"Die Woche" Russisches TV stoppt letzte unabhängige Sendung

Die Fernsehsendung "Die Woche" galt als letzte Bastion des unabhängigen Journalismus im russischen Fernsehen. Nun ist sie plötzlich abgesetzt worden. Die gefeuerten Journalisten sehen den Kreml am Werk.


Moskau - "Die Woche" ist am Ende. Die wöchentliche Politiksendung von Marianna Maximowskaja galt als letzte unabhängige Sendung im russischen Fernsehen. Nun sei sie vom Sender Ren TV überraschend und ohne Angabe von Gründen aus dem Programm genommen worden, sagten Mitarbeiter am Samstag. Der Journalist Roman Super schrieb, die Mitarbeiter hätten davon erst am Freitag erfahren. Was mit ihnen geschehen werde, sei unklar.

Die Sendung von Maximowskaja war eines der Aushängeschilder von Ren TV. Die 44-jährige Journalistin wagte es, Dissidenten und Kreml-Kritiker wie Michail Chodorkowski zu interviewen. Neben dem Internetsender Dozhd, dem Radiosender Moskauer Echo und einigen Zeitungen bot Ren TV mit der "Woche" Kritikern die Möglichkeit, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Im Zuge der Ukraine-Krise hat sich der Druck auf unabhängige Medien in Russland aber noch einmal verschärft.

"Liebe, Frieden und fick dich, Regierung! Das ist alles, was ich zu sagen habe", kommentierte Journalist Super den Vorgang auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Er gehört zu dem Team von 20 Fernsehjournalisten, die diesen Freitag in Moskau entlassen wurden. "Es ist alles sehr verständlich, sie haben gerade die letzte andersdenkende Fernsehsendung gekillt, weil wir eigentlich in der Sowjetunion sind", sagte Super weiter.

"Wir beerdigen nicht den Journalismus"

Zuvor hatte er sich auf Facebook bei der Moderatorin der Sendung Marianna Maksimowskaja bedankt. Später schrieb sie in einer der letzten freien Onlinezeitungen Russlands "Snob.ru": "Wir wussten natürlich, dass 'Die Woche' irgendwann enden würde", und weiter: "Wir verabschieden uns von der Sendung 'Die Woche', aber wir beerdigen nicht unseren Beruf, den Journalismus."

In den letzten Monaten ist die Repression gegenüber freien Medien in Russland immer härter geworden. Der unabhängige Fernsehsender "Regen" darf nicht mehr über Kabelnetz verbreitet werden, alternative Onlinezeitungen wie "Lenta.ru" wurden unter Kontrolle gebracht, die Nachrichtenagentur Ria Nowosti bekam einen Kreml-Anhänger als neuen Chef.

Die Einschränkungen der Meinungsfreiheit gehen über die Medien hinaus: Diese Woche sind neue Gesetze in Kraft getreten, die Blogger mit mehr als 3000 Webseitenbesuchern täglich dazu verpflichten, sich amtlich registrierten zu lassen. Sie gelten dann als Journalisten und müssen deswegen dieselben Gesetze befolgen. Selbst wenn ein Russe aus dem Ausland für ein russisches Publikum schreibt, müsste er sich laut Gesetz in Russland registrieren lassen. Webseiten, die gegen die neuen Gesetze verstoßen, werden vom russischen Staat gesperrt, und Bußgelder von bis zu 670 Euro können verhängt werden.

"Der lange Arm der Mächtigen"

Alya Kirillowa, eine Mitarbeiterin der "Woche", sagte: "Wir haben keine Propaganda gemacht, sondern Ereignisse thematisiert. Wir haben unsere Arbeit gemacht." In dem Moment aber, in dem "Die Woche" die letzte derart kritische Sendung war, "war klar, dass der lange Arm der Mächtigen auch uns früher oder später erreichen würde", so die Journalistin. Das plötzliche Ende der Sendung sei dennoch überraschend, "weil wir alle in die Sommerferien verreist sind".

Beobachtern zufolge war in der derzeitigen, zunehmend nationalistischen und antiwestlichen Stimmung kein Platz mehr für die differenzierte Berichterstattung von Maximowskaja. "Es war die letzte Sendung, die die Leute schauten, um zu erfahren, was in der vergangenen Woche passiert ist, um nicht von Rossija und dem Ersten Kanal vergiftet zu werden", sagte die Medienexpertin Galina Timtschenko mit Blick auf zwei führende staatlich kontrollierte Sender.

lut/cis/AFP



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insgesamt 72 Beiträge
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festplattensicherer 02.08.2014
1. UdSSR Reloaded
Es gibt sie wieder die UdSSR mit allem was dazugehört: Meinungsfreiheit a la Stalin Staatskapitalismus wie anno 1935. Wann werden die Gulags wieder reaktiviert?
minsch 02.08.2014
2.
Putin setzt doch nur das um, was auch hier die Rechtsradikalen und Rechtsextremisten fordern: Die Presse soll jetzt neutral berichten, und was eine neutrale Berichterstattung ist, bestimmt die Regierung, natürlich nur, wenn sie aus den Leuten mit der richtigen politischen Meinung besteht, also "gute" Nationalisten, die dem vaterländischen Reinheitsgebot folgen und daher die EU als Werk des Teufels bekämpfen.
südling 02.08.2014
3. Ich hoffe...
Zitat von sysopDie Fernsehsendung "Die Woche" galt als letzte Bastion des unabhängigen Journalismus im russischen Fernsehen. Nun ist sie aus plötzlich abgesetzt worden. Die gefeuerten Journalisten sehen den Kreml am Werk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-fernsehsender-ren-tv-stoppt-kritische-sendung-die-woche-a-984217.html
...diejenigen, die bei uns ständig von gleichgeschalteter Presse oder Mainstream-Medien, von bezahlten Journalisten oder USA-Hörigkeit faseln, nehmen DIESE Meldung auch zur Kenntnis. So läuft das in Putins Vorzeigereich.....
Hammersack 02.08.2014
4. Geschichte wiederholt sich
Kleiner Giftzwerg der - Olympische Spiele zur Propaganda nutzt - und sein Volk für dumm verkauft; - der seine Wiedersacher aus dem Verkehr zieht - und der Medien unter seine Kontrolle bringt; - der Nachbarländer überfällt - und auf Krieg anstelle von Diplomatie setzt. So etwas braucht die Menschheit mit Sicherheit nicht noch einmal.
taglöhner 02.08.2014
5. hermetisch
Ich fürchte, wir werden auch noch ein Ausreiseverbot erleben.
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