Unglück über Mittelmeer Russland gibt Israel Schuld für Flugzeugabschuss durch Syrien

Syrische Raketen haben offenbar versehentlich ein russisches Militärflugzeug abgeschossen: Moskau macht einen israelischen Angriff verantwortlich.

 Eine Iljuschin Il-20 mit einem Flugzeug der britischen Royal Air Force (Archivbild)
DPA/ RAF/ BRITISH MINISTRY OF DEFENCE

Eine Iljuschin Il-20 mit einem Flugzeug der britischen Royal Air Force (Archivbild)


Inmitten nächtlicher Luftangriffe auf Syrien ist ein russisches Militärflugzeug vom Typ Iljuschin Il-20 über dem Mittelmeer verschwunden. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einem Abschuss durch syrische Luftabwehrraketen, verantwortlich machte es dafür Israel.

Nach Darstellung Russlands begannen vier israelische Kampfjets vom Typ F-16 um 22 Uhr, die syrische Stadt Latakia zu bombardieren. In der Nähe befanden sich die französische Fregatte "Auvergne" und die russische Propellermaschine Il-20.

Die Armee von Diktator Baschar al-Assad, der unter dem Schutz Russlands steht, habe die israelischen Kampfflugzeuge treffen wollen, hieß es. Doch von einer Rakete des syrischen Luftabwehrsystems S-200 sei dann die russische Propellermaschine getroffen worden. Sie sei gerade im Landeanflug auf die Luftwaffenbasis Hmeimim nahe der Küste im Westen Syriens und nicht zu übersehen gewesen.

Alle 15 Besatzungsmitglieder der Iljuschin tot

Igor Konaschenkow, Sprecher des Verteidigungsministeriums, warf Israel vor, das russische Flugzeug als Deckung genutzt und es so dem Beschuss der syrischen Luftabwehr ausgesetzt zu haben. Er sprach von einem "unverantwortlichen Vorgehen der israelischen Streitkräfte". Alle 15 Mitglieder an Bord der russischen Maschine seien getötet worden.

Das Verteidigungsministerium gab an, die israelische Armee habe erst eine Minute vor Beginn ihrer Luftangriffe das russische Militär von den Bombardements in der Region unterrichtet. Das sei zu wenig Zeit gewesen, für die Il-20 zu reagieren, sich "in eine sichere Zone zu bringen".

"Die volle Verantwortung liegt bei Israel"

"Wir betrachten diese provokativen Aktionen Israels als feindselig... Wir behalten uns angemessene Gegenmaßnahmen vor", sagte Konaschenkow.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu protestierte in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman gegen den Vorfall. "Die volle Verantwortung für den Abschuss des russischen Flugzeugs und den Tod der Besatzung liegt auf der israelischen Seite", sagte Schoigu. Am Dienstagnachmittag bestellte laut staatlicher Nachrichtenagentur Ria Novosti das Außenministerium den israelischen Botschafter ein.

Israel äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.

Am Montag hatten sich die Türkei und Russland auf eine demilitarisierte Zone in der syrischen Provinz Idlib zwischen den Rebellen und den Truppen von Assad geeinigt. Sie soll 15 bis 20 Kilometer breit sein und von türkischem und russischem Militär kontrolliert werden. Russland unterstützt im Syrienkonflikt die Truppen von Assad, die Türkei steht auf der Seite der Rebellen.

mho/heb/AFP



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