Rückzug aus INF-Vertrag Russland konkretisiert Pläne für neue Mittelstreckenrakete

Nach dem Ausstieg aus dem INF-Abrüstungsvertrag hat Russland den Bau einer landgestützten Rakete mit größerer Reichweite angekündigt. Die Entwicklung soll bereits in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Sergej Shoigu
imago/ ITAR-TASS

Sergej Shoigu


Der Kreml plant die rasche Entwicklung einer atomaren Mittelstreckenrakete mit der Reichweite von mehr als 500 Kilometern: Das sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Der Prozess soll bereits in Kürze beginnen. Der INF-Vertrag erlaubte diese Reichweite bisher nicht.

Schoigu sagte, die Amerikaner arbeiteten aktiv an landgestützten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern. "In Anbetracht dessen hat der russische Präsident dem Verteidigungsministerium die Aufgabe gestellt, spiegelartige Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen", sagte der Minister.

Die USA und Russland hatten das mehr als 30 Jahre alte Abkommen über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenraketen am Wochenende nacheinander ausgesetzt, weil sie sich gegenseitig Verstöße vorwerfen. Es bleibt aber noch eine halbjährige Kündigungsfrist, um den Vertrag doch noch zu retten. Die Abkürzung INF steht für "Intermediate Range Nuclear Forces", auf Deutsch: nukleare Mittelstreckensysteme.

Rakete bereits in Syrien im Einsatz

Der Kreml will die sogenannten Kalibr-Marschflugkörper weiterentwickeln. Diese hätten sich in Syrien bewährt, zitierte das russische Militär in einer Erklärung den Verteidigungsminister.

Die russische Marine setzt die Kalibr-Marschflugkörper seit dem Herbst 2015 in Syrien ein. Von einem Kriegsschiff im Kaspischen Meer wurden 26 Raketen auf Stellungen syrischer Rebellen in einer Entfernung von 1500 Kilometern abgefeuert. Diese soll nun offenbar zur landgestützten Version modifiziert werden. Nach Einschätzung von US-Experten gibt es die landgestützte Version des Kalibr-Marschflugkörpers bereits.

Nach Angaben von Schoigu will Russland zudem seine Militärsatelliten im Weltall umrüsten. "Die Erfahrung in Syrien zeigt, dass für einen effizienten Einsatz von Präzisionswaffen detaillierte Karten notwendig sind." Solche Daten könnten nur mit modernen Satelliten gewonnen werden, die die Erdoberfläche überwachten, erklärte der Minister. Es gehe dabei etwa um Kameras mit höherer Auflösung.

mho/heb/dpa/AFP



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