London - Der Frachter liegt jetzt vor der Inselgruppe der Hebriden vor Schottland und dürfte Schwierigkeiten haben, seinen geplanten Kurs fortzusetzen. Denn der unter russischer Flagge fahrenden "MV Alaed" wurde die Versicherung gestrichen. Der britische Schiffsversicherer Standard Club sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem er einen Hinweis von Sicherheitsexperten erhalten hatte.
Der Grund: Auf der "MV Alaed" werden laut einem Bericht des "Telegraph" russische Waffen vermutet, unter anderem Kampfhubschrauber vom Typ Mi25. Sie waren in Kaliningrad an Bord gebracht worden. Das ursprüngliche Ziel der Lieferung war demnach Syrien.
Man sei darauf hingewiesen worden, dass die Fracht nach Syrien transportiert werden sollte und damit gegen bestehende EU-Sanktionen verstoßen werde, erklärte Standard Club. Daraufhin habe man die Reederei informiert, dass der Versicherungsschutz nicht mehr wirksam sei. Bei der Reederei handelt es sich um Femco, ein russisches Unternehmen.
Die von der EU verhängten Sanktionen gegen die syrische Regierung betreffen auch die Versicherungswirtschaft. Dadurch soll sichergestellt werden, dass keine Geschäfte mit dem Regime von Machthaber Baschar al-Assad geführt werden.
Das Schiff war in der Nordsee unterwegs und dem Bericht zufolge auf dem Weg ins Mittelmeer. Wahrscheinlich sei sein Ziel der syrische Hafen von Tartus gewesen, berichtete der "Telegraph". Dort unterhält Russland auch eine Marinebasis. Die "MV Alaed" habe nahe der niederländischen Küste einen abrupten Kurswechsel vorgenommen und sei dann Richtung Schottland gesteuert. Wegen der fehlenden Papiere sehe sich das Schiff jetzt möglicherweise gezwungen, in den nächstgelegenen Hafen einzulaufen.
Britische Sicherheitsexperten erklärten dem "Telegraph" zufolge, den Kurs des Schiffs weiterhin genau zu verfolgen.
Die USA hatten Russland in der vergangenen Woche die Lieferung von Kampfhubschraubern nach Syrien vorgeworfen. Moskau wies dies jedoch zurück und beschuldigte seinerseits Washington, die syrischen Rebellen mit Waffen zu versorgen.
Am Montag meldete die Nachrichtenagentur Interfax zudem, dass Russland die Entsendung zweier Kriegsschiffe nach Tartus vorbereite. Unter Berufung auf einen Offizier im Generalstab der russischen Marine meldete Interfax, es handele sich um die Landungsschiffe "Nikolai Filtschenkow" und "Zesar Kunikow". Die zahlreichen Marinesoldaten an Bord könnten im Notfall die Sicherheit russischer Bürger gewährleisten und einen Teil des russischen Materials aus dem Hafen abtransportieren.
In Syrien lässt Präsident Assad seit Mitte März 2011 einen Aufstand gegen seine Regierung blutig niederschlagen. Bislang wurden dabei nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 14.000 Menschen getötet.
hen/AFP
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