Russische Diplomatie Lawrow lädt Kim ein (nicht Kardashian)

Während Donald Trump mit einem Soap-Star im Weißen Haus Reformen bespricht, reist der russische Außenminister Sergej Lawrow nach Nordkorea, um russische Interessen zu bekräftigen. Dort attackiert er unverhohlen den US-Präsidenten.

Ri Yong Ho (l.), Außenminister von Nordkorea, und Sergej Lawrow (r.), Außenminister von Russland
DPA

Ri Yong Ho (l.), Außenminister von Nordkorea, und Sergej Lawrow (r.), Außenminister von Russland


Der russische Außenminister Sergej Lawrow besucht Nordkorea nur wenige Wochen vor einem möglichen Gipfeltreffen zwischen Diktator Kim Jong Un und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Russland ist bislang während der Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea wenig in Erscheinung getreten. Die Vermutung liegt nahe, das Lawrow mit seinem Besuch sicherstellen will, dass Moskaus Interessen inmitten der Verhandlungen im Atomkonflikt mit Nordkorea gewahrt werden.

Russland und der kommunistische Staat sind schon lange verbündet. Moskau fordert die Denuklearisierung Nordkoreas durch Verhandlungen, nicht durch Druck. Anders als die USA. Mit Blick auf die Vereinigten Staaten sagte Lawrow am Mittwoch: "Vielleicht sind solche Methoden im Geschäftsleben wirksam. Aber zu eskalieren, um zu deeskalieren, birgt in den modernen internationalen Beziehungen ernste Risiken." Fast gleichzeitig zu Lawrows Besuch in Nordkorea empfing Donald Trump den US-Soap-Star Kim Kardashian im Weißen Haus, um mit ihr über eine Gefängnisreform zu diskutieren.

Vorbereitungen für USA-Nordkorea-Gipfel laufen

Lawrow hat unterdessen nicht nur seinen Counterpart, den nordkoreanischen Außenminister Ri Yong Ho, getroffen, sondern auch Kim Jong Un. Den Machthaber lud er nach Russland ein. "Kommen Sie nach Russland, wir würden uns sehr freuen, Sie zu begrüßen", sagte Lawrow laut einer Mitteilung des russischen Außenministeriums zu Kim.

Bei den Gesprächen in Pjöngjang sollte es nach Angaben des russischen Außenministeriums um Nordkoreas Atomprogramm und die bilaterale Zusammenarbeit gehen.

Kim nutzte die Begegnung, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Gegengewicht zur USA zu loben. "Ich schätze es sehr, dass Putin Widerstand leistet gegen die Hegemonie der USA", sagte er. "Sie treten sehr entschlossen auf, und wir sind immer bereit, mit Russland darüber zu verhandeln", sagte er laut russischer Übersetzung in einem Video, das vom Außenministerium in Moskau veröffentlicht wurde. Demnach warb Kim dafür, die Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea zu stärken.

Nordkorea - Die Chronik des Konflikts

Trump hatte das für den 12. Juni in Singapur geplante Treffen in der vergangenen Woche unter Verweis auf "offene Feindseligkeit" Nordkoreas abgesagt. Da sich Pjöngjang aber dennoch weiter offen für Gespräche zeigte, änderte Trump seinen Kurs und erklärte, das Treffen sei weiter möglich.

Die Vorbereitungen für die Begegnung laufen. Am Mittwochabend traf US-Außenminister Mike Pompeo in New York mit dem ranghohen nordkoreanischen Unterhändler Kim Yong Chol zusammen.

höh/AFP/Reuters/dpa



insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
susuki 31.05.2018
1.
Zuerst habe ich gehofft das der Postilion den SPON gehackt hat. Alle Hoffnung war vergebens...
RobertW 31.05.2018
2.
Ja, chapeau! Flacher gehts nimmer.
PaulchenGB 31.05.2018
3. Russland und China lassen KIM nicht aus ihren Klauen
seit 65 Jahren hätten beide Staaten den Friedensprozess nachhaltig fördern können, stattdessen haben sie die Nuklearisierung Nord-Koreas überhaupt ermöglicht. Wer hat denn das Material geliefert? Kim ist leider nur Befehlsempfänger/Vasal. Sofern es zum Gipfel kommt, ist ein Eklat vorprogrammiert.
panzerknacker 51 31.05.2018
4. Überschrift
Was soll denn diese Überschrift; sind wir hier bei der Regenbogenpresse?
Watschn 31.05.2018
5. Aha...man will in einem entwicklungshungrigen N-Korea dabei sein
Nun kommt auch Russland angeschwänzelt. Klar, für Nordkorea gäbe es viel zu verkaufen. Von Gas, Öl, Erze, Holzbau, Rüstungsgüter usw...Idealerweise hat man dafür sogar eine gemeinsame Grenze mit Eisenbahnverbindung. Sogar Russland denkt strateg. in die Zunkunft - im Gegensatz zu unserem abgewirtschafteten u. abgebröckelten Rautendenkmal..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.