Moskaus Hilfslieferung Russischer Konvoi rollt Richtung ukrainischer Grenze

287 russische Lastwagen sind unterwegs in die Ostukraine, geladen haben sie nach Angaben der Regierung in Moskau ausschließlich Hilfsgüter. Das Rote Kreuz soll den Konvoi an der Grenze übernehmen - doch die Hilfsorganisation weiß davon nichts.

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Moskau/Kiew - Der Konvoi ist gigantisch, der da aus Russland Richtung Ostukraine fährt: 287 Lastwagen auf einer Länge von drei Kilometern. An Bord sind nach russischen Angaben 2000 Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Stromgeneratoren.

Die weiß gestrichenen Militärtransporter sind seit dem Mittwochmorgen wieder unterwegs, sie starteten in Woronosch, das etwa 350 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt liegt. Er hat bereits Belgorod passiert.

Medienberichten zufolge wird damit gerechnet, dass der Konvoi gegen frühen Nachmittag MESZ die Grenze erreichen wird. Zuvor war die Route des Lastwagens geändert worden. Eigentlich sollte sie nach russischen Angaben in Luhansk ankommen, also auf dem Gebiet, das von den Separatisten kontrolliert wird. Dies aber lehnte die ukrainische Regierung ab.

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Russischer Konvoi für Ukraine: 280 Lastwagen, keine Durchfahrt
Jetzt sollen die Lastwagen erst nach Charkiw fahren, etwa 330 Kilometer nordwestlich von Luhansk entfernt. Der Ort ist unter Kontrolle der ukrainischen Armee. Wann dort der Konvoi ankommen und Hilfsgüter an die Menschen verteilt werden können, ist unklar.

Einflussgebiete der prorussischen Separatisten
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Einflussgebiete der prorussischen Separatisten

Nach Angaben des russischen Außenministeriums sollen die Güter an der Grenze nicht umgepackt werden, sondern die Lastwagen ukrainische Nummernschilder bekommen. Später sollen sie dann unter Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) weiterfahren, hieß es aus Moskau. Dies sei so mit den Ukrainern und IRK abgesprochen.

Das IRK sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, man wisse über diese Pläne nichts. Russische Medien meldeten am Mittwoch, dass das IRK eine Liste der humanitären Güter erhalten habe. Dies bestätigte ein Sprecher des Roten Kreuzes auf Nachfrage, die Listen seien allerdings nicht detailliert genug.

Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow schrieb auf Facebook, dass sein Land den Konvoi nicht über die Grenze lassen werde. Er nannte die Hilfsaktion der Russen "zynisch". Kiew befürchtet, dass der Kreml unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen für prorussische Milizen transportieren könnte. Andrej Lyssenko vom nationalen Sicherheitsrat in Kiew warf Russland vor, mit dem Konvoi schweres Kriegsgerät in die Ukraine schmuggeln zu wollen.

Von der Wasser- und der Stromversorgung abgeschnitten

Die prorussischen Separatisten wollen, dass die Hilfsgüter zunächst nach Luhansk gebracht werden. Die Lage in der Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern gilt als besonders dramatisch. Der Ort ist seit zehn Tagen von der Wasser- und der Stromversorgung abgeschnitten.

In der Ostukraine gibt es weiter schwere Kämpfen um die Ortschaft Miussinsk nahe Luhansk, wie die ukrainische Armee und Separatisten übereinstimmend meldeten. Ebenso umkämpft sei Ilowaisk südöstlich der Separatistenhochburg Donezk, die ebenfalls unter Beschuss stand. Die Milizen berichteten zudem von weitreichenden Stromausfällen.

Mindestens fünf Zivilisten seien bei heftigen Gefechten getötet worden, teilte der Stadtrat in Donezk am Mittwoch mit. Die ganze Nacht seien Explosionen zu hören gewesen. Damit sei die Zahl der Toten seit Wochenbeginn auf etwa 60 gestiegen, sagte ein Sprecher der Separatisten der Agentur Interfax.

Die militante Bewegung Rechter Sektor meldete in Kiew, dass zwölf ihrer Anhänger bei Kämpfen im Krisengebiet ums Leben gekommen seien. Die Männer seien in einem Bus in einen Hinterhalt geraten, sagte Parteisprecher Artjom Skoropadski dem Fernsehsender 112.ua. Die rechtsextreme Gruppierung hatte sich nach dem Sturz von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch in eine Partei umgewandelt. Kampfwillige Mitglieder schlossen sich der Nationalgarde an.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes, legten wir nahe, Charkiw sei vorübergehend unter Kontrolle der Separatisten gewesen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

heb/mga/kes/dpa

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Seite 1
myoto 13.08.2014
1. Wieso lese ich nichts über Hilfe aus dem Westen?
Hilfslieferungen, irgendwas. Oder passiert vom Westen aus nix ausser Sanktionen gegen Russland?
sparrenburger 13.08.2014
2. tempo
Sind die in Wladiwostock gestartet oder wie langsam fahren die denn? Sollte der Konvoi nicht durchkommen, sehe ich einen Krieg aufziehen - so hat Putin immer argumentiert.
vonkoesten 13.08.2014
3. Verständlich
Zitat von sysopREUTERSFahrt ins Ungewisse: 287 russische Lastwagen sind unterwegs, angeblich mit Hilfsgütern für die Ostukraine. Noch ist unklar, ob der riesige Konvoi auch die Grenze passieren kann. Russland sagt, der Übergang sei geregelt, Kiew blockt ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russischer-hilfskonvoi-rollt-richtung-ukrainischer-grenze-a-985830.html
Die momentane Situation scheint völlig unübersichtlich, vor allem inwieweit das Internationale Rote Kreuz wirklich eingebunden ist. Verständlich erscheint die Reaktion der Kiewer Regierung, Putin möglichst nicht "erst mal im Land" zu haben. Das an anderer Stelle allerdings als "Putins Trucker-Show" zu bezeichnen, ist - mit Verlaub - zutiefst unseriös.
stefan taschkent 13.08.2014
4. Kiew und die Zivilisten
Die Russen leiten den Konvoi über Charkiw um, er wird dann vom RK und der OSCE beaufsichtigt… Wenn Waffen drin sein sollten, so sollte man diese auch finden können. Wie es aussieht, will Kiew hier lediglich einen positiven PR-Effekt für Russland verhindern. Verständnis habe ich für dieses Verhalten der Kiewer Regierung nicht, denn durch diese Blockade haben - wieder - Zivilisten den Schaden.
stuhlsen 13.08.2014
5. Wo liegt das Problem ?
Worin liegt eigentlich das Problem, diese knapp 300 LKW's bei Eintreffen an der Grenze unter internationaler Aufsicht (RoKr oder OSZE) kontrollieren zu lassen und bei Nichtbeanstandung sofort weiterfahren zulassen, um den Menschen dort zu helfen ? Oder besteht daran gar kein Interesse ? Ich glaube nämlich nicht, dass Putin so ein Risiko eingeht, und Waffen etc. reinschmuggeln will.
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