Russland Experten finden keine Poloniumspuren in Arafats Leichnam

In Russland sind erste Ergebnisse der Untersuchung von Jassir Arafats Leichnam bekannt geworden. Die Fachleute haben demnach keine Anhaltspunkte für eine Vergiftung des früheren palästinensischen Präsidenten mit dem radioaktiven Gift Polonium 210 gefunden.

  Arafat-Mausoleum: Der Leichnam war im November 2012 exhumiert worden
REUTERS

Arafat-Mausoleum: Der Leichnam war im November 2012 exhumiert worden


Moskau - Vor fast einem Jahr ist die Leiche Jassir Arafats exhumiert worden. Damals wurden Proben genommen, um dem Verdacht nachzugehen, der frühere Palästinenserpräsident sei vergiftet worden. Jetzt haben russische Experten erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen präsentiert. Demnach fanden sie keine Spuren des radioaktiven Giftes Polonium 210 im Leichnam des 2004 gestorbenen Politikers. "Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein", sagte Wladimir Ujba, der Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur, am Dienstag in Moskau laut der Agentur Interfax.

Arafat war am 27. November 2012 in Ramallah exhumiert worden. Dabei waren rund 60 Knochenproben genommen worden. Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland untersuchten je ein Drittel davon auf eine mögliche Vergiftung des Politikers hin.

Ein islamischer Mediziner durfte bei der Exhumierung als einziger die sterblichen Überreste Arafats berühren. Die Ergebnisse der Untersuchungen wollen die schweizerische und die russische Seite an die palästinensische Autonomiebehörde übermitteln. Die französischen Ermittler wollen an die Justiz ihres Landes berichten, wo Arafats Witwe Suha Anzeige gegen unbekannt wegen der möglichen Vergiftung ihres Mannes erstattet hatte.

Dagegen hatten am Wochenende Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "The Lancet" bekräftigt, dass in einigen Kleidungsstücken Arafats, die seine Witwe übergeben hatte, sehr wohl Poloniumspuren gefunden worden seien. Sie bestätigten damit frühere Befunde. Von 75 Asservaten, hätten 38 Poloniumspuren aufgewiesen, die anderen seien nicht kontaminiert. Unklar ist, ob die persönlichen Gegenstände möglicherweise manipuliert worden waren, um den Verdacht auf Israel zu lenken.

Viele Palästinenser verdächtigen Israel, ihren früheren Präsidenten vergiftet zu haben, was das Land jedoch zurückweist. Die Exhumierung der sterblichen Überreste Arafats erfolgte, nachdem im Sommer des vergangenen Jahres Spuren von Polonium an persönlichen Gegenständen Arafats gefunden worden waren. Arafat war 2004 im Alter von 75 Jahren in einem Militärhospital nahe Paris gestorben. Die ihn betreuenden Ärzte nannten damals keine genaue Todesursache.

Polonium wurde der breiten Öffentlichkeit ein Begriff, als 2006 der ehemalige KGB-Agent und spätere Putin-Kritiker Alexander Litwinenko an den Folgen einer durch Polonium 210 verursachten Strahlenkrankheit starb. Litwinenkos Krankheitssymptome vor seinem Tod ähnelten denen Arafats.

ler/dpa

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