Heidrun Anschlag Russische Spionin wurde offenbar von Moskau freigekauft

Heidrun Anschlag hat Deutschland verlassen - dabei war die russische Agentin zu jahrelanger Haft verurteilt worden. Warum diese Wendung? Laut SPIEGEL-Informationen vermuten Sicherheitskreise, dass Moskau den Deal finanziert hat.

Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR: Freikauf von Spionen
AP

Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR: Freikauf von Spionen


Hamburg - Die größte deutsch-russische Spionageaffäre seit dem Mauerfall nimmt eine spektakuläre Wendung: Heidrun Anschlag, wegen Agententätigkeit im Auftrag Moskaus im Sommer 2013 zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, ist auf freiem Fuß und in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie wurde vorvergangene Woche aus der Haft entlassen und ausgewiesen.

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Heft 48/2014
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Dabei dürfte die Agentin des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR Hilfe aus Moskau erfahren haben: Um freizukommen, musste sie ungefähr eine halbe Million Euro bezahlen. Das hatte das Oberlandesgericht Stuttgart ihr und ihrem ebenfalls verurteilten Mann gesamtschuldnerisch auferlegt.

Die Summe entspricht dem geschätzten Agentenlohn der beiden. Hinzu kommen Prozesskosten. In Sicherheitskreisen hieß es nach Informationen des SPIEGEL, es sei "nicht anders vorstellbar", als dass Moskau das Geld zur Verfügung gestellt habe. Dass die Anschlags ihr Privatvermögen dafür eingesetzt haben, wird als unwahrscheinlich angesehen.

Andreas und Heidrun Anschlag hatten über 20 Jahre in der Bundesrepublik spioniert. Die Frau konnte nun ausgewiesen werden, da sie über die Hälfte ihrer Freiheitsstrafe verbüßt hat. Ihr Mann, der zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, sitzt noch im Gefängnis.

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
angst+money 22.11.2014
1.
Cooler Name
avers 22.11.2014
2. Wieviel
solcher russischer Agenten wird es in Deutschland wohl noch geben? 1000, 5000 ?? Wann begreift man im Bund und beim Verfassungsschutz, dass Kohl uns mit seinen gewollten CDU-Waehlern unter den sogenannten Russlanddeutschen auch jede Menge KGB-Spione und ein unsaeglich grosses Potential durch den Putin-KGB erpressbarer Familien nach Deutschland geholt hat.
roflem 22.11.2014
3. Unsere Justiz
Käuflich? Das überrascht mich jetzt aber *nicht*. Anscheinend verkaufen die Russen den Ed Snowden aber nicht. Oder doch?
AllesnureinWitz 22.11.2014
4. Das muss
man aber anders formulieren, damit es nicht zu Russland-Bashing wird. Also:"Die Freiheitskämpferin Anschlag konnte gerade rechtzeitig aus den Klauen der faschistischen Deutschen befreit werden. Es flossen keine Lösegelder - allein die allgemeine russische Überlegenheit half der Friedensagentin zur Flucht. Alle offenen Fragen können mit der Losung: "der Westen ist ja selber Schuld" oder "aber die Amis..." beantwortet werden." So würde es stimmen. Ironie/aus
AusVersehen 22.11.2014
5. Kein Rechtsstaat
Von dem Gedanken, dass Deutschland ein Rechtsstaat wäre, mit einer politisch unabhänggen Justiz, habe ich mich ohnehin schon vor langem verabschiedet.
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