Einreiseverbot: Russland bestraft Ausländer wegen "Homosexuellen-Propaganda"

Russland macht Ernst mit seinem Kampf gegen sogenannte Homosexuellen-Propaganda: Vier Niederländer dürfen wegen einem Interview mit einem lesbischen Mädchen drei Jahre lang nicht mehr ins Land einreisen.

Moskau - Erstmals seit Inkrafttreten eines umstrittenen Verbots von "Homosexuellen-Propaganda" hat Russland vier Ausländer wegen Verstoßes gegen das Gesetz bestraft. Die niederländischen Homosexuellen-Aktivisten dürften drei Jahre lang nicht mehr nach Russland einreisen, sagte ein Sprecher der Migrationsbehörde in Moskau am Dienstag der Agentur Interfax. Deutschland warnt in einem Reisehinweis Schwule und Lesben vor dem Gesetz.

Die zwei Frauen und zwei Männer hätten gegen die Visumvorschriften verstoßen, sagte der Behördensprecher. Anstatt sich wie im Visumantrag angegeben um Kulturaustausch zu kümmern, hätten sie in einem Jugendlager nahe der nordrussischen Großstadt Murmansk mit Minderjährigen über Homosexualität gesprochen. Das ist laut dem im Juni verabschiedeten Gesetz unter Androhung einer Geldstrafe verboten. In weiten Teilen der russischen Gesellschaft sindabfällige Äußerungen gegen Homosexuelle üblich.

Camp-Veranstalter Sergej Alexejenko wies die Vorwürfe als "Humbug" zurück. In dem Lager seien keine Minderjährigen gewesen. Die Niederländer waren wegen der Städtepartnerschaft mit Groningen nach Murmansk gekommen. Dort drehten sie einen Dokumentarfilm über Homosexuelle, der beschlagnahmt wurde.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Russland
Held-der-Wahrheit 23.07.2013
ist soweit ich informiert bin Mitglied des Europarates. Wenn ich mich richtig erinnere, verbietet der Europarats-Vetrag eine solche Art der Diskriminierung. Wann schreitet der Europarat und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte endlich ein??
2. Richtig so.
Häretiker 23.07.2013
"Die Müdigkeit, Worte zu verwenden / die auch sie im Munde führen / "gib kein Wort auf" / aber: wer sagte schon alles "Sozialismus" / "Demokratie" / "Freiheit" / Anfälle von Ekel / und die Angst / daß wir verlorengehen / im Dickicht der Phrasen / daß kein Wort mehr übrigbleibt / für das, was wir meinen." Was gehen diesen selbsternannten "Menschenrechtlern" die innerstaatlichen Angelegenheiten anderer Länder eigentlich an? Wie die russische Regierung an die Homosexualität herangeht ist doch nicht verkehrt. Sie ist erlaubt, niemand verbietet es ihnen. Nur weil es keinen Christopher Street Day gibt, sind es nun also homophobe Unterdrücker? Die sogenannten Menschenrechtler haben ein Problem, ein sehr großes Problem. Sie wähen sich moralisch überlegen, obwohl sie in ihrer festgefahrenen Denkweise nur besonders arrogante neue Jakobiner sind. "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich". Ich habe den Spiegel immer für mutigen und investigativen Journalismus bewundert. Leider haben sich die Zeiten geändert und es scheint ein politisches und ideologisches Auswahlverfahren für Redakteure und Autoren zu geben. Schade! Und die deutsche Regierung mit ihren endlosen "Forderungen" gegen andere Regierungen ist unerträglich. "Menschenrechte", "Toleranz" und "Demokratie"... leider nur Worthülsen aus den Mündern von Landes- und Hochverrätern, Steuerhinterziehern und Volksverrätern.
3. Naives Denken
BlogBlab 23.07.2013
Wie kann ein Interview schon Propaganda sein? Da lt. diesem Gesetz nur POSITIVE Äußerungen über Homosexualität verboten sind, sind Hetzern und Pöblern alle Wege offen, NEGATIV darüber zu schwadronieren. Putin scheint zu glauben, homosexuell wird man nur, wenn man dazu propagandistische Reden hört. Das hat bei einigen Leuten mal funktioniert, um sie kommunistisch zu machen, aber hierbei ist es doch anders. Vielleicht sollte er sich mal von Psychologen aufklären lassen.
4.
reuanmuc 23.07.2013
Zitat von Häretiker"Die Müdigkeit, Worte zu verwenden / die auch sie im Munde führen / "gib kein Wort auf" / aber: wer sagte schon alles "Sozialismus" / "Demokratie" / "Freiheit" / Anfälle von Ekel / und die Angst / daß wir verlorengehen / im Dickicht der Phrasen / daß kein Wort mehr übrigbleibt / für das, was wir meinen." Was gehen diesen selbsternannten "Menschenrechtlern" die innerstaatlichen Angelegenheiten anderer Länder eigentlich an? Wie die russische Regierung an die Homosexualität herangeht ist doch nicht verkehrt. Sie ist erlaubt, niemand verbietet es ihnen. Nur weil es keinen Christopher Street Day gibt, sind es nun also homophobe Unterdrücker? Die sogenannten Menschenrechtler haben ein Problem, ein sehr großes Problem. Sie wähen sich moralisch überlegen, obwohl sie in ihrer festgefahrenen Denkweise nur besonders arrogante neue Jakobiner sind. "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich". Ich habe den Spiegel immer für mutigen und investigativen Journalismus bewundert. Leider haben sich die Zeiten geändert und es scheint ein politisches und ideologisches Auswahlverfahren für Redakteure und Autoren zu geben. Schade! Und die deutsche Regierung mit ihren endlosen "Forderungen" gegen andere Regierungen ist unerträglich. "Menschenrechte", "Toleranz" und "Demokratie"... leider nur Worthülsen aus den Mündern von Landes- und Hochverrätern, Steuerhinterziehern und Volksverrätern.
Offenbar haben Sie das Wesentliche nicht verstanden. Das Gesetz besagt ganz einfach, dass Homosexuelle sich verstecken müssen, dass sie sich öffentlich nicht zu ihrer Homosexualität bekennen dürfen, also in der Öffentlichkeit händchenhaltend nicht auftreten dürfen, ohne verhaftet zu werden. Das steht im eklatanten Widerspruch zu den Menschenrechten. Der CSD war einstmals eine Protest- und Demonstrationsveranstaltung im Kampf gegen Diskriminierung.
5. Es ist ein schöner Gradmesser der Toleranz
musikimohr 23.07.2013
Es ist ein schöner Gradmesser der Toleranz und der Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft: Homophobie ist eine Form sexueller Perversion, eine Sublimierung eigener homosexueller Fantasien. Jüngst konnte man einem russisch-orthodoxen Patriarchen beim öffentlichen Schwadronieren über das Weltenende wegen Homosexualität beobachten - genau dieses geistigen Niveaus sind die Homophoben. Aber man muss sie leider ernst nehmen, denn sie agieren brutal: Zusammenschlagen, Vergewaltigungen, Treiben in die Heimlichkeit und in den Suizid erleben wir seit Jahrtausenden. Oft ist es die verkehrte Vorstellung, Homosexuelle seien sexbesessen oder gar Kinderschänder. Die meisten Sexbesessenen sind Standardheteros und Kinderschänder sind es üblicherweise auch. Noch öfter: Homosexualität sei ansteckend oder könne erlernt werden. Dabei sind seit Jahrmillionen sowohl Delphine als auch Giraffen, Bonobos als auch Hunde, nämlich alle Säugetiere, zu 3,21 % homosexuell. Statt dass konservative Bürger die Homophobie des Islam (und auch der russisch-orthodoxen und auch der Katholiken (Münchener Bischof Marx: "Leben verfehlt ..." - so ähnlich)) zum Anlass nehmen, sich von diesem religiösen Terror zu distanzieren, wie sie es beim Islam ach-so-gern tun, mischen sie regelmäßig mit bei der Hetze. Ich bin übrigens hetero und katholisch.
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