Nach Krim-Zwischenfall Haftbefehle gegen ukrainische Matrosen

23 ukrainische Seeleute hat Russland nach der Konfrontation vor der Krim in Gewahrsam genommen. Einige von ihnen müssen jetzt in Untersuchungshaft. Das entschied ein russisches Gericht.

Ukrainischer Marinesoldat (rechts)
DPA

Ukrainischer Marinesoldat (rechts)


Ein russisches Gericht in Simferopol auf der Krim hat zwei Monate Untersuchungshaft gegen die ersten von 23 festgenommenen ukrainischen Seeleuten verhängt. Ihnen wird illegaler Grenzübertritt vorgeworfen. Damit drohen ihnen bei einem Prozess in Russland bis zu sechs Jahre Haft.

Am Dienstag würden die Fälle von zwölf Matrosen niedriger Dienstgrade geprüft, sagte Ljudmila Ljubina, die Menschenrechtsbeauftragte der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim. Am Mittwoch werde gegen die Seeleute im Offiziersrang verhandelt, sagte Ljubina der Agentur Tass zufolge.

Wie viele Haftbefehle bisher genau verhängt wurden, ist nicht klar. Die Nachrichtenagentur AFP sprach von drei Seeleuten.

Die russische Küstenwache hatte am Sonntag zwei Patrouillenboote und einen Schlepper der ukrainischen Marine mit Gewalt daran gehindert, vom Schwarzen Meer in das Asowsche Meer durchzufahren.

Die Besatzungen wurden festgenommen. Russland betrachtet die Meerenge von Kertsch als Hoheitsgebiet, auch wenn ein Vertrag von 2003 der Ukraine freie Durchfahrt garantiert. Die neue Wendung im fünf Jahre alten Konflikt zwischen Russland gegen die Ukraine hat international Besorgnis ausgelöst.

Diskussion über neue Sanktionen

Die EU erwägt als Reaktion neue Sanktionen gegen Russland. "Die Frage von weiteren Sanktionen wird sich zeigen, wir haben demnächst einen gemeinsamen Rat", sagte Österreichs Außenministerin Karin Kneissl. Österreich hat die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Alles hänge davon ab, wie sich der Sachverhalt darstelle und wie sich Russland und die Ukraine weiter verhielten, sagte Kneissl. "Aber es wird zu prüfen sein." Derzeit stehe bezüglich des Zwischenfalls jedoch "Aussage gegen Aussage".

Russlands Präsident Wladimir Putin will sich nach Angaben seines Sprechers erst in den nächsten Tagen öffentlich zu den neuerlichen Spannungen äußern. "Der Präsident wird dies tun, wenn er es für notwendig hält." Es sei aber eine sehr ernste Angelegenheit für ihn, sagte Peskow. Eine Gelegenheit könnte sich am kommenden Wochenende beim G20-Gipfel in Argentinien bieten.

mho/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.