Osteuropa Russische Raketen in Kaliningrad verärgern Polen und Litauen
Russland hat heimlich atomwaffenfähige Raketen in der Exklave Kaliningrad stationiert. Die Regierungen in Warschau und Vilnius reagieren besorgt. Litauens Außenminister warnt: "Die Militarisierung der Region schürt weitere Angst."
Moskau - Die Stationierung russischer Kurzstreckenraketen in Kaliningrad sorgt in den osteuropäischen EU-Staaten für Beunruhigung. Die polnische Regierung werde sich in der Angelegenheit mit ihren Nato- und EU-Partnern beraten, erklärte das Außenministerium am Montag in Warschau.
Russland hatte zuvor eine Aufstellung atomwaffenfähiger Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander-M (Nato Code: SS-26 Stone) im Westlichen Wehrbezirk nahe der Grenze zur Nato bestätigt. Nach Meldungen russischer Agenturen räumte das Verteidigungsministerium damit eine Stationierung in der Ostsee-Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg indirekt ein. Die Positionen der Raketen verstießen nicht gegen internationale Vereinbarungen, betonte ein Ministeriumssprecher.
Litauens Verteidigungsminister Juozas Olekas warnte: "Die weitere Militarisierung dieser Region, die an die baltischen Staaten und die Nato grenzt, schürt weitere Angst, und wir werden die Situation dort ganz genau beobachten." Die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen haben sich in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt. Grund dafür sind der Umgang des Kreml mit Oppositionellen und Homosexuellen sowie der wachsende Einfluss Moskaus auf die Ukraine.
"Wir bedrohen niemanden"
Die kremlnahe Zeitung "Iswestija" schrieb, die Iskander-Raketen seien bereits vor gut einem halben Jahr in Kaliningrad aufgestellt worden. Das hatte am Wochenende auch die "Bild"-Zeitung berichtet. Russland hatte als Reaktion auf Nato-Pläne für einen Raketenschild in Europa mehrfach mit der Verlegung gedroht. Moskau betrachtet ein mögliches Abwehrsystem als Gefahr für seine Sicherheit. Die Iskander-M hat bis zu 500 Kilometer Reichweite. Sie kann sowohl mit unterschiedlichen konventionellen als auch atomaren Sprengköpfen bestückt werden.
Wiktor Sawarsin, Vize-Chef des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, sagte, die Stationierung sei notwendig, um die Machtbalance gegenüber der Nato in Europa zu halten. "Wir bedrohen niemanden. Das sind defensive Waffensysteme", sagte Sawarsin der "Iswestija".
Die Rakete fliegt mit mehrfacher Überschallgeschwindigkeit und ist daher nur sehr schwer abzufangen. Erstmals setzte Russland die Iskander-M 2008 während des Krieges gegen Georgien ein.
syd/AFP/Reuters/dpa/AP
