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Russischer Einmarsch 1999: Showdown in Pristina

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Russland versteht sich als Serbiens Schutzmacht. Im Juni 1999 hätte dies fast zu einem bewaffneten Konflikt mit dem Westen geführt:  Nato-Kommandeur Wesley Clark setzt im Kosovo auf Konfrontation - nur ein störrischer britischer General verhindert eine Eskalation.

Moskau - "Sir, ich werde für Sie nicht den dritten Weltkrieg anfangen", raunzt General Mike Jackson, Kommandeur der britischen Kfor-Truppen. Am 12. Juni 1999 rücken Tausende Nato-Soldaten in den Kosovo ein. Doch am Flughafen Pristina müssen sie verblüfft feststellen: Die Russen sind schon da. 200 Fallschirmjäger haben in den Morgenstunden das Gelände besetzt. Sie verwehren nun den Nato-Einheiten den Zutritt. US-General Wesley Clark ist düpiert - die russische Einheit ist unbemerkt aus Bosnien vorgerückt, dreieinhalb Stunden Vorsprung genügen, um den strategisch wichtigen Flughafen vor der Nato unter russische Kontrolle zu bringen - ein verwegenes Manöver.

Am 12. Juni 1999 rücken Nato-Soldaten in den Kosovo ein: Doch die Russen sind schon da
AP

Am 12. Juni 1999 rücken Nato-Soldaten in den Kosovo ein: Doch die Russen sind schon da

Clark setzt auf Konfrontation. Jacksons Männer sollen die Landebahnen mit ihren Panzerfahrzeugen blockieren. Den Russen soll kein weiterer Coup gelingen, Clark will die kleine Einheit vom Nachschub aus der Luft abschneiden. Doch Jackson widersetzt sich: "Das werde ich nicht tun." Eine bewaffnete Auseinandersetzung mit den Russen will er unbedingt vermeiden.

Im Jahr 1999 beendet das westliche Militärbündnis die ethnischen Säuberungen des jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic im Kosovo. Russland, traditionelle Schutzmacht des serbischen "Brudervolkes", fühlt sich durch den Krieg vom Westen gedemütigt und übergangen. Die Verhandlungen über eine Beteiligung Russlands an der internationalen Schutztruppe stocken. Präsident Boris Jelzin fordert einen eigenen russischen Sektor, will sich aber nicht einem Nato-Oberkommando fügen.

Nun treibt General Clark die Befürchtung, die Russen könnten den Flughafen als Brückenkopf für eine weit größere Operation ausbauen: Den Einmarsch in die serbischen Enklaven des Kosovo und damit die faktische Teilung des Kosovo. Die serbische Minderheit im Kosovo setzt große Hoffnungen in die russischen Truppen. Sie begrüßt die einrollenden Schützenpanzer und Jeeps mit der russischen Fahne frenetisch und mit Gewehrschüssen. "Russland, Russland", skandieren Serben an den Straßenrändern. Das Häuflein Fallschirmjäger, sie werden mit Blumen empfangen wie Befreier.

Konfusion in Moskau

Doch der russische Husarenstreich, er ist weit schlechter vorbereitet, als der Westen zunächst befürchtet. Nachdem die ersten Meldungen über das Unternehmen in Moskau eintreffen, ist die Konfusion in der Hauptstadt nicht geringer als unter den konsternierten Nato-Kommandeuren. Außenminister Igor Iwanow nennt das Kommandounternehmen "einen bedauerlichen Fehler" und sichert einen schnellen Abzug zu. Damit steht er aber recht allein. Der nächtliche Marsch auf Pristina ist ganz nach dem Geschmack des angeschlagenen Boris Jelzin. Flugs belohnt der Präsident den Kommandeur der Fallschirmjäger mit einer Beförderung.

Nur drei Tage nach dem vermeintlichen Husarenstreich stellt sich die Lage der Russen im Kosovo weit weniger heroisch dar: Den Soldaten gehen die Vorräte aus. Sie tauschen mit der Zivilbevölkerung Treibstoff gegen Lebensmittel, bei der Nato bitten sie um Nachschub. Wenig später einigen sich russische und westliche Politiker darauf, dass die Russen Teil der internationalen Schutztruppe werden - einen eigenen Sektor bekommen sie aber nicht.

Der amtierende Präsident Wladimir Putin steht heute in der Kosovo-Frage den USA und europäischen Regierungen ähnlich unversöhnlich gegenüber, wie einst Boris Jelzin. Sollte der Westen einen unabhängigen Kosovo anerkennen, so handle er schlicht "illegal", sagte der russische Staatschef in Moskau. Einen erneuten Showdown in Pristina wird es aber nicht geben - Putin bevorzugt eine besonnenere Politik als sein impulsiver Vorgänger.

Das Kosovo
Die Region
Im Kosovo leben auf 10.887 Quadratkilometern - einer Fläche etwa halb so groß wie Hessen - knapp zwei Millionen Einwohner, 95 Prozent sind muslimische Kosovo-Albaner. Um nach dem Krieg von 1999 weitere gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Serben zu verhindern, wurde die Region unter die Verwaltung der Vereinten Nationen gestellt. Diese Unmik-Mission soll durch die größte zivile Mission der Europäischen Union im Rahmen der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) abgelöst werden.
Geschichte
Der Name Kosovo ist vom Wort "Amselfeld" (Kosovo Polje) abgeleitet, wo am 28. Juni 1389 die Osmanen unter Murad I. die Serben unter Zar Lazar vernichtend schlugen. Auf serbischer Seite kämpften auch Albaner, Bulgaren, Bosnier, Polen, Ungarn und Mongolen. Mit der Niederlage auf dem Amselfeld begann der Untergang des alten Großserbischen Reiches und der Aufstieg des Osmanischen Reiches, das danach den Balkan eroberte.
Die Kfor-Truppen
Nach dem Luftkrieg der Nato gegen Serbien 1999 startete die Allianz auf der Grundlage eines Uno-Mandats ihre Kosovo-Mission (Kfor) mit zunächst 43 000 Soldaten. Gegenwärtig sind in der völkerrechtlich zur Serbien gehörenden Provinz rund 14.000 ausländische Soldaten stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich hier mit momentan knapp 2500 Mann.
Die Resolution 1244
Grundlage des Kfor-Einsatzes ist die am 10. Juni 1999 vom Uno-Sicherheitsrat verabschiedete Resolution 1244. Darin werden Rahmenbedingungen für eine internationale Sicherheitspräsenz im Kosovo geregelt sowie der Auftrag formuliert, im Kosovo ein multi-ethnisches, friedliches, rechtsstaatliches und demokratisches Umfeld mit autonomer Selbstverwaltung aufzubauen. Eine zeitliche Begrenzung des Einsatzes internationaler ziviler und militärischer Helfer ist in der Resolution nicht enthalten.

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