Russlandaffäre FBI feuert Trump-Kritiker

Er war an den Ermittlungen in der Russlandaffäre beteiligt und hatte Donald Trump in privaten SMS kritisiert. Jetzt wurde FBI-Mitarbeiter Peter Strzok entlassen. Er ist nicht der erste.

FBI-Mitarbeiter Peter Strzok
AFP

FBI-Mitarbeiter Peter Strzok


SMS-Nachrichten über Donald Trump sind ihm zum Verhängnis geworden: Das FBI hat den Mitarbeiter Peter Strzok gefeuert. Das teilte dessen Anwalt mit. Strzok sei "unter politischem Druck" entlassen worden, obwohl ein internes Disziplinarverfahren lediglich eine Suspendierung für 60 Tage sowie eine Herabstufung seines Dienstgrades empfohlen habe, sagte Aitan Goelman dem Portal "Politico" und anderen US-Medien.

Strzok hatte zunächst die Email-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton untersucht, später gehörte er zum Team von Robert Mueller, dem Sonderermittler in der Russland-Affäre. In vertraulichen SMS-Nachrichten aus dem Jahre 2016 an die FBI-Anwältin Lisa Page, mit der er eine Affäre hatte, hatte Strzok auf deren Frage, ob Trump jemals US-Präsident werde, geantwortet: "Nein. Nein, wird er nicht. Wir werden das stoppen." In einer anderen SMS hatte Strzok Trump als "Desaster" bezeichnet.

Als Mueller im vergangenen Jahr davon erfuhr, trennte er sich von Strzok, um jedem Anschein von Befangenheit vorzubeugen. Doch Trump-freundliche Kreise lancierten die SMS an die Medien.

Präsident Trump jubelte dementsprechend per Tweet über die Entlassung von Strzok. Dieser habe sich an einer "Hexenjagd" gegen ihn beteiligt. Er sieht in den Textnachrichten einen Beleg, dass die Ermittlungen in der Russland-Affäre politisch motiviert seien. In seiner Twitternachricht bekräftigte der Präsident, dass die Untersuchung gegen Clinton ein "totaler Schwindel" sei. Er forderte deshalb, dass die Untersuchung wegen der Nutzung privater Server neu aufgerollt werden müsse.

Vom FBI gab es zunächst keine Stellungnahme zur Entlassung von Strzok.

Strzok wurde vor kurzem zehn Stunden vom Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses befragt. Zu der Textnachricht sagte er, sie sei eine Reaktion auf beleidigende Äußerungen Trumps gegen die Familie eines gefallenen US-Soldaten gewesen.

Innerhalb eines Jahres ist Strzok damit der dritte FBI-Mitarbeiter, der im Zusammenhang mit der Russland-Affäre entlassen wurde: Im März 2018 wurde der frühere Vizedirektor Andrew McCabe von Justizminister Jeff Sessions gefeuert - unmittelbar vor seiner Pensionierung. Hintergrund waren die FBI-Ermittlungen über eine mögliche Zusammenarbeit des Trump-Wahlkampfteams mit Russland zur Beeinflussung der Wahl 2016. McCabe gehörte zu den ersten in den Reihen des FBI, die mögliche Verbindungen Trumps zu einer russischen Beeinflussung der Präsidentenwahl 2016 untersucht hatten.

McCabe diente unter dem früheren FBI-Chef James Comey, den Trump bereits vergangenen Mai hinausgeworfen hatte.

als/AP/Reuters/dpa

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Seite 1
bruno_67 13.08.2018
1. Hmmm
Irgendwie nichts Neues. Strzok ist doch schon im Juni aus dem FBi "geleitet" worden, nachdem er sogar zeitweise von Sonderermittler Mueller zum Leiter der FBI-Ermittlungen über geheime russische Absprachen gemacht wurde. Diesen Job verlor er wegen den hier erwähnten kritischen Trumph-SMS schon im Sommer 2017. Aus dem FBI geflogen ist er erst im Juni dieses Jahres als publik wurde, dass er schon ein Jahr zuvor (am 19. Mai 2017) per SMS kundtat, dass an der gesamten behaupteten Wahlbeinflussung duch Russland wahrscheinlich nichts dran ist: "...Ein paar Minuten später schrieb Strzok über sein Problem mit den spärlichen Beweisen für Russiagate: „Du und ich, wir wissen beide, dass wir keine Chance haben. Wenn ich es für wahrscheinlich hielte, wäre es keine Frage. Ich zögere teilweise wegen meines Bauchgefühls und wegen meiner Sorge, dass ‘there’s no big there there’.....“ Wer näheres dazu Lesen will: https://consortiumnews.com/2018/07/23/moon-strzok-no-more-lisa-page-spills-the-beans/ In Deutsch: https://www.nachdenkseiten.de/?p=45155 Es scheint also eher darum zu gehen, einen Insider loszuwerden, der bestätigen könnte, dass an dem ganzen "Russland hat Hilary die Wahl geklaut"-Hype vielleicht weniger dran ist, als allgemein verlautet wird.
sven2016 13.08.2018
2.
Die Trumpmafia erkennt zweierlei: Dass eigene Leute vor Gericht aussagen und dass die Regierung beliebig handeln kann, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen - wenigstens vor dem nächsten Januar, wenn die neuen Abgeordneten tätig werden.
Raisti1 13.08.2018
3.
Danke an Bruno für das Posten der zusätzlichen Infos. Wollte genau das selbe schreiben aber war zu faul die Links rauszusuchen :D. Der Artikel wird Strzok jedenfalls nicht gerecht. Man Stelle sich vor Hillary wäre Präsidentin geworden und er hätte das selbe mit Ihr getan. Es ist vollkommen egal wie man zu Trump steht. Wir reden hier von Mitarbeitern von Bundesbehörden die probieren Ihren obersten Dienstherren zu stürzen und das mit 0 Beweisen, wie Strzok selbst zugab.
bigmitt 13.08.2018
4. Das FBI....
...wird einfach erkannt haben das es schlecht für das eigene Ansehen und auch schlecht für die Moral der Agenten ist wenn Strzok weiterhin auf dessen Payroll steht. Bin auf die Stellungnahme von Wray und Rosenstein gespannt.
taglöhner 13.08.2018
5. Dreist
Zitat von Raisti1Danke an Bruno für das Posten der zusätzlichen Infos. Wollte genau das selbe schreiben aber war zu faul die Links rauszusuchen :D. Der Artikel wird Strzok jedenfalls nicht gerecht. Man Stelle sich vor Hillary wäre Präsidentin geworden und er hätte das selbe mit Ihr getan. Es ist vollkommen egal wie man zu Trump steht. Wir reden hier von Mitarbeitern von Bundesbehörden die probieren Ihren obersten Dienstherren zu stürzen und das mit 0 Beweisen, wie Strzok selbst zugab.
Welche Akteneinsicht haben Sie denn? Und auch wenn es schwerfällt sich vorzustellen: Auch oberste Dienstherren unterstehen dem Gesetz. Über Strafverfolgung und "Stürzen" entscheidet das Parlament.
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