Protest gegen Ölbohrungen Russische Justiz klagt Greenpeace-Aktivisten wegen Piraterie an

In Schlauchbooten hatten sie gegen Ölbohrungen protestiert - jetzt müssen sich 30 Greenpeace-Aktivisten in Russland wegen Piraterie verantworten. Die Staatsanwaltschaft will am Mittwoch Anklage gegen sie erheben.

Protest gegen Verhaftung der Umweltschützer: Bis zu 15 Jahre Haft
DPA

Protest gegen Verhaftung der Umweltschützer: Bis zu 15 Jahre Haft


Moskau - Die in Russland in Untersuchungshaft sitzenden Greeenpeace-Aktivisten müssen sich wegen Piraterie verantworten. In Berichten der Nachrichtenagentur Interfax hieß es, die Staatsanwaltschaft wolle am Mittwoch Anklage gegen alle 30 Beteiligte erheben. Sie hatten vor knapp zwei Wochen in Schlauchbooten gegen Ölbohrungen von Gazprom protestiert und versucht, eine russische Ölplattform zu stürmen. Laut Gesetz stehen auf den Tatvorwurf in Russland bis zu 15 Jahre Haft.

Russische Sicherheitskräfte hatten die Proteste unterbunden und die "Arctic Sunrise" geentert. Anschließend brachten sie das Greenpeace-Schiff in die Nähe des Hafens von Murmansk. Alle 30 Besatzungsmitglieder sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Greenpeace-Anwälte wurden nach Angaben der Umweltschutzorganisation lediglich über zwei Anklagen unterrichtet: gegen Dmitri Litvinov, einen US-Schweden russischer Herkunft, sowie gegen die Finnin Sini Saarela. Laut Greenpeace lag die "Arctic Sunrise" 40 Seemeilen vor der russischen Küste, also in internationalen Gewässern. Eine Sprecherin des Grenzschutzes im nordrussischen Gebiet Murmansk sagte hingegen, das Schiff habe sich in der von Russland festgelegten 500 Meter breiten Sperrzone rund um die Bohrinsel befunden.

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"Arctic Sunrise": Greenpeace-Aktivisten in russischer Haft
Russlands Präsident Putin hat sich vor knapp einer Woche erstmals zu dem Fall geäußert. Bei einem Arktisforum in der sibirischen Stadt Salechard sagte er, die Umweltschützer hätten internationales Recht gebrochen beim Versuch, eine Offshore-Ölplattform zu übernehmen. Gleichzeitig sei "absolut offensichtlich", dass es sich nicht um einen Fall von Piraterie handele. International hatte es heftige Kritik an den Verhaftungen gegeben.

"Arctic Sunrise": Greenpeace-Schiff im Hafen nahe Murmansk
Quelle: Greenpeace; Stand: 24.09.2013

vks/AFP

insgesamt 12 Beiträge
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a.peanuts 01.10.2013
1. Nicht so streng
Liebe Russen seit doch nicht so streng Greenpeace ist eine gute Organisation, die die Welt braucht.
Thorkh@n 01.10.2013
2. Die spinnen ...
... die Russen. Seit Jahrzehnten unternimmt Greenpeace solche Aktionen und noch nie ist jemand ernsthaft auf den Gedanken gekommen, es könne sich dabei im Piraterie handeln. Sie kommen, sie zeigen Flagge und lassen Fotos machen und sie gehen wieder. Friedlich und spektakulär zugleich, um auf Missstände in unserer Umwelt aufmerksam zu machen. Aber piraterie? Wenn es nicht so traurig für die tapferen Aktivisten wäre, man müsste lauthals ob der Blödheit des FSB und seiner gelenkten Justiz lachen.
tasunka 01.10.2013
3. kein kommentar?
die sache ist vielleicht so eindeutig,daß es nicht viel zu überlegen gibt.greenpeaceaktivisten einzusperren ist absolut inakzeptabel,das steht völlig außer frage.
karl-felix 02.10.2013
4. Nun
mutige und unbequeme Mädels und Jungen. Ich drücke ihnen den Daumen, dass sie da halbwegs ungeschoren rauskommen. Mit so Halbdemokratien ist nicht gut Kirschen essen. Allerdings mit gestandenen Demokratien, wenn ich so an die Versenkung des Rainbow Warrior denke, auch nicht. Chapeau vor jungen Leuten, die gegen den Strom schwimmen.
ANDIEFUZZICH 02.10.2013
5. Piraten in der Antarktis
Zitat von sysopDPAIn Schlauchbooten hatten sie gegen Ölbohrungen protestiert - jetzt müssen sich 30 Greenpeace-Aktivisten in Russland wegen Piraterie verantworten. Die Staatsanwaltschaft will am Mittwoch Anklage gegen sie erheben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russische-justiz-klagt-greenpeace-aktivisten-wegen-piraterie-an-a-925657.html
Der Vorwurf der Piraterie ist absurd. Wollten die Greenpeaceaktivisten etwa mit der Bohrinsel davonfahren oder Öl stehlen? Oder etwa der Besatzung das Geld stehlen? Waren sie bewaffnet? Konnten sie damit rechnen, unerkannt mit ihrer Beute zu entfliehen? Beute machen will doch in der Antarktis der Ankläger, also der russische Staat, aber andere Anrainerstaaten würden dies genauso tun, wenn sie die Möglichkeit hätten. Und so wie es aussieht, wird dies auch geschehen, da das Eis ja bald kein Problem mehr darstellt.
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