aufgerufen.


Zehntausende Menschen haben in Rumänien gegen die Regierung demonstriert. Allein in der Hauptstadt Bukarest gingen nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax mindestens 20.000 Menschen auf die Straße. Sie brachten ihren Unmut über die aus ihrer Sicht von der sozialliberalen Regierung geförderte Korruption zum Ausdruck. Vor dem Regierungssitz setzte die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten ein, mehrere von ihnen wurden festgenommen.

Auch in anderen Städten des Landes gingen viele Tausende auf die Straße. In Cluj-Napoca waren es laut Mediafax 10.000, in Sibiu (Hermannstadt) 5000, in Brasov (Kronstadt) 2000 und in Timisoara (Temeswar) 2000. Sie riefen Parolen gegen die Sozialdemokraten (PSD), die die Regierung von Viorica Dancila dominieren.

Zu den Demonstrationen aufgerufen hatten diesmal rumänische Gastarbeiter, die ihren Urlaub in der Heimat verbringen und sich über soziale Netzwerke abgesprochen hatten. Die Proteste gegen die von den Sozialdemokraten geführte Regierung dauern seit Monaten an.

Proteste in der rumänischen Hauptstadt
DPA

Proteste in der rumänischen Hauptstadt

Abgeordnetenhaus beschließt Änderung zugunsten korrupter Politiker

Kritiker werfen ihr vor, zu versuchen, die Gesetze zur Bekämpfung der Korruption aufzuweichen und die Arbeit der Strafbehörden zu behindern. Anfang Juli hatte das rumänische Abgeordnetenhaus Änderungen des Strafrechts beschlossen, die korruptionsverdächtigen Politikern zugute kommen. Die EU-Kommission hatte vor neuen Reformen dieser Art gewarnt.

Anfang Juli war die angesehene Sonderstaatsanwältin Laura Kövesi auf Betreiben der Regierung entlassen worden. Sie hatte zahlreiche Politiker der Korruption überführt und ins Gefängnis gebracht.

Der mächtige PSD-Chef Liviu Dragnea, als dessen Marionette Dancila gilt, kann derzeit nicht Ministerpräsident werden, weil er wegen Wahlmanipulationen vorbestraft ist. Er ist zudem in erster Instanz wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch verurteilt worden.

ans/dpa



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sungawakan1969 10.08.2018
1. Deutsche
Ortsnamen. Bitte zuerst die deutschen Ortsnamen nennen und dann erst die rumänischen, wenn überhaupt. Viele dieser genannten Städte wurden von Deutschen gegründet und daher ist der deutsche Name der ursprüngliche.
hansriedl 11.08.2018
2. Es ist an der Zeit,
das die europäischen Sozialdemokraten die PSD aus ihrer Gruppe ausschliessen! PSD setzt darauf, dass die Demonstranten irgendwann aufgeben - haltet durch Rumänen, das Land ist so schön, last es euch nicht stehlen! Es geht um eure Zukunft.
Beijinger 11.08.2018
3. Rumänien
hat ja eine lange Geschichte mit Dracula, dem Blutsauger. Diese setzen die Regierungsmitglieder fort, anstelle von Blut saugen sie Geld. Mögen sie alle daran ersticken, diese Möchtegern-Draculas.
hippie.jonny 11.08.2018
4.
Es hat sich doch gerade in den letzten etwas getan: Johanis und sie Korruptionsbeauftragte. Es hat gerade angefangen, sich zu bessern, je mehr jetzt mitmachen, desto besser. Es braucht eine neue regierung mit einer neuen Partei, die durch die EU unterstützt wird und vor allem eins beschwört: die Korruptionsbekämpfung, mit allen Konsequenzen, in allen Instanzen und vor allem per Gesetzen, die die Justiz schützen und ncith einfach ausgesetzt werden können. Und es braucht Zeit, einen 10-Jahres-Plan!
P-Schrauber 11.08.2018
5. Komischner zeitgleicher Zufall
In anderen Pressemedien (unter anderem die FAZ, Welt und FOCUS) wurde Osteuropa im Zusammenhang mit Kindergeldbetrug gezielt genannt und jetzt die spontane Demonstration der im Ausland arbeitenden Rumänen gegen Korruption ein Schalk wer da nicht in Zusammenhängen denkt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.