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Moskau: Hunderttausende Russen feiern "Heimkehr" der Krim

Jubel auf dem Roten Platz in Moskau: Tausende feiern die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation Zur Großansicht
REUTERS

Jubel auf dem Roten Platz in Moskau: Tausende feiern die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation

Für sie ist es kein Beitritt, keine Eingliederung, sondern die Heimkehr der Krim: Rund 600.000 Russen haben nach Angaben der Behörden die Aufnahme der Schwarzmeer-Halbinsel in die russische Föderation gefeiert. In Moskau bejubelten Anhänger Präsident Putin mit "Rossija! Rossija!"-Rufen.

Moskau - Über dem Roten Platz wehten Hunderte Fahnen, Jubel brandete auf, als der russische Präsident Wladimir Putin die Bühne betrat: Rund 120.000 Menschen haben in Moskau die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation gefeiert. Sie riefen "Rossija! Rossija!", reckten die Hände mit Fäusten in die Luft. Sie hätten die "Heimkehr" der Schwarzmeerregion mit einem Konzert zelebriert, meldete die Agentur Interfax.

Auch in vielen anderen russischen Städten gingen die Menschen am Dienstagabend auf die Straße, um den international scharf kritisierten Kurs des Kreml zu unterstützen. Rund 600.000 Menschen feierten nach Angaben des Innenministeriums die Vereinigung mit der Halbinsel in der Schwarzmeerregion.

Zustimmung des russischen Parlaments sicher

Putin hatte zuvor den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Krim in die Russische Föderation unterzeichnet. Die Halbinsel sei immer ein Teil Russlands gewesen, begründete der Staatschef in einer Rede an die Nation sein Vorgehen. Die große Mehrheit der Russen und der Krim-Bewohner sei für den Anschluss. Auch Vertreter der prorussischen Krim-Führung setzten in Moskau ihre Unterschriften unter das Dokument.

Die Zustimmung des russischen Parlaments zu dem Schritt steht noch aus, gilt aber als sicher. Sie wird noch diese Woche erwartet. Auf der Krim hatten die Bewohner am Sonntag bei einem international nicht anerkannten Referendum mit großer Mehrheit für einen Beitritt zu Russland gestimmt.

Die USA, die EU und die Ukraine sehen einen eklatanten Bruch des Völkerrechts. Washington drohte Moskau mit weiteren Sanktionen, Kanzlerin Angela Merkel beriet erneut mit US-Präsident Barack Obama. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach von einen "gefährlichen Weg", den Russland beschreite. EU und USA hatten bereits Kontosperrungen und Einreiseverbote für Funktionäre in Russland und auf der Krim beschlossen. Auch Japan verhängte Sanktionen.

Kiew erlaubt Soldaten auf der Krim Waffengebrauch

Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Konflikts schürte ein weiterer Zwischenfall auf der Krim. Nach Polizeiangaben wurden am Dienstag ein ukrainischer Soldat und ein Mitglied der prorussischen sogenannten Selbstverteidigungskräfte erschossen.

Ein Heckenschütze habe nahe einer ukrainischen Militärbasis in Simferopol in verschiedene Richtungen gefeuert. Zwei weitere Soldaten seien verletzt worden. "Das könnte eine geplante Provokation sein, um die Lage am Tag der Unterzeichnung des Krim-Vertrags zu destabilisieren", hieß es auf der Homepage der Krim-Polizei. Bei dem Schützen soll es sich dem russischen Nachtrichtenportal Regnum zufolge um einen 17-Jährigen handeln, der bereits in Gewahrsam genommen worden sei.

Die Führung in Kiew reagierte prompt: Interimsregierungschef Arsenij Jazenjuk sagte, der Konflikt habe sich "von einem politischen in einen militärischen" verwandelt. Den ukrainischen Soldaten wurde es erlaubt, fortan bei bewaffneten Angriffen ihre Schusswaffen einzusetzen. Im Konflikt mit Russland sei nun die "militärische Phase" angebrochen.

heb/ala/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Bitte
martje12 19.03.2014
Bitte lasst doch auch die Ukrainer abstimmen - wenn die Wahl pro-EU ausgeht - wird sie bestimmt sogar anerkannt! Aber, dass glaube ich noch nicht einmal...
2. Meine persönlichen Eindrücke von der Krim
joachim.wagner 19.03.2014
Ich war selbst das letzte mal 2009 auf der Krim und konnte mir einen Eindruck machen wie die Krim tickt. Sie tickt Russisch je weiter man nach Süden kommt verstärkt sich dieser Einfluss. Wir haben dort sehr viele Gespräche geführt, meist mit Russen aber im Krimgebirge auch mit Tataren. Eine Feindschaft zwischen den Voksgruppen war nicht zu bemerken. Eine Diskriminierung der Tataren auch unter ukrainischem Einfluss war schon wahrnehmbar nicht nur im Gespräch sondern auch optisch. Wer von Simferopol nach Jalta fährt sieht viele vermeintlich verlassene Datschen. Diese hatten die Tataren nach Rückkehr aus der "Verbannung" errichtet, mussten sie wieder verlassen, um sich in ihnen zugewiesenen Reservaten neu ansiedeln zu dürfen. Erstmals hatte ich 2009 die Möglichkeit die Stadt Sewastopol zu betreten, das war früher auch Krimbewohnern nicht nur Ausländern unmöglich. Konnte dort bis an den Kriegshafen heran und sowohl Schiffe mit ukrainischer als auch mit russischer Flagge fotografieren, die friedlich nebeneinander lagen. Mein Eindruck von Sewastopol war, ich befinde mich nicht in einer ukrainischen sondern in einer russischen Stadt. Der Eindruck kam nicht nur aus Gesprächen mit der Bevölkerung auch auf Grund der Architektur, der Traditionspflege durch Denkmäler von Potjomkin bis zum Denkmal für im Kampf gegen die Taliban gefallenen Soldaten der früheren Sowjetunion. Das Ergebnis des Krim Referendums hat mich nicht überrascht, es widerspiegelt das Meinungsbild der Krimbewohner.
3.
Indigo76 19.03.2014
Zitat von sysopREUTERSFür sie ist es kein Beitritt, keine Eingliederung, sondern die Heimkehr der Krim: Rund 600.000 Russen haben nach Angaben der Behörden die Aufnahme der Schwarzmeer-Halbinsel in die russische Föderation gefeiert. In Moskau bejubelten Anhänger Präsident Putin mit "Rossija! Rossija!"-Rufen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-hunderttausende-russen-bejubeln-krim-eingliederung-a-959527.html
Was ist daran bitte verwunderlich. Vor 25 Jahren waren Russland und die Ukraine quasi dasselbe, nämlich Mitglieder der Sojwetunion. Für Russen war es egal, ob sie in Russland lebten oder auf der Krim. Dann kam der Zusammenbruch im Osten und den Russen auf der Krim wurde von heute auf morgen gesagt: ihr seid keine Russen - ihr seid Ukrainer. Und den Russen in Russland wurden diese Landsleute gewissermaßen weggenommen. Stellen wir uns mal kurz vor, was passiert wäre, wenn 25 Jahre nachdem das Elsass Frankreich zugesprochen wurde, dieses aufgrund eines Volksentscheids (das vermutlich ähnlich ausgegangen wäre), wieder an Deutschland gegangen wäre. Hätten wir anders reagiert, als die Russen heute? Dies sind interne Angelegenheiten der Ukraine und Angelegenheiten zwischen Ukraine und Russland. Wir im Westen sollten uns da raushalten. Das die EU und die USA mit wirtschaftlichen Konsequenzen drohen ist Kindergartenverhalten!
4. optional
thomas_gr 19.03.2014
De-Eskalation western style: "Den ukrainischen Soldaten wurde es erlaubt, fortan bei bewaffneten Angriffen ihre Schusswaffen einzusetzen. Im Konflikt mit Russland sei nun die "militärische Phase" angebrochen."
5. Völker-Teilungs-Recht?
Magician_2000 19.03.2014
Soll der Westen nun tatsächlich mit Waffen- oder Wirtschaftsgewalt durchsetzen, dass EIN Volk in zwei Staaten gespalten bleibt, obwohl das Volk nachweislich zusammen leben will? Warum müssen wir aus wirtschaftlichen Gründen den russischen Bewohnern der Krim solche Gewalt antuen wollen. Und dass 600.000 Menschen auf der Straße jubeln, weil es Putin angeordnet hat und in Wirklichkeit anderer Meinung sein sollen, kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich gebe zu, dass ich die menschenrechtliche Situation der nicht-Russen auf der Krim mit Besorgnis sehe. Wie wäre es, wenn wir uns dafür einsetzen würden?
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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