Flüchtiger Kriegsverbrecher: Ohne Stiefel auf Kony-Jagd

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Die Jagd nach Joseph Kony verkommt zur Farce. Keine Stiefel, keine Unterkünfte, keine Essensrationen - die afrikanische Sondereinheit, die den ugandischen Kriegsverbrecher fassen soll, ist katastrophal ausgestattet. Die Uno fordert eine sofortige Verbesserung der Ausrüstung.

Ugandischer Kriegsverbrecher: Auf der Jagd nach Joseph Kony Fotos
AFP

Kampala/New York - Es ist eine Endlos-Jagd, die sich die Soldaten mit dem selbsternannten General Gottes, Joseph Kony, im Dschungel von Zentralafrika liefern. Doch sie bekommen den ugandischen Kriegsverbrecher, in dessen Auftrag gemordet, vergewaltigt und Kinder entführt werden, einfach nicht zu fassen.

Dabei sind nicht nur US-Eliteeinheiten seit Monaten hinter dem per internationalen Haftbefehl gesuchten Rebellenchef her, sondern auch bis zu 5000 Soldaten der Afrikanischen Union (AU). Nur macht es diese Sondereinheit Kony sehr leicht, sie ist bisher nicht mehr als eine Rumpftruppe.

"Diesen Soldaten fehlt es an allem: Sie haben keine Stiefel, keine Uniformen, keine Nahrungsrationen und manchmal fehlt ihnen sogar die Ausbildung", sagt Francisco Madeira, AU-Gesandter. Er ist für Kony und seine berüchtigte "Widerstandsarmee des Herrn" ("Lord's Resistance Army"), kurz LRA, zuständig. Zudem käme es auf die "moralische Integrität" der Männer an. "Die Soldaten müssen so ausgebildet sein, dass sie im Dienst der Menschen handeln und nicht für sich", so Madeira.

"Nicht später als Dezember 2012"

Noch im März hatten Uno und Afrikanische Union den umfangreichen Militäreinsatz als großen Fortschritt präsentiert: Soldaten aus Südsudan, Zentralafrika, Uganda und dem Kongo - den Ländern, die unter Konys Grausamkeiten am meisten gelitten haben - sollen den Kriegsverbrecher endlich dingfest machen.

Wenige Monate später ist von den großen Ankündigungen und dem Elan nichts mehr zu spüren: Zwar hätten die vier Länder vereinbart, die Soldaten bereitzustellen, sagt Abou Moussa, Sonderbeauftragter und Leiter des Regionalbüros der Vereinten Nationen für Zentralafrika. Aber das Problem sei, die Truppe nicht nur aufzubauen, sondern auch zu erhalten.

Deshalb schlägt der Uno-Vertreter nun Alarm. In einem Strategiepapier für den Sicherheitsrat heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters: Die Uno-Länder sollen alles dafür tun, dass die afrikanische Sondertruppe "so schnell wie möglich ordentlich ausgestattet wird - nicht später als Dezember 2012".

Die Zeit ist knapp. Die Liste der benötigten Ausrüstung lang, es fehlt praktisch an allem: Büros, Unterkünfte, medizinische Versorgung, Benzin, Essensrationen, Kommunikationsanlagen und Flugzeuge.

Bereits Mitte des Monats hatte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Unterstützung der AU-Einheit im Kampf gegen Konys Rebellentruppe aufgerufen. Nur mit der richtigen Ausstattung könne die LRA effektiv bekämpft werden.

Phantom Kony

Seit 26 Jahren terrorisiert Kony mit seiner Armee die Menschen auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratkilometern in den Urwäldern zwischen Uganda, Zentralafrika, dem Kongo und dem Süden des Sudan. Zeitweise soll er mehrere tausend Männer, Frauen und Kinder unter Waffen gehabt haben, mittlerweile sind es nur noch einige hundert. Angeblich soll sich der Rebellenchef derzeit an der Grenze zwischen Zentralafrika und Süddafur aufhalten. Belege dafür gibt es aber nicht, er bleibt ein Phantom.

Auch die US-Truppen, die Präsident Barack Obama im vergangenen Oktober in die Region entsandte, haben bisher wenig im afrikanischen Urwald bewirkt. Die Eliteeinheiten helfen den dortigen Armeen, ihre Soldaten für den Kampf gegen die Rebellen auszubilden. Es ist ein mühsames Unterfangen, zumal den Amerikanern die Hightech-Ausrüstung im Dschungel kaum nützt. Immerhin, so lobt die Uno, habe die Mission es geschafft, einige Soldaten aus Zentralafrika und dem Kongo in den Einsatz zu schicken.

Die Bilanz der Kony-Jagd bleibt trotzdem mäßig. Große Hoffnungen, den Rebellenchef in näherer Zukunft zu fassen, haben selbst die Vereinten Nationen nicht. Ihre Bilanz fällt nüchtern aus: Auch trotz der größeren Öffentlichkeit durch eine weltweite Internetkampagne der US-Organisation Invisible Children wütet Kony weiter. Allein in den vergangenen drei Jahren hat er rund 600 Kinder entführt, zu Killern gedrillt oder zu Sklaven gemacht.

Mit Material von Reuters und AP

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1. Gute Idee
G2c 28.06.2012
Zitat von sysopDie Jagd nach Joseph Kony verkommt zur Farce. Keine Stiefel, keine Unterkünfte, keine Essensrationen - die afrikanischen Sonderheit, die den ugandischen Kriegsverbrecher fassen soll, ist katastrophal ausgestattet. Die Uno fordert eine sofortige Verbesserung der Ausrüstung. Rumpf-Truppe jagt ugandischen Rebellenchef Joseph Kony - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,841275,00.html)
jedoch werden 1. Die UN-Mittel nie an ihrem Ziel ankommen, sondern vorher versickern. 2. Sollte ein Wunder geschehen und die UN-Mittel tatsächlich ankommen, so werden die damit erworbenen Ausrüstungsgegenstände umgehend verscherbelt, womit wir wieder am Ausgangpunkt wären ...
2. Desinformation?
DasPeterchen 28.06.2012
Kony ist schon lange nicht mehr da. Andere "Konys" in der 3. Welt können ebenfalls weiterhin ihr Unwesen treiben und niemanden schert es. Das ganze is doch schon längst als Coup widerlegt um die US-Armee weiter in Afrika expandieren zu lassen, wie immer wenn es angeblich um "Menschenrechte" oder (noch verlogener) um Kinderrettung geht. Überall im alternativen Web kann man lesen worum es eigentlich geht: Öl. http://www.youtube.com/watch?v=7aaH6fX3XT8
3. Kony?
lügendetektor73 28.06.2012
Dieser Osama bin Kony? Dieser schreckliche Terrorist, der sofort nach dem (angeblichen) Ableben Bin Ladens als neuer Poltergeist die Freiheit der westlichen Welt gefährdet? Oder geht es wieder einmal mehr nur ums Öl und Africom und und und!! Syrien, Libyen, Irak, Afghanistan und jetzt Zentralafrika... Wer diesen Kriegstreibern (USA, GB, Frankreich, etc.) noch irgendetwas glaubt ist selbst Schuld. Mir tut nur die Zivilbevölkerung jetzt schon leid, die werden ohne Rücksicht auf Verluste verheizt!
4. Fass ohne jeden Boden
leser008 28.06.2012
Zitat von G2cjedoch werden 1. Die UN-Mittel nie an ihrem Ziel ankommen, sondern vorher versickern. 2. Sollte ein Wunder geschehen und die UN-Mittel tatsächlich ankommen, so werden die damit erworbenen Ausrüstungsgegenstände umgehend verscherbelt, womit wir wieder am Ausgangpunkt wären ...
Soweit ich weiss bekommen die Truppensteller bei solchen int. Aktionen pauschal Geld pro Soldat bezahlt. Da ist die Versuchung gross, die Luschen abzugeben und mit schlechter Ausrüstung loszuschicken. Den Unterhalt und support müsste eigentlich die afr. Union, nicht die UN übernehmen. Wenn ich sehe, wie die UN hier in Bonn die das Geld raushaut, wäre da schon genug da. Aber wie sie schreiben, das kommt doch nie an.
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