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Kritik an Krim-Invasion: Putins widerspenstige Moderatorin

Abby Martin: Die Moderatorin von "Russia Today" kritisierte die russische Regierung (YouTube-Ausschnitt) Zur Großansicht

Abby Martin: Die Moderatorin von "Russia Today" kritisierte die russische Regierung (YouTube-Ausschnitt)

Eigentlich ist der Staatssender "Russia Today" das Sprachrohr der Putin-Regierung. Doch einer Moderatorin war das egal: Sie schimpfte in ihrer Sendung über die Ukraine-Invasion.

Berlin - Abby Martin konnte sich offenbar nicht mehr beherrschen: "Nur weil ich hier arbeite, bei RT, heißt das nicht, dass ich keine journalistische Unabhängigkeit habe", sagte die Moderatorin von "Russia Today" wütend am Ende ihrer Sendung. Die 29-Jährige ging durch ihr Studio in Washington, die Kamera folgte ihr.

"Ich kann nicht genug betonen, wie entschieden ich gegen jegliche Form von ausländischer Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates bin. Was Russland getan hat, war falsch", sagte sie live in der Sendung.

Deutliche Worte, die umso mehr überraschen, als Abby Martin in ihrer Arbeit eigentlich nicht ganz unabhängig ist: Sie arbeitet für Russia Today, den englischsprachigen russischen Staatssender. Wie bei anderen staatlichen Kanälen soll dort ein positives Bild des eigenen Landes vermittelt werden, doch nicht nur das.

Der Sender ist Putins Propaganda-Kanal

RT gibt nur die Sichtweise der Regierung in Moskau wieder. Falls die Fakten mal nicht dazu passen, werden sie von dem Sender einfach passend gemacht. "Wenn Russland Krieg führt, ziehen wir mit in die Schlacht", sagte die Chefredakteurin im vergangenen Jahr zu SPIEGEL ONLINE. Manche Berichte der russischen Medien über die Krim-Krise sind schlicht frei erfunden.

Russland ist kein Staat, der sich der Pressefreiheit verschrieben hat. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation sogar weiter verschlechtert. Im Ranking von Reporter ohne Grenzen belegt das Land inzwischen Platz 148.

Abby Martin war schon in der Vergangenheit mit kontroversen Aussagen aufgefallen und manchmal auch mit Verschwörungstheorien, allerdings noch nie mit Russland-Kritik. Seit 2012 läuft ihre halbstündige Sendung. Sie greift darin Themen auf, von denen sie glaubt, dass andere Medien sie ignorieren.

Ob Abby Martin ihre Sendung nach diesem Vorfall behalten darf, wird sich zeigen. Die 29-Jährige ist nicht nur Moderatorin, sondern auch Aktivistin, Gründerin einer Bürgerjournalismus-Plattform und Künstlerin. Zurzeit plant sie in ihrer Heimat, der San Francisco Bay Area, die Eröffnung einer neuen Ausstellung ihrer Werke.

Eskalation in der Ukraine - Chronologie der Krise
Donnerstag, 20. Februar
REUTERS

Sicherheitskräfte eröffnen in Kiew das Feuer auf Demonstranten. Fast 80 Menschen werden getötet. Damit eskalieren die wochenlangen Proteste in Kiew, die sich auch daran entzündeten, dass Präsident Wiktor Janukowitsch das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnen wollte. Die Europäische Union beschließt individuelle Sanktionen gegen Verantwortliche für die Gewalt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seine Kollegen aus Frankreich und Polen beginnen eine Vermittlungsmission.

Freitag, 21. Februar
AFP

Auf Vermittlung der drei europäischen Außenminister und eines russischen Abgesandten unterzeichnen die Oppositionsführer und Präsident Wiktor Janukowitsch eine Vereinbarung, die eine Präsidentschaftswahl bis Ende des Jahres vorsieht. Das Parlament beschließt die Rückkehr zur Verfassung des Jahres 2004 mit weniger Rechten für den Staatschef.

Samstag, 22. Februar
Getty Images

Das Parlament enthebt Janukowitsch des Amtes und setzt für den 25. Mai eine vorgezogene Wahl an. Janukowitsch reist von Kiew in den Osten der Ukraine und taucht unter. Das Parlament wählt Alexander Turtschinow zu seinem Vorsitzenden. Zudem verfügen die Abgeordneten die sofortige Freilassung Julija Timoschenkos. Sie reist nach Kiew und ruft die Demonstranten auf dem Maidan zur Fortsetzung des Protests auf.

Sonntag, 23. Februar
AFP

Das Parlament wählt Turtschinow zum Übergangspräsidenten. Die USA und der Internationale Währungsfonds stellen Finanzhilfen in Aussicht.

Montag, 24. Februar
AFP

Die Übergangsregierung beziffert den Finanzbedarf der Ukraine auf 35 Milliarden Dollar (25,5 Milliarden Euro).

Dienstag, 25. Februar
AFP

In der Ukraine wird der nach Russland geflohene Janukowitsch wegen "Massenmords" gesucht. Boxweltmeister Vitali Klitschko erklärt seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl.

Mittwoch, 26. Februar
REUTERS

Der proeuropäische Politiker Arseni Jazenjuk wird vom Maidan-Rat als Chef der Übergangsregierung nominiert. Kiew beantragt einen internationalen Haftbefehl gegen Janukowitsch. Putin ordnet eine gewaltige Militärübung an der Grenze zur Ukraine an. Auf der Krim kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der neuen Führung in Kiew.

Donnerstag, 27. Februar
REUTERS

Prorussische Milizionäre besetzen den Regierungssitz und das Parlament in der Krim-Hauptstadt Simferopol. Jazenjuk wird als Regierungschef vom Parlament bestätigt.

Freitag, 28. Februar
Getty Images

Bewaffnete in Uniformen ohne nationale Erkennungszeichen übernehmen die Kontrolle über zwei Flughäfen auf der Krim. Nach Angaben Kiews landen 2000 russische Soldaten auf einem Luftwaffenstützpunkt auf der Halbinsel. US-Präsident Barack Obama droht Moskau mit ernsten Konsequenzen, sollte die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine verletzt werden.

Samstag, 1. März
Getty Images

Das Oberhaus des russischen Parlaments stimmt Putins Antrag zur Entsendung von Truppen in die Ukraine zu. Kiew beschuldigt Russland, inzwischen 6000 Soldaten und 30 Panzerfahrzeuge auf die Halbinsel verlegt zu haben. Ein Referendum über den künftigen Status der autonomen Teilrepublik wird auf den 30. März vorverlegt. Die ukrainische Armee wird in Alarmbereitschaft versetzt.

Sonntag, 2. März
AP

Die Ukraine mobilisiert alle Reservisten, Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk wirft Moskau eine "Kriegserklärung" vor. Prorussische Milizen setzen ukrainische Soldaten auf der Krim in ihren Kasernen fest. Der gerade ernannte ukrainische Marinechef läuft in das Lager der prorussischen Regionalregierung der Krim über.

Die G-7-Staaten legen die Vorbereitungen für den für Juni geplanten G-8-Gipfel in Sotschi auf Eis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirft Putin am Telefonat einen Verstoß gegen das Völkerrecht vor. Putin akzeptiert Merkels Vorschlag zu einem Dialog mit einer "Kontaktgruppe".

Montag, 3. März
DPA

Nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes setzt Russland die Verlegung von Truppen auf die Krim ungebremst fort. Die USA verlangen die sofortige Entsendung von OSZE-Beobachtern. Russlands Börsen und der Rubel brechen ein. Die EU-Außenminister ringen in Brüssel um eine gemeinsame Position zu der Krise.

Dienstag, 4. März
AP/ RIA Novosti

Erstmals meldet sich Russlands Präsident zu Wort: Wladimir Putin sagt auf einer Pressekonferenz, momentan gebe es keine Notwendigkeit für einen militärischen Einsatz. Generell ausschließen will er eine Intervention aber nicht. Das Pentagon beendet die militärischen Kooperationen mit Moskau. Am Abend testet Russland eine Interkontinental-Rakete – die USA waren vorab informiert. Auf der Krim fallen bei einer Konfrontation am Luftwaffenstützpunkt Belbek die ersten Warnschüsse des Konflikts.

ras

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Kein Titel
wll 04.03.2014
Zitat von sysopEigentlich ist der Staatssender "Russia Today" das Sprachrohr der Putin-Regierung in den USA. Doch einer Moderatorin war das egal: Sie schimpfte in ihrer Sendung über die Ukraine-Invasion. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russia-today-abby-martin-kritisiert-russlands-einmarsch-a-956832.html
Vielleicht bekommt sie vom FSB zum Dank bald mal 'ne Tasse Tee spendiert. Alexander Litwinenko lässt grüssen... Aber eine sehr schöne Aktion, das muss man der Dame lassen - journalistisches Rückgrat war ausgerechnet bei RT ja nun wirklich nicht zu erwarten. Die russischen Staatsmedien haben ja normalerweise bestenfalls humoristischen Wert.
2. RT ist
orthos 04.03.2014
RT ist als TV-Sender genauso Seriös wie CNN und Co. Sicherlich kann man auch dort nichts ungefiltert übernehmen, aber das kann man von westlichen Medien auch nicht. Von daher ist der Sender nicht schlecht um mal einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Ich kann nur jedem empfehlen sich den auch anzusehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte..
3. In der Tagesschau
Sugafoot 04.03.2014
hat noch nie sich jemand derart über die Bundesregierung geäußert; nur in ganz seltenen wird mal ein Kommentator eingeschaltet, der weitaus weniger drastische Worte wählt. Daher, die Nachrichten für die eigene Meinung zu instrumentalisieren ist wohl nicht ganz richtig. Nachrichtenmoderatoren bleiben einfach Vorleser, fertig
4. Viele sehr seltsamme Dinge passieren.
SehrVerwundert 04.03.2014
Eine Reporterin des Staatsfernsehens eußert sich gegen Russland. Ich hoffe sie wird nicht gefeuert und darf weiter machen. Wer wirklich interessiert ist und das politische Geschehen verfolgt, der weiß das Putin die letzten Jahre einfach alles richtig macht. Wenn diese Reporterin weiter sollche unüberlegten Außerungen von sich gibt würd ich mich fragen wer sie bezahlt. :-)
5. Aha
LDaniel 04.03.2014
Zitat von orthosRT ist als TV-Sender genauso Seriös wie CNN und Co. Sicherlich kann man auch dort nichts ungefiltert übernehmen, aber das kann man von westlichen Medien auch nicht. Von daher ist der Sender nicht schlecht um mal einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Ich kann nur jedem empfehlen sich den auch anzusehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte..
Die erste Aussage ist mal grober Mist. RT ist nämlich garnicht seriös... . Die Wahrheit liegt auch nicht irgendwo in der Mitte... . Wer auf den Propagandamist der russischen Staatsmedien reinfällt OBWOHL er freien Zugang zu anderen Medien hat, naja.... bei dem wunder ich mich eigentlich, wie er es geschafft hat, den Fernseher anzuschalten... .
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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