Überwachungskameras bei der WM Big Brother sieht auch Fußball

Ob beim Public Viewing oder vorm Stadion: Zehntausende Kameras wurden vor der WM allein in Moskau installiert. Kein Wunder, dass Russlands Polizei mit der Ausbeute der Totalkontrolle zufrieden ist.

Überwachungskamera in Moskau
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Überwachungskamera in Moskau

Von Maxim Kireev, Sankt Petersburg


Die Siege Russlands bei der WM haben im Land für eine überraschend große Fußballbegeisterung gesorgt. Selbst bei manchem Kriminellen ist die Liebe zum Fußball mittlerweile offenbar größer als die Angst vor der Justiz und den Ordnungshütern.

Doch sollte man die Polizei, die bei vielen Russen als rückständig und verknöchert gilt, nicht unterschätzen: In Moskau wurde zum Beispiel einem gesuchten Dieb der Aufenthalt beim offiziellen Public Viewing auf den Sperlingsbergen zum Verhängnis. Überwachungskameras auf dem Fanfest filmten den Mann. Wie die Moskauer Polizei später meldete, nahmen Polizisten den Dieb fest und brachten ihn auf das nächstgelegene Revier, wo seine Identität bestätigt werden konnte.

Nach Angaben des Moskauer Innenministeriums setzt die Polizei in der offiziellen Fanzone sowie im Eingangsbereich des Luschniki-Stadions 282 Überwachungskameras ein. Alle Geräte sind an ein System der Videoanalyse und Gesichtserkennung angeschlossen.

Das System, das während der WM eingesetzt wird, hat rund 50.000 Fotos von Personen, die zur Fahndung ausgeschrieben sind. Dazu gehören nicht nur etwa 2000 ausländische Fußballfans, sondern auch Taschendiebe und russische Hooligans, denen per Gerichtsbeschluss der Zutritt zu Stadien verboten ist.

Bereits zur Halbzeit der WM hatte die russische Polizei mitgeteilt, dass durch die Anwendung des Systems mindestens sechs zur Fahndung ausgeschriebene Personen ausfindig gemacht und festgenommen werden konnten. Die Beamten hätten in Echtzeit per Smartphone und Tablet direkten Zugriff auf die Daten.

Ein mit dem System vertrauter IT-Spezialist berichtete der Zeitung "Moskwoskij Komsomolez", die Technik mache es auch möglich, "auffällige Fans" zu beobachten und im Notfall einzuschreiten. Ein ähnliches Gesichtserkennungssystem wurde vor der WM auch in der Moskauer U-Bahn installiert.



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