Jelena Baturina Russlands reichste Frau fordert Medwedews Rücktritt

Sie hat so viel Geld wie keine andere Russin, ihr Mann war fast zwei Jahrzehnte lang Moskaus Bürgermeister. Jetzt lebt Jelena Baturina im Ausland - und rechnet im SPIEGEL mit dem Kreml ab.

Jelena Baturina: Die einzige Milliardärin Russlands
AFP

Jelena Baturina: Die einzige Milliardärin Russlands


Russlands reichste Frau, die Magnatin Jelena Baturina, kritisiert die Wirtschaftspolitik von Wladimir Putin massiv. In einem Interview mit dem SPIEGEL fordert sie den Rücktritt von Regierungschef Dmitrij Medwedew, einem Putin-Zögling. "Ich verstehe nicht, warum Medwedew immer noch Premierminister bleiben darf - so miserabel, wie es um unsere Wirtschaft bestellt ist", erklärte sie. Russland gehe es nicht wegen der westlichen Sanktionen oder dem gesunkenen Ölpreis schlecht, sondern weil die "Wirtschaftspolitik auf der Stelle tritt". (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Die Unternehmerin äußerte Zweifel an der Wirkung westlicher Sanktionen, mit denen gezielt reiche Unternehmer im Umfeld von Präsident Wladimir Putin getroffen werden sollen. "Der Staat hilft den Kreml-nahen Großfirmen. Privatunternehmen und kleine Unternehmen aber leiden. Das ist entsetzlich", sagte sie dem SPIEGEL. "Seit 2000 ist es leider so, dass vor allem Unternehmer aufgestiegen sind, die vom Staat mit Aufträgen versorgt werden. Das ist kein wirkliches Unternehmertum mehr."

Baturina verteidigte die Annexion der Krim. "Europa hat sich bei der Abspaltung des Kosovo von Serbien auch nicht um das Völkerrecht geschert", erklärte sie. "Für uns Russen war, ist und bleibt die Krim russisch."

Die Unternehmerin verwahrte sich gegen Korruptionsvorwürfe und die Anschuldigung, ihr Milliardenvermögen nur der Ehe mit dem ehemaligen Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkow zu verdanken. Sie kritisierte Russlands Rechtssystem: "Solange mein Mann Oberbürgermeister war, haben wir in allen Gerichtsverhandlungen gewonnen, nach seinem Rücktritt fingen wir an zu verlieren. So ist das wohl mit dem russischen Rechtssystem."

In ihrem ersten großen Interview seit dem Sturz ihres Mannes im September 2010 enthüllt sie zudem ein Komplott Medwedews, der damals Präsident war, gegen seinen politischen Ziehvater Putin. "Mein Mann hat Medwedew die Unterstützung für eine zweite Amtszeit verweigert. Dafür rächte sich Medwedew, indem er meinen Mann entmachtete. So banal sind die Dinge gewesen", sagte sie.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 255 Beiträge
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Bueckstueck 04.07.2015
1. Belanglos
Zum Ende hin erklärt sie ja, weshalb sie nicht dem eigentlichen Verantwortlichen für die darbende Wirtschaft - nämlich Putin - ans Bein pinkelt, sondern seinem Handlange Medwedew: Rache. Und der Spiegel liefert die Plattform.
movfaltin 04.07.2015
2. Aha
Sie lebt also "im Ausland". Aha. Nun ist Russland zwar groß, das nichtrussische Ausland aber bedeutend größer. Warum ist der Spiegel immer so uninformativ? Zugleich ist sie, die nicht in Russland lebt, "Russlands reichste Frau". Aha. Warum ist der Spiegel immer so wahrheitsverdrehend? Und der Vorwurf der Unternehmerin ist, Russlands Wirtschaftspolitik trete auf der Stelle, und zur Abwechslung solle Medwedew deshalb zurücktreten. Aha. Das scheint ja konkret und fundiert zu sein ohne Ende. Und natürlichist auch hier dem Prinzip "audiatur et altera pars" Rechnung getragen worden, weil der Spiegel ja zeitnah auch Vertreter einer Gegenposition zu Wort kommen ließ? Nein? Aha. Spiegel eben, die Bild für Wartezimmer.
kuac 04.07.2015
3.
Zitat: "Baturina verteidigte die Annexion der Krim. "Europa hat sich bei der Abspaltung des Kosovo von Serbien auch nicht um das Völkerrecht geschert", erklärte sie. "Für uns Russen war, ist und bleibt die Krim russisch." ........ Der Unterschied ist, dass Kosovo unabhängig ist und Krim nicht.
Bernd.Brincken 04.07.2015
4. Kleinunternehmen
Interessant, dass überhaupt einmal über die russische Wirtschaft mit einem russischen Unternehmer gesprochen wird. Nur wenn Frau Baturina beklagt, "Privatunternehmen und kleine Unternehmen" würden benachteiligt, würde man ja gern einmal exemplarisch Interviews mit solchen Leuten lesen. So mitten aus dem Leben. Ja, es gibt trotz Putin noch ein Leben in Russland, kaum zu glauben.
dark_schneider 04.07.2015
5. Interpretationsfähig...
"Solange mein Mann Oberbürgermeister war, haben wir in allen Gerichtsverhandlungen gewonnen, nach seinem Rücktritt fingen wir an zu verlieren. So ist das wohl mit dem russischen Rechtssystem." Diese Aussage der guten Frau, kann man aber auch anders interpretieren. Ihre Unternehmen haben sicherlich nicht darunter gelitten, dass ihr Mann Oberbürgermeister von Moskau war. Aber Recht hat sie, die Regierung verschleppt seit Jahren notwendige Strukturreformen.
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