US-Medienberichte Russischer Oligarch soll Trumps Anwalt 500.000 Dollar gezahlt haben

Neue Runde in der Stormy-Daniels-Affäre: Ihr Anwalt erklärt, Michael Cohen habe Hunderttausende Dollar aus Russland erhalten - auf das Konto, von dem aus die Pornodarstellerin bezahlt worden sein soll.

Michael Cohen
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Ein erst kürzlich mit US-Sanktionen belegter russischer Oligarch soll US-Medienberichten zufolge über eine Firma Hunderttausende Dollar an den Anwalt von US-Präsident Donald Trump gezahlt haben. Das Geld sei auf einem Konto von Michael Cohen hinterlegt worden, das für die Zahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels verwendet worden sei, heißt es in den Berichten.

Wie der Sender CNN meldete, wurden der Oligarch Wiktor Wekselberg und sein Cousin Andrew Intrater in diesem Zusammenhang vom Team um Robert Mueller befragt. Es ermittelt zur mutmaßlichen russischen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf.

Ein Anwalt von Stormy Daniels, Michael Avenatti, veröffentlichte ein Sieben-Seiten-Dokument, aus dem hervorgehen soll, dass Wekselberg und sein Cousin Cohen "ungefähr 500.000 Dollar" in acht einzelnen Zahlungen überwiesen hätten. "Herr Cohen hat diese Zahlungen unerklärlicherweise angenommen, als er der persönliche Anwalt des Präsidenten war", heißt es in dem Dokument. Wekselberg ist einer der reichsten Männer Russlands.

Die "New York Times" ("NYT") und der Sender NBC News berichteten, finanzielle Dokumente eingesehen zu haben, die Avenattis Angaben stützten.

Laut der Zeitung seien die etwa 500.000 Dollar von der New Yorker Investmentfirma Columbus Nova überwiesen worden, deren größter Kunde eine Firma von Wekselberg sei. Ein Anwalt von Columbus Nova sagte der "NYT", bei dem Geld habe es sich um ein Beratungshonorar gehandelt, es gebe keine Verbindung zu Wekselberg.

Cohen bekam laut "NYT" auch Geld von AT&T

Laut "NYT" überwiesen zudem mehrere andere Unternehmen Hunderttausende Dollar an die Firma Essential Consultants, über welche Cohen die Zahlung an Stormy Daniels geleistet haben soll. Darunter seien auch 200.000 Dollar des Telekommunikationskonzerns AT&T, dessen geplante Fusion mit dem Medienunternehmen Time Warner derzeit vor Gericht verhandelt wird. Die US-Regierung blockiert derzeit mit einer Klage die milliardenschwere Übernahme durch AT&T.

AT&T erklärte, Essential Consultants Anfang 2017 als eine von vielen Firmen engagiert zu haben, um "Einblicke in die neue Regierung" zu bekommen. Der Vertrag sei im Dezember 2017 beendet worden. Es habe sich nicht um Lobbyarbeit gehandelt.

Die Zeitung berichtete zudem, dass auch die Tochterfirma des Schweizer Pharmariesen Novartis, Novartis Investments S.A.R.L., sowie der Flugzeugbauer Korea Aerospace Industries hohe Geldzahlungen an Cohens Firma geleistet hätten.

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Stephanie Clifford - so der bürgerliche Name der Pornodarstellerin - hatte zwölf Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 eine Vereinbarung mit Cohen unterzeichnet, in der sie sich verpflichtete, nicht öffentlich über eine angebliche Affäre mit Trump zu sprechen. Im Gegenzug zahlte Cohen ihr 130.000 Dollar (nach heutigem Wert 105.000 Euro). An die Schweigevereinbarung fühlt sich Clifford inzwischen nicht mehr gebunden, sie liegt darüber mit Cohen im Rechtsstreit.

Der US-Präsident hatte am Donnerstag überraschend erklärt, Cohen die 130.000 Dollar erstattet zu haben. Zuvor hatte Trump stets betont, von der Zahlung nichts gewusst zu haben. Eine Affäre mit der Pornodarstellerin bestreitet er weiter.

Die Zahlung gilt als juristisch brisant: Sollte sie geleistet worden sein, um kurz vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie womöglich als Wahlkampfspende deklariert werden müssen. Dies geschah aber nicht - weswegen der Verdacht illegaler Wahlkampffinanzierung im Raum steht.

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Trump-Anwalt Michael Cohen: Der Fixer, ein Mann fürs Grobe

Cohen steht derzeit im Visier der Justiz, er muss sich in zwei Verfahren verantworten. In einem Zivilverfahren in Kalifornien versucht Clifford, die Auflösung des Schweigevertrags zu erzwingen. In New York läuft ein separates Strafverfahren gegen Cohen: Ermittelt wird dabei unter anderem wegen Bankbetrugs und wegen des Verstoßes gegen die Wahlspendengesetze.

aar/AFP/Reuters

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