Russische Justiz Festnahme im Mordfall Politkowskaja

Knapp ein Jahr nach dem Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja kommt Bewegung in den Fall: Einem Bericht zufolge verhaftete die Polizei den früheren Chef einer tschetschenischen Bezirksverwaltung. Er soll die Tat organisiert haben.


Moskau - Nach Angaben der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" wurde der Verdächtige Schamil B. bereits am Donnerstag in Moskau gefasst. Er habe bis zum Jahr 2003 der Bezirksverwaltung von Atschkoi-Martan in Tschetschenien vorgestanden, heißt es. B. steht im Verdacht, den Mord organisiert zu haben. Eine offizielle Bestätigung für den Bericht gab es zunächst nicht.

Journalistin Politkowskaja: Festnahme des verdächtigten Drahtziehers
DPA

Journalistin Politkowskaja: Festnahme des verdächtigten Drahtziehers

Die russische Justiz wirft zudem einem russischen Geheimdienstoffizier vor, die Täter kurz vor dem Mord über den Wohnort von Politkowskaja informiert zu haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ria Novosti unter Berufung auf eine den Ermittlungen nahe stehende Quelle. Vergangene Woche sei gegen den FSB-Oberstleutnant Haftbefehl erlassen worden, der allerdings mit dem Politkowskaja-Mord nichts zu tun hat. Dem Geheimdienstler werden auch Erpressung, Entführung und Amtsmissbrauch vorgeworfen, teilte sein Anwalt mit.

Ende August hatten die russischen Behörden gemeldet, zehn Verdächtige im Fall Politkowskaja verhaftet zu haben. "Wir sind deutlich vorangekommen mit unserer Untersuchung zum Mord an der Journalistin Politkowskaja", hatte der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika gesagt.

Politkowskaja war am 7. Oktober vergangenen Jahres im Treppenflur ihres Wohnhauses im Zentrum von Moskau erschossen worden. Generalstaatsanwalt Tschaika hat mehrfach erklärt, der Mord sei von einer tschetschenischen Verbrecherbande ausgeführt worden. Zu den Verdächtigen zählten auch russische Polizei- und Sicherheitsbeamte.

Der Tod Politkowskajas erregte international Aufsehen. Menschenrechtsorganisationen und die ehemaligen Kollegen Politkowskajas vermuteten, dass der Kreml die wahren Hintergründe und die Auftraggeber der Tat verschleiern will. Im Machtkreis des Kremls galt die Frau mit den altmodischen Pullovern als Nestbeschmutzerin. Anfang September tauschte die Generalstaatsanwaltschaft den Chefermittler in dem Fall aus.

kaz/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.