Ukrainekonflikt WM brummt, Donbass brennt

Die WM ist in Russland angekommen, die Gastgeber präsentieren sich von ihrer fröhlichsten Seite. Doch während in Moskau gefeiert wird, flammt wenige Autostunden entfernt der Ukrainekonflikt auf.

Kämpfe imDonbass
LYSEIKO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Kämpfe imDonbass

Von Maxim Kireev


Wenn die Gruppenphase heute in die zweite Runde geht, ist die WM endgültig in Russland angekommen. Die Fans feiern nicht nur auf Moskaus Straßen bis tief in die Nacht hinein. Ausgelassen und friedlich, und wer mit Englisch nicht weiterkommt, der kann sich ja immer noch bei ein paar Russen unterhaken und "Rossija, Rossija" grölen. Von den befürchteten russischen Hooligans fehlt jedenfalls jede Spur. Und auch die sonst so übereifrige Polizei hat sich in die fast schon ungewohnte Rolle des bloßen Ordnungshüters zurückgezogen. Die Beamten lassen die Fans gewähren. Ein Idyll von Weltmeisterschaft, könnte man sagen.

Ganz so idyllisch ist es aber doch nicht. Denn während in Russland friedlich gefeiert wird, schießen nur einige Stunden Autofahrt südwestlich von Moskau Menschen aus schweren Geschossen aufeinander.

In einem Interview mit der Moskauer Tageszeitung "Kommersant" erklärte der Vize-Chef der OSZE-Beobachter, Alexander Hug, die Lage im Osten der Ukraine sei so angespannt wie noch nie in diesem Jahr. Die Anzahl der Waffenstillstandsverletzungen habe im Wochenvergleich um 70 Prozent zugenommen. Gleichzeitig wies Hug beiden Seiten die Verantwortung für die Eskalation der Gewalt zu. Sowohl die ukrainische Armee als auch die prorussischen Separatisten würden aufeinander feuern und schwere Waffen außerhalb der Sperrzonen einsetzen.

Seit nunmehr vier Jahren lodert der Konflikt zwischen russlandtreuen Separatisten und den Regierungstruppen im Osten des Landes auf. Wladimir Putin hatte Russland zuletzt offiziell als Schutzmacht der selbsternannten Volksrepubliken von Donezk und Lugansk ins Spiel gebracht. Während seiner Live-Sendung "Direkter Draht" vor anderthalb Wochen drohte Putin der Ukraine ganz unverblümt mit "ernsthaften Folgen für ihre Staatlichkeit", sollte Kiew versuchen, während der WM die abtrünnigen Gebiete zurückzuholen. Seit Beginn des laufenden Jahres sind in der Konfliktzone mindestens 29 Zivilisten ums Leben gekommen. Insgesamt hat der Konflikt mehr als 10.000 Menschen auf beiden Seiten der Frontlinie das Leben gekostet.

So viel zum friedlich-fröhlichen WM-Fest.



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