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Rumsfeld schockiert Frankreich: Franzosen "zutiefst beleidigt"

Mit seinen jüngsten Äußerungen hat Donald Rumsfeld die Franzosen in Rage gebracht. Der US-Verteidigungsminister hatte Frankreich und Deutschland als "Problem" bezeichnet und auf das "alte Europa" geschimpft. Die Antwort aus Frankreich kam prompt.

Macht sich in Europa unbeliebt: Verteidigungsminister Rumsfeld
REUTERS

Macht sich in Europa unbeliebt: Verteidigungsminister Rumsfeld

Paris - Regierung und Opposition in Frankreich wiesen die amerikanische Kritik an der ablehnenden Haltung Frankreichs und Deutschlands gegen einen raschen Militärschlag im Irak entschieden zurück. Die Bemerkung des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld über das "alte Europa" habe ihn "zutiefst beleidigt", sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer heute im französischen Fernsehsender LCI.

Die sozialistische Opposition kritisierte nach den Worten der früheren Arbeitsministerin Martine Aubry die "Arroganz der USA", die "die Welt mit immer weniger Regeln allein regieren" wollten. Umweltministerin Roselyne Bachelot antworte Rumsfeld indirekt mit einem Schimpfwort. "Ich verweise auf den berühmten Cambronne", sagte sie im Rundfunk. Der bei Waterloo verletzte französischen General Cambronne hatte die Aufforderung zur Kapitulation mit dem Ausruf "Merde!" ("Scheiße!") zurückgewiesen. (Dieser Ausruf erlangte nicht weniger Berühmtheit als Cambronnes trotzige Ansage: "Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht!")

Auch aus Deutschland kommt Kritik an Rumsfeld: Der SPD-Außenpolitiker Hans Ulrich Klose hat die Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als "ungehörig" bezeichnet. Die Amerikaner sollten nicht versuchen, die Europäer zu spalten - in gute und nicht so gute, sagte Klose heute zu Beginn einer gemeinsamen Sitzung der Auswärtigen Ausschüsse Deutschlands und Frankreichs in Berlin.

Deutschland und Frankreich hatten am Vortag deutlich ihre Opposition gegen einen raschen Militärschlag im Irak erklärt. Der französische Präsident Jacques Chirac forderte bei einem gemeinsamen Fernsehinterview mit Bundeskanzler Gerhard Schröder als Voraussetzung einer Militäraktion eine neue Entschließung des Uno-Sicherheitsrates.

Auch China stellte sich jetzt auf die Seite der beiden Staaten. Die Volksrepublik, die wie Frankreich ein Veto-Recht im Weltsicherheitsrat besitzt, forderte, dass alles getan werden müsse, um einen Irak-Krieg zu vermeiden. "Ich denke, unsere Position ist der Frankreichs extrem nahe", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking. "Wir sind besorgt und unruhig wegen des umfangreichen Truppenaufbaus."

Deutschland wird den Worten von Bundeskanzler Gerard Schröder zufolge im Sicherheitsrat nicht für einen Militärschlag stimmen. Die Bundesrepublik ist seit Januar nicht-ständiges Mitglied des Rates.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kritisierte die Haltung der beiden Länder in deutlichen Worten und nannte sie ein Problem. Frankreich und Deutschland stünden für das "alte Europa". Zahlreiche Länder Europas stünden nicht an ihrer, sondern an der Seite der USA. Das Land baut zur Zeit eine umfangreiche Truppe in der Golfregion aus, die zum Schluss rund 150.000 Soldaten umfassen soll. Auch Großbritannien und Australien entsenden Einheiten.

Außer Frankreich, China und den USA haben Großbritannien und Russland einen ständigen Sitz und Veto-Recht im Uno-Sicherheitsrat. Der chinesische Außenminister Tan Jiaxuan hat vor wenigen Tagen die Forderung unterstützt, den Uno-Waffeninspektoren für die Kontrolle des irakischen Waffenarsenals mehr Zeit zu geben. Die USA lehnen das ab. Ihr engster Verbündeter im Irak-Konflikt ist Großbritannien.

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