Manöver im Schwarzen Meer Russischer Militärjet soll kanadische Fregatte bedrängt haben

Die Regierung in Ottawa spricht von einer "unnötigen Provokation": Mindestens ein russisches Militärflugzeug soll eine kanadische Fregatte im Schwarzen Meer mehrfach umkreist haben. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Kanadische Fregatte "Toronto" (Archivbild): "Die spielen mit uns Katz und Maus"
REUTERS

Kanadische Fregatte "Toronto" (Archivbild): "Die spielen mit uns Katz und Maus"


Ottawa/Moskau - Kanada meldet einen Zwischenfall mit russischen Flugzeugen während einer Nato-Übung im Schwarzen Meer. Zwei russische Kampfjets sowie ein Überwachungsflugzeug seien um die Fregatte "HMCS Toronto" umhergeschwirrt, sagte der kanadische Verteidigungsminister Rob Nicholson am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur AP. Die Agentur AFP berichtet von einem russischen Militärflugzeug.

Dies sei eine "unnötige Provokation" gewesen, sagte Nicholson. Zwar habe das Flugzeug keinerlei Bedrohung dargestellt, der Vorfall drohe die Spannungen in der Region aber "weiter zu eskalieren".

Einheiten der kanadischen Marine nehmen seit Montag an dem dreitägigen "Sea Breeze"-Manöver im Schwarzen Meer teil, an dem sich unter anderem Truppen der USA und der Ukraine beteiligen. Kanadas Teilnahme an der Mission zeige das Engagement Ottawas "für Frieden und Sicherheit in Ost- und Zentraleuropa", erklärte Nicholson. Die Nato-Mission sei ein "direktes Ergebnis der militärischen Aggression und Invasion der Ukraine durch das Regime (Wladimir) Putins", des russischen Präsidenten. Nicholson rief Moskau auf, sein "rücksichtsloses Vorgehen zu stoppen".

Moskau wies die kanadischen Vorwürfe zurück: Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte Generalmajor Igor Konaschenkow. Er sagte, dass es sich um zwei Flugzeuge gehandelt habe, die auf einem Routineflug in der Gegend unterwegs gewesen seien, ohne sich dem ausländischen Schiff genähert zu haben.

In Kanada hatte man sich bereits vor dem Manöver im Schwarzen Meer auf Provokationen eingestellt. "Die werden Katz und Maus mit uns spielen, solange wir dort sind", zitiert die kanadische Tageszeitung "The Globe and Mail" eine nicht näher benannte Quelle des Militärs.

Moskau hatte das Manöver nahe dem Krisengebiet der Ostukraine als "völlig unpassend" kritisiert. Die Führung in Moskau verlegte den russischen Lenkwaffenkreuzer "Moskwa" ins Mittelmeer. Zudem führt die russische Marine parallel ebenfalls ein Großmanöver in unmittelbarer Nähe der Krisenregion durch.

Für Russland seien im Schwarzen Meer etwa 20 Kriegsschiffe sowie Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-24 und Kampfhubschrauber im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Auch Tests von Marschflugkörpern seien geplant.

Die nach monatelangen Kämpfen am Freitag vereinbarte Feuerpause in der Ostukraine erwies sich trotz aller Friedensbeteuerungen der Konfliktparteien als brüchig. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf den Leiter des militärischen Sanitätsdiensts der Ukraine, dass trotz der Waffenruhe in der Ostukraine in den vergangenen Tagen bei Kämpfen mit prorussischen Milizen vier Soldaten getötet worden seien. 29 weitere ukrainische Soldaten seien verletzt worden.

heb/AP/Reuters

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insgesamt 387 Beiträge
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westerwäller 09.09.2014
1. Militärjet bedrängt Kriegsschiff ...
Weil es ein paar mal um es herumfliegt... Wie lustig! Hat es ausweichen müssen?
thomas.b 09.09.2014
2.
Nanu, da nähert man sich in tausenden Kilometer Entfernung einer fremden Landesgrenze und dann umkreist einen ein ansässiger Militärjet - na sowas!
fabio 09.09.2014
3. Schon klar !
Ein russisches Flugzeug vor der eigenen Küste provoziert ein kanadisches Schiff, das Kriegsübungen macht, vor der russischen Küste. Wow, welche Logik !
abita 09.09.2014
4. Was soll das?
Diese Manöver tragen zur Deeskaltion nun wirklich nicht bei. Der Westen provoziert und der Osten reagiert.
nixkapital 09.09.2014
5. Provokation
Natürlich empfindet Russland das Manöver als Provolation. Ich denke auch, dass die US-Luftwaffe dicht am "Gegner" wäre, wenn die Russen z.B. ein Seemanöver vor der Küste Kaliforniens abhalten würde. Business as usual. Das Umkreisen der kanadischen Fregatte jetztz zu einer "unnötigen Provokation" hochzujazzen, zeigt, in welchem Spirit dieses Manöver abgehalten wird. Da wird alles begrüßt, was nur halbwegs zur Steigerung der Krise herhalten kann. Poor West...
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