Moskauer Propagandasender RT-Journalisten verlieren Akkreditierung für den US-Kongress

Neue Runde im amerikanisch-russischen Medienstreit: Der Moskauer TV-Sender RT erhält keine Akkreditierungen mehr für eine Berichterstattung aus dem US-Kongress.

RT-Logo des Senders in Moskau
AP

RT-Logo des Senders in Moskau


Journalisten des staatlich kontrollierten russischen Senders RT (früher Russia Today) können nicht mehr täglich aus dem Kapitol in Washington über Vorgänge aus dem Kongress berichten. Ein für die Verteilung der Akkreditierungen zuständiges Komitee zog die entsprechenden Formulare zurück.

Im Streit mit der US-Regierung hatte der Sender kürzlich nachgegeben und sich als "ausländischer Agent" registrieren lassen. Dies erfolgte auf Grundlage eines Gesetzes, das hauptsächlich ausländische Lobbyisten betrifft, die die politischen Interessen ihres Heimatlandes in den USA vertreten. Jene Vertreter sind dazu verpflichtet, ihre Tätigkeiten offenzulegen und sich anzumelden. Washington hält RT ebenso sowie das Nachrichtenportal Sputnik für den Propagandaarm des Kreml. Die Amerikaner werfen Moskau vor, über die Kanäle mit Falschnachrichten die US-Innenpolitik beeinflussen zu wollen.

Kremlchef Wladimir Putin hatte als Reaktion ebenfalls ein "Agenten"-Gesetz angekündigt, mit dem gegen vom Ausland finanzierte Medien vorgegangen werden soll.

als/AP



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michelinmännchen 30.11.2017
1. Meinungsvielfalt ade
Die Sichtweisen des Imperiums dürfen nicht angezweifelt werden. Das nennt man Meinungsfreiheit. Ich bin überzeugt davon, dass Russland diese Einschränkungen nicht vornehmen wird, wäre es doch ein Leichtes, die Zugänge auf Internetseiten der Westpropaganda zu erschweren. Es ist eine Demokratieverachtung erster Güte, insbesondere, da sie auf Lügen aufbaut. Russische Einflussnahme durch das Schalten von Anzeigen für 100.000 US$, wofür Facebook nachweislich auch bei RT geworben hat. Warum auch nicht? Diese bigotten Verurteilungen sind ausschließlich Meinungsmache und haben mit der Realität nur marginal etwas zu tun. Man vergleiche die Einflussnahmen der US Propaganda bis hin zu Regime Changes z.B. in der Ukraine und den Versuchen in Russland. Es ist peinlich.
Bueckstueck 30.11.2017
2. 3,2,1.... Kreml Trolle
Bei diesem Thema strömen gleich wieder die Kreml Trolle herbei und behaupten durchschaubar, dass Russia Today objektiv zu Themen berichten würde, die dem Kreml politisch am Herzen liegen - und das sogar "nachweislich!", was natürlich keiner Überprüfung standhält. Man würde sich nicht wundern, wenn manch ein Forist bis ins Russia Today Landesbüro zurückzuverfolgen wäre. Bei Russia Today kommt hinten vom Prinzip her nichts anderes raus als beim privaten Propagandasender Fox News, mit dem Unterschied, dass letzterer eben aus finanziellen Gründen die Lügen verbreitet die die selbst ausgewählte Kundschaft hören und sehen will... Solche Sender und Publikationen sind das Geschwür welches an Wahrheit und Demokratie nagt!
HeisseLuft 30.11.2017
3. Schön, aber kaum hilfreich
Bei dem Phänomen der russischen Propaganda wird man wesentlich grundsätzlicher ansetzen müssen. Zur Erinnerung der Methoden: https://www.stopfake.org/de/falschmeldungen-fake-news-made-in-russia/ Wenn die werten Bürger einer Demokratie nicht immun gegen solche Methoden werden, dann werden sie ihre Demokratie verlieren. Unwiederbringlich.
mostly_harmless 30.11.2017
4.
Zitat von HeisseLuftBei dem Phänomen der russischen Propaganda wird man wesentlich grundsätzlicher ansetzen müssen. Zur Erinnerung der Methoden: https://www.stopfake.org/de/falschmeldungen-fake-news-made-in-russia/ Wenn die werten Bürger einer Demokratie nicht immun gegen solche Methoden werden, dann werden sie ihre Demokratie verlieren. Unwiederbringlich.
Die Qualität jeder Nachrichten einer Seite / eines Senders in Gänze zu überprüfen überfordert IMHO jeden. Das Problem ist die unkritische, ja geradezu naiv zu nennende Auswahl der Quellen durch die User. Filmchen auf YT beispielsweise, bei denen man die Quelle nicht kennt und deren Ursprung man nicht verifizieren kann sind eben KEINE seriöse Quelle. Da Regeln im Internet (beispielsweise eine Ampel wie bei Lebensmitteln bei Links in Suchmaschinen) nicht zu erwarten sind, braucht es IMHO ein Schulfach, wo der Umgang mit dem Internet gelehrt wird.
korrekturen 30.11.2017
5.
Gestern hat Tim Dowling in The Guardian einen langen Artikel über das Thema veröffentlich ("24-hour Putin people: my week watching Kremlin ‘propaganda channel’ RT") . Ich habe gedacht, endlich wird RT entlarvt, aber weit gefehlt. Der Artikel war ziemlich harmlos, kaum etwas mehr als: "X, der bei RT gearbeitet hat, hat Y darüber gesagt". Sonst kam eine Liste von Gästen und Moderatoren. So wie es aussieht, gibt es Leute, die in unseren Medien erscheinen und mit RT nichts zu tun wollen, und umgekehrt, unsere Medien wollen nicht viel zu tun mit den Leuten, die dort erschienen. Außerdem beklagt sich Dowling, dass einige Experten bei RT unbekannt seien. Aber das passiert auch im Westen. Max Blumenthal hat vor einiger Zeit einen beeindrückenden Artikel darüber veröffentlicht: "Meet Clint Watts, a Dubious Russia Meddling 'Expert' Lobbying the U.S. Government to 'Quell Information Rebellions'". (ich erwähne nur einen Artikel, aber man kann mehr solche Artikel über vermeintlichen Experten bei uns finden). Dass think tanks auf der anderen Seite des Ozeans oft nichts anderes als Propagandaeinrichtungen sind, wird bei uns nicht diskutiert. Ich selbst habe nur einmal RT kurz geschaut und mein Eidruck war, dass sie gelegentlich sicher andere Themen oder Aspekten betonen als bei uns, aber ich vermute, sie würden daselbe über unsere Medien sagen. Während wir ihre Dissidenten zeigen, haben wie Pussy Riot als das höchtes kulturelle Ereignis des Jahrzehnts gefeiert.
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